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VERLAG VON GEORG RELMR 1906

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DIE

WEISHEIT DES JESUS SIRACH

ERKLART

VON

RUDOLF SMEND

PROFESSOR IN GÖTTINGEN

MIT UNTERSTÜTZUNG DER KÖNIGLICHEN GESELLSCHAFT DER WISSENSCHAFTEN IN GÖTTINGEN

BERLIN

VERLAG VON GEORG REIMER 1906

JULIUS WELLHäUSEN

GEWIDMET.

VORREDE.

Neben der Auslegung und der geschichtlichen Würdigung des Sirach nimmt die Kritik des hebräischen Textes und der Uebersetzungen in dem vorliegenden Kommentar einen unver- hältnismässigen Raum ein. Schon bei Johannes Drusius (van der Driesche), der im Rückgang auf den Urtext die wissen- schaftliche Erforschung des Sirach begründet hat, ist es nicht anders, und weshalb es unvermeidlich ist, ergibt sich unten aus den Prolegomena. Vorläufig möchte ich es aber schon hier recht- fertigen, in kurzer Darlegung des Ganges, den meine Sirach- studien genommen haben.

Vor langen Jahren halte ich den syrischen Text mit dem griechischen verglichen. Denn obwohl die Originalität der syrischen Uebersetzung längst feststand, hatte sich in Deutschland Niemand systematisch um die Hunderte von Stellen bemüht, an denen Lesefehler, Miss Verständnisse und Willkürlichkeiten des grie- chischen Uebersetzers auf Grund des Syrers nachgewiesen werden konnten. Dagegen hatte in England A. Edersheim (Apocrypha, edited by Henry Wace, Vol. II, London 1888) diese Aufgabe in An- griff genommen. Er hatte zugleich die Verderbtheit des griechischen Vulgärtextes betont und zu seiner Verbesserung von neuem den Complutensischen Text herangezogen, dessen Vorzüge schon Joachim Camerarius und Johannes Drusius, und später Grabe und Bretschneider erkannt hatten, der dann aber von O.F.Fritzsche fast völlig verworfen war. Edersheim hatte auch die After- übersetzungen, so namentlich die sahidisch-koptische, benutzt und die schon von Cornelius a Lapide bemerkte Verw^andtschaft des Lateiners mit dem Syrer ins Auge gefasst und in neuer Weise zu erklären versucht. Ich konnte seine Beobachtungen ergänzen

yj Vorrede.

und korrigieren und dabei wertvolles kritisches Material be- nutzen, das die Göttinger Bibliothek aus Lagardes Nachlass be- sitzt. So hatte ich einen glossatorischen Kommentar zum ganzen Buche einigermassen fertig gestellt, als die Entdeckung des hebräischen Textes, durch die S. Schechter sich einen bleibenden Namen gemacht hat, mir Einhalt gebot. Sehr viele meiner Ver- mutungen fand ich freilich bestätigt, aber zugleich war die Auf- gabe jetzt in völlig neuer Weise gestellt und damit der Arbeit eine unerwartete Ausdehnung gegeben.

Die Wiederherstellung von etwa 200 Zeilen, die in den hebräischen Handschriften mehr oder weniger zerstört sind, er- wies sich als ebenso zeitraubend und schwierig wie unerlässlich. Sodann zeigte sichs, dass der hebräische Text im höchsten Grade verderbt war, und dass die Uebersetzungen nur auf Grund um- ständlicher Untersuchung zu seiner Verbesserimg herangezogen werden konnten. Denn die Probleme, die der griechische, lateinische und syrische Text ihrerseits stellten, waren viel kom- plizierter, als man früher geglaubt hatte. Der hebräische Text beweist, dass der Grieche und der Syrer ihre hebräischen Vor- lagen an manchen Stellen sehr willkürlich wiedergegeben haben, aber noch in anderer Hinsicht ist ihr Wert gesunken. Bickell hatte angenommen, dass der Syrer freilich nach hebräischer Vor- lage, gelegentlich jedoch auch in Anlehnung an den Griechen, gearbeitet habe. In unerwünschtem Grade hatte er Recht gehabt. Der Syrer ist oft sogar einem stark entarteten griechischen Text gefolgt. Ich selbst hatte in den Zusätzen, mit denen der griechische Vulgärtext in der Complutensis und in manchen griechischen Handschriften vermehrt ist, Reste einer zweiten griechischen Uebersetzung vermutet, die auf einen erweiterten hebräischen Text zurückginge. Meine Vermutung wurde dadurch bestätigt, dass in den hebräischen Handschriften an mehreren Stellen der erweiterte hebräische Text zu Tage trat. Die zweite griechische Uebersetzung ist indessen nicht nur in manchen unserer grie- chischen Handschriften mit der ersten vermischt, noch stärker hat sie die griechischen Vorlagen des Lateiners und des Syrers beeinflusst.

Die Verbesserung des hebräischen Textes ist jetzt das hauptsächlichste Ziel der Arbeit. In erheblichem Masse ist er

Vorrede. VII

vselbst dazu das Mittel, und eine hebräische Konkordanz wird auf die Dauer auch aus diesem Grunde unentbehrlich sein. Gleich- wohl erschien es mir vor der Hand noch notwendiger zu sein, den Sprachgebrauch und die Uebersetzungsweise des Enkels in einem vollständigen griechisch -syrisch -hebräischen Index fest- zustellen, der in einigen Monaten im Druck erscheinen soll. Denn für die Emendation des Hebräers kommen in erster Linie doch die Uebersetzungen, und namentlich die erste griechische, in Betracht. Die Abweichungen der Uebersetzungen vom Hebräer und von einander sind aber so gross, dass allein auf Grund einer vergleichenden Statistik der Wert ihres Zeugnisses in jedem einzelnen Fall festgestellt werden kann. Durch Erschliessung der Vorlage des Enkels muss übrigens auch positiv der Wert des gegenwärtigen hel)räischen Textes gesichert werden. Sodann kann nur mit Hülfe einer solchen Statistik für das übrige Drittel des Buches, das wir nur in den Uebersetzungen besitzen, der Urtext erschlossen werden, soweit das überhaupt möglich ist.

Der vorliegende Kommentar besteht deshalb zumeist aus dem Nachweis und der Beurteilung von Parallelen, die der hebräische Text und die Uebersetzungen für die einzelnen Stellen bieten. Zu dem Zwecke musste ich die Uebersetzungen grössten- teils in ihrem Wortlaut anführen. Dabei habe ich dem Syrischen, das zur Verringerung der Kosten mit hebräischen Lettern ge- druckt ist, für des Syrischen imkundige Leser, soweit das nötig schien, deutsche Uebersetzung beigegeben. Den Lateiner habe ich überall da aufgenommen, wo er irgendwie für den Griechen oder für den Urtext in Betracht kommen kann, aber auch da, wo ich die lateinische Uebersetzung aus griechischen Varianten erklären konnte. Dagegen habe ich die der zweiten griechischen Uebersetzung angehörigen Verse in den Prolegomena abgedruckt und in ihrer Gesamtheit besprochen, sie im Einzelnen aber nur ausnahmsweise im Kommentar erörtert. Zu weiterer Entlastung des Kommentars habe ich der gleichzeitig erscheinenden Ausgabe des hebräischen Textes, die ich überall voraussetze, eine deutsche Uebersetzung des ganzen Buches beigefügt.

Was ich über die Uebersetzungen als solche zu sagen wusste, habe ich in den Prolegomena ausgeführt. Im übrigen interessierten sie mich nur als Zeugen für den Urtext, so namentlich der

VIII

rrede.

sprachliche AuBdnick des gesehen auch kein rrteil Beziehung abschliessende bewusst. Es musste mir konstruktion des Frte die Mittel aufzuzeigen, n- Den Gedankengang S Reden habe ioh (Iberall in - dargelegt. Zur Orient > der IJebersrbrift der .lu. Abschnitt, dem die auf angehören. Ich bemerkt- i Texte nach den Kapilfl 'in von Tischendorf uiid >\v-t ich es ausdrti« kli« h «»rk

Die Veroffentlichunc stutzung der Königlichen Qöttingen und daniltor I Herrn Verleg^Ts «Tmtiglicl ziemend Dank zu sa^N^n mancher Hülfe erfreu»'ii F. Justi, was ich i; '

bezüglich der wla\ ..-

Setzungen verdanke, habe i bin ich meinen Koll J. Wackemagel und .1 \S pflichtet.

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an seinem Orte gesagt

Kahlfs, K. Sethe, lausen fUr manche Au

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Göttingen, im .hin "^(^

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VIII Vorrede.

sprachliche Ausdruck des Griechen, über den ich hiervon ab- gesehen auch kein Urteil habe. Dass ich auch sonst in keiner Beziehung abschliessende Resultate bieten kann, bin ich mir bewusst. Es musste mir genügen, die Schwierigkeit der Re- konstruktion des Urtextes darzutun und daneben einigermassen die Mittel aufzuzeigen, die hierfür zu Gebote stehen.

Den Gedankengang Sirachs und den strophischen Bau seiner Reden habe ich überall in der Einleitung der einzelnen Abschnitte dargelegt. Zur Orientierung des Lesers zitiere ich deshalb in der Ueberschrift der links stehenden Kolumnen überall den Abschnitt, dem die auf beiden Kolumnen besprochenen Verse angehören. Ich bemerke übrigens auch hier, dass ich sämtliche Texte nach den Kapitel- und Verszahleu der Septuaginta- Ausgaben von Tischendorf und Swete zitiere. Wo ich davon abgehe, habe ich es ausdrücklich erklärt.

Die Veröifentlichung dieser Arbeit ist mir durch die Unter- stützung der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen und darüber hinaus durch die Opferwilligkeit des Herrn Verlegers ermöglicht; für beides habe ich auch hier ge- ziemend Dank zu sagen. Bei der Arbeit selbst habe ich mich mancher Hülfe erfreuen dürfen. Was ich N. Bonwetsch und F. Justi, was ich insbesondere R. Pietschmann und G. Steindorff, bezüglich der slavischen, armenischen und koptischen Ueber- setzungen verdanke, habe ich an seinem Orte gesagt. Ausserdem bin ich meinen Kollegen A. Rahlfs, K. Sethe, E. Schwartz, J. Wackernagel und J, Wellhausen für manche Aufklärung ver- pflichtet.

Göttingen, im Juni 1906. R. Smend.

Inhalts- Verzeichnis.

Vorrede.

Erklärung der Abkürzungen.

Prolegomena.

Kapitel I. Jesus Sirach und sein Buch.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit.

§ 2. Name^ Inhalt und Anlage des Buches.

§ 3. Dichterische und sprachliche Form. Kapitel II. Der hebräische Text.

§ 4. Die talmudischen und rabbinischen Citate.

§ 5. Die hebräischen Handschriften. Kapitel III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

§ 6. Seine Uebersetzungsweise.

§ 7. Der griechische Vulgärtext. Kapitel IV. Ueber eine zweite griechische Uebersetzung.

§ 8. Ihre Reste.

§ 9. Die Eigenart der Zusätze. Kapitel V. Die Afterübersetzungen des Griechen.

§ 10. Die Vetus Latina.

§ 11. Koptische, äthiopische^ armenische und altslavische Uebersetzungen. Kapitel VI. Die syrische und die arabische Uebersetzung.

§ 12. Der Syrer.

§ 13. Die arabische Uebersetzung. Kapitel VII.

§ 14. Die Rekonstruktion des Urtextes.

Kommentar.

Berichtigungen und Zusätze. Stellenregister.

Erklärung der Abkürzungen.

nach H. B. Swete und E. Nestle.

Zum griechischen Text:

Gr. = griechische Uebersetzung des Enkels.

Gr. 11= zweite griechische Uebersetzung.

A = Cod. Alexandrinus

B = Cod. Vaticanus

C = Cod. S. Ephraemi rescriptus

S = Cod. Sinaiticus

23 = Cod. Venet. Gr. I, nach Lagardes Collation.

55 (unbekannt), nach Holmes-Parsons.

68 = Cod. Venet. Gr. V, nach Holmes-Parsons.

70 =: Cod. Monac. Gr. 551 (olim Augustanus), nach eigener

Collation. 106 = Cod. Ferrarensis. 187, nach Lagardes Collation. 155 r= Cod. Hagensis Meerman. II, (nach Hatch jetzt in der

Bodleiana in Oxford), nach Holmes-Parsons. 157 = Cod. Basiliensis B VI 23, nach Holmes-Parsons. 234 = Cod. Mosquensis d, nach Holmes-Parsons. 248 = Cod. Vaticanus 346, nach Holmes-Parsons.

253 = Cod. Vaticanus 336, nach E. Klostermanns Collation.

254 = Cod. Vaticanus 337, nach Holmes-Parsons.

296 = Cod. Vaticanus Palatino-Heidelbergensis 337, nach Holmes- Parsons.

307 (oder vielmehr 307*) = Cod. Monac. Gr. 129, nach

Holmes-Parsons.

308 (oder vielmehr 308'^) (unbekannt), nach Holmes-Parsons. Fragm. Hieros. = J. Rendel Harris, Biblical Fragments from

mount Sinai (London 1890) p. 11 ff. k =: Codex 6 der grossen Königlichen Bibliothek zu Kopen- hagen, nach eigener Collation.

Erklärung der Abkürzungen. XI

yi oder v = Cod. Vindobonensis Theol. Gr. 11, nach Lagardes

CoUation. v^i = Cod. Vindobonensis Theol. Gr. 147, nach den Angaben

von Hatch. Anton. = Loci communes des Antonius IMelissa, nach Migne,

Patrol. Gr. Tom. 136. Gesner = Conradus Gesner, Loci communes, Francofurti a.M. 1581. Max. = Loci communes des Maximus Coufessor, nach Migne,

Patrol. Gr. Tom. 91.

Afterübersetzungen des Griechen:

Achmim. = Achmimische Uebersetzung, nach R. Pietschmann. Aeth. = Aethiopische Uebersetzung; vgl. Dillmann, Vet. Test.

Aethiopici Tom. V, Berolini 1894. Armen. = Armenischer Sirach (Venedig 1833), nach F. Justi

und H. Herkenne. Boh. = Boheirische Uebersetzung, nach R. Pietschmann. Pal. = Christlich-Palästinische Fragmente (vgl. § 7). Sah. =: Sahidische Uebersetzung, nach R. Pietschmann, G. Stein-

dorUf und N. Peters. Slav. = Slavonische Uebersetzung (Ausgabe der Bibelgesellschaft

s. 1. e. a.), nach N. Bonwetsch. Syroh. = Codex Syrohexaplaris ed. Ceriani (Monumenta sacra

et profana VII, Mediol. 1874).

(Zum lateinischen Text:)

Lat. = Vetus Latina, nach Sabatier.

Am. = Cod. Amiatinus, nach Lagarde, Mitteilungen I, 283 ff,

Corb. 1. 2 = Codd. Corbeienses 1. 2, nach Sabatier.

Sang. 14 = Cod. Sangermanensis 14, nach Sabatier.

Sang. 15 oder Sang. = Cod. Sang. 15 = Parisinus 11553,

nach Lagardes Collation. Theoder. = Cod. S. Theoderici ad Remos, nach Sabatier. Toi. = Cod. Toletanus, nach Palomares, bezw. nach Bianchini,

Vindiciae can. Script. (Romae 1740). Tolos. =^ Toulouser Fragment, herausgegeben von C. Douais

(Une ancienne Version etc., Paris 1895). Turic. = Cod. Carolinus Turicensis, nach 0. Fr. Fritzsche,

XII Erklärung der Abkürzungen.

August, sper.. = Augustinus' Speculum (ed. Weyrich).

Brev. = Breviariuni Mozarabicum (Migne, Patr. Lat. Tom. 86).

DS = De divinis srripturis (ed. Weyrich).

Lib. com. = Liber comicns (Anecdota Maredsolana I, 1893).

Miss. = Missale INlozarabicum (Migne, Patr. Lat. Tora. 85).

Berger = 8. Berger, Histoire de la Vulgate (Paris 1893). Herkenue = H. Herkenne, De Veteris Latinae Ecciesiastici capp.

I— XLIII (Leipzig 1899). Thielmann = Ph. Thielmann in Wölfflins Archiv für lateinische

Lexicographie und Grammatik VIII, 501 ff. IX, 247 ff.

Zum syrischen Text:

Syr. = Syrischer Sirach, nach Lagarde, Libri V. T. apocryphi

Syriace (Leipzig und London 1861). Ambr. = Codex Ambrosianus ed. Ceriani (Müani 1876). b = Codex Mus. Brit. 12142, nach Lagarde. Berol. = Codex Berolinensis Sachau 70, nach eigener Collation. h = Codex Sebastiani Hardy, nach der Londoner Polyglotte. Mas. I = Codex Mus. Brit. Add. 12138 | nach eigener Col- Mas. II = Codex Mus. Brit. Add. 12178 / lation.

Maus. = Biblia sacra juxta versionem simplicem, Mausilii

1887. 1892. p = Codex Pocockianus ]

u = Codex Ussherianus j ^^^^ ^^^^ Londoner Polyglotte, w = Londoner Polyglotte. Arab. = Ai'abische Uebersetzung, nach der Londoner Polyglotte.

Zur Textkritik und Exegese:

W. Bacher, Jewish Quarterly Review IX, 543— 562. XII, 272— 284. Revue des Etudes Juives XXXVII, 308—317. XL, 253—255.

A. Bevan, The Wisdom of ben Sira in The Journal of Theolo- gical Studies I, 135 ff. (mir unzugänglich).

G. Bickell, Zeitschrift für katholische Theologie, 1882, 326 ff. (über Sir. 51, 13 30). Derselbe, die Strophik des Ecclesiasticus, Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgen- landes, 1892, 87 ff.

C. G. Bretschneider, Liber Jesu Siracidae Graece, Ratisbonae 1806.

Erklärung der Abkiirzungeö. Xllt

A. E. Cowley and Ad. Neubauer, The Original Hebrew of a

portion of Ecclesiasticus (39, 15—49, 11), Oxford 1897. Johannes Drusius, SGOIA 2E1PAX, Franekerae 1597. A. Edersheim, Ecclesiasticus, Apocrypha ed. H. Wace, Vol. II,

London 1888. 0. Fr. Fritzsche, Die Weisheit Jesus Sirach's. Kurzgefasstes

Exegetisches Handbuch zu den Apolayphen des A. T., V.

Lieferung, Leipzig 1859. Hugo Grotius, Annotationes in V. T., Vol. III, Parisiis 1644. J. Knabenbauer, Conimentarius in Ecclesiasticum, Cursus Scrip-

turae Sacrae, ed. Cornely etc. II 2, 6, Parisiis 1902. Jsrael Levi, L'Ecclesiastique I II, Bibliotheque de l'Ecole des

Hautes Etudes, Sciences Religieuses X 1. 2, Paris 1898. 1901.

E. Nestle, Marginalien und Materialien, Tübingen 1893.

Th. Nöldeke, The Original Hebrew of a portion of Ecclesiasticus, Expositor XXIX, 347 ft'., London 1897. Derselbe, Be- merkungen zum hebräischen Ben Sira, Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft XX, 81 ff., Giessen 1897.

F. Perles, Notes critiques sur le texte de l'Ecclesiastique, Paris

1897 (aus der Revue des Etudes Juives XXXV).

N. Peters, Der Hebräische Text des Buches Ecclesiasticus, Frei- burg i. B. 1902.

V. Ryssel, Die Sprüclie Jesus', des Sohnes Sirachs, in E. Kautzsch, die Apokryphen und Pseudepigraphen des Alten Testaments, I. Band, S. 230—475, Tübingen 1900. Derselbe, Theo- logische Studien und Kritiken 1900, 363ff. 505 ff.; 1901, 75ff. 269ff. 547ff.; 1902, 205 ff. 347ff

S. Schechter and C. Taylor, The Wisdom of Ben Sira, Cam- bridge 1899.

S. Schechter, Jewish Quarterly Review X, 197—206. XII, 266—272. 456—465.

A. Schlatter, Das neugefundene hebräische Stück des Sirach, Beiträge zur Förderung christlicher Theologie I 5. 6, Gütersloh 1897. i)

1) Ein Verzeichnis älterer exegetischer Literatur gibt Bretschneider p. X seqq.

Prolegomena.

Kap. I. Jesus Sirach und sein Buch.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit.

Jesus Sirach war ein Weisheitslehrer^ der die vornehme Jerusalemische Jugend unterrichtete, aber wie die Weisheits- lehrer jeuer Zeit war er zugleich Schriftgelehrter d. h. Ge- setzeslehrer. Als solchen (dva-ctvtuazfuv = iciD) bezeichnet ihn der griechische Uebersetzer, sein Enkel, in seiner Vorrede, und er selbst preist offenbar seinen eigenen Stand, indem er das Lob des Schi'iftgelehrten singt (38,24 39, 11). Er versaimnelte seine nrtf'^ (= Zuhörerschaft 51, 29) in seinem K'no n^3 (= Lehr- haus 51, 23), was ein Terminus der Schriftgelehrsamkeit ist, und gelegentlich redet er auch in der juiistischen Logik des Schriftgelehi"ten (23, 11. 23). Uebrigens war er wie die dama- ligen Schriftgelehrten (s. z. 38, 33) vermutlich priesterlicher, dabei aber auch wohl vornehmer Herkunft. Wenigstens war er in jüngeren Jahi-en weit gereist (31, 9 13. 51, 13), und vielleicht hatte er damals auch im Dienste eines griechischen Königs, etwa Ptolemaeus' IV. (220—204), gestanden i).

Die griechischen Bibelhandschriften nennen ihn 'Irjaou? üsipa'x (vgl. AxsXoaaa'x Act. 1, 19) oder daraus abgekürzt nur Sstpa'x, und ebenso die späteren Juden ^n''D p. Die sjTischen Bibelhand- schriften haben STCn2 oder schlecht «TDKin (Sohn des Gefangenen). Aber im griechischen Text heisst er 50, 27 vollständiger 'Ir^aou; üiö; Ssipa/ 'EXsa^apou 6 'l£poooXu}i.EiTr^?, und ebenda im hebräischen

') Betr. der jüdischen üeberlieferung über Ben Sira vgl. Job. Chr. Wolf, Bibliotheca Hebraea I 255 263. Die gesamte neuere Literatur findet man bei E. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes III * S. 157 166.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit.

XV

Text «TD p "rtV^K p x?lt^^ p pyoti'. Ebenso lautet der Name in einer Unterschrift des hebräisclien Textes am Schluss des Buches, woneben sicli in einer zweiten «TD p SipJti' V1^' p "{iV^^ findet. Ebenso lauten die syrischen Unterschriften^ und ähnlich die echte syrische Ueberschrift in den Polyglotten, nur dass der Syrer in Rücksicht auf den Griechen pvoir' mit yw vertauscht. Nach dem Zeugnis des Enkels im Prolog hiess der Grossvater in Wahrheit 'Iriaouc, und p \r;f:'^ ist ein unverständiger Zusatz nach c. 50, 1. Dagegen ist 50, 27 (s. d.) im griechischen Text herzustellen: 'Irjaoö; 'EXsotCapou olh? ^'H^'-'7. ^^ '!• Somit war «TD der Name des Grossvaters des Jesus oder eines älteren Vorfahren. Der griechische Uebersetzer bezeichnet in der Vorrede den Jesus als seinen -'z--oc, d. h. nach gewöhnlichem Sprachgebrauch als seinen Grossvater. Da der Uebersetzer im J. 132 nach Aegypten kam und noch nach dem Tode des Ptolemaeus Physkon (117 V. Chr.) dort lebte ^), muss sein Grossvater zu Anfang des 2. Jahrhunderts gelebt haben. Manche haben freilich ra-Tro; hier im Sinne von Ahn verstehen und damit den Verfasser um fast zweihundert Jalu'e hinter den Uebersetzer zurückdatieren wollen. Jesus Sirach war nämlich Zeitgenosse eines Hohen- priesters Simon ben Onia, den er nach seinem Tode als den Hort seines Volkes und einen Vertreter des gesetzlichen Gottes- dienstes in Begeisterung feiert (c. 50). Josephus führt aber in der Reihe der Hohenpriester zwei Simon ben Onia auf: Simon I., Sohn Onia's I., der bei ihm (Antt. XII 43 157) der Gerechte (6 oixaio?) heisst und etwa am Anfang des 3. Jahrhunderts anzu- setzen wäre, und Simon IL, Sohn Onia's IL und Vater Onia's IIL, mit dessen Absetzung durch Antiochus Epiphanes die sjTische Religionsverfolgung ihren Anfang nahm (173 v. Chr.). Nach der gewöhnlichen Bedeutung von iraTCTto? müsste der Sir. 50 gefeierte Simon ben Onia mit Simon IL des Josephus identisch sein, denn für beide ergibt sich dann nach der Angabe des Prologs einer- seits und der Erzählung des Josephus anderseits dieselbe Zeit. Man meint aber, dass der Sir. 50 Gefeierte Simon der Gerechte sei, und diese Meinung ist in der Tat begründet, in noch höherem Grade, als denen, die sie aufstellten, bewusst war. Es handelt

*) Vgl. das unten zu § 5 des Prologs Bemerkte.

Prolegomenä.

Kap. I. Jesus Sirach und sein Buch.

§ 1. Jesus Siracli und seine Zeit.

Jesus Sirach war ein Weisheitslehrer, der die vornehme Jerusalemisclie Jugend unterrichtete, aber wie die Weisheits- lehrer jener Zeit war er zugleich Schriftgelehrter d. h. Ge- setzeslelirer. Als solchen (dva-i-ivoxjxwv = icid) bezeichnet ihn der griechische Uebersetzer, sein Enkel, in seiner Vorrede, und er selbst preist offenbar seinen eigenen Stand, indem er das Lob des Schriftgelehrten singt (38, 24 39, 1 1). Er versammelte seine HD^tt»^ (= Zuhörerschaft 51, 29) in seinem u^iiti n'2 {= Lehr- haus 51, 23), was ein Terminus der Schriftgelehrsamkeit ist, und gelegentlich redet er auch in der jmistischen Logik des Schriftgelehrten (23, 11. 23). Uebrigens war er wie die dama- ligen Schriftgelehrten (s. z. 38, 33) vermutlich priesterlicher, dabei aber auch wohl vornelmier Herkimft. Wenigstens war er in jüngeren Jahi-en weit gereist (31, 9 13. 51, 13), und vielleicht hatte er damals auch im Dienste eines griechischen Königs, etwa Ptolemaeus' IV. (220—204), gestanden i).

Die griechischen Bibelhandschriften nennen ihn 'Irjaou? Setpa'x (vgl. AxeXoaixa'x Act. 1, 19) oder daraus abgekürzt nur Sstpa'x, und ebenso die späteren Juden «TD p. Die syrischen Bibelhand- schriften haben NT'ms oder schlecht Nl"'DK "O (Sohn des Gefangenen). Aber im griechischen Text heisst er 50, 27 vollständiger 'Ir^aou; ütö? 2sipay^ 'EXsaCapou 6 'IspoaoXüjxEixrj?, und ebenda im hebräischen

') Betr. der jüdischen Ueberlieferung über Ben Sira vgl. Job. Chr. Wolf, Bibliotheca Hebraea I 265 263. Die gesamte neuere Literatur findet man bei E. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes III * S. 167 166.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit, XV

Text «TD p "fiV^ü ]2 y)U^'' p pyaii^. Ebenso lautet der Name in einer Unterschrift des hebräisclien Textes am Schluss des Buches, woneben sicli in einer zweiten «TD p Sipiti^ Vlti^^ p pVöti^ findet. Ebenso lauten die syiischen Unterschriften, und ähnlich die echte syrische Ueberschrift in den Polyglotten, nur dass der Syrer in Rücksicht auf den Griechen pvoti' mit j?lt^"> vertauscht. Nach dem Zeugnis des Enkels im Prolog hiess der Grossvater in Wahrheit 'Ir^aoui?, und p pyoii' ist ein unverständiger Zusatz nach c. 50, 1. Dagegen ist 50, 27 (s. d.) im griechischen Text herzustellen: 'lyjaou? 'EXsaCapou ulhz Sstpa/ 6 'I. Somit war XTD der Name des Grossvaters des Jesus oder eines älteren Vorfahren. Der griechische Uebersetzer bezeichnet in der Vorrede den Jesus als seinen 7ra--o?, d. h. nach gewöhnlichem Sprachgebrauch als seinen Grossvater. Da der Uebersetzer im J. 132 nach Aegypten kam und noch nach dem Tode des Ptolemaeus Physkon (117 V. Chr.) dort lebte ^), muss sein Grossvater zu Anfang des 2. Jahrhunderts gelebt haben. Manche haben freilich tAt^t^o^ hier im Sinne von Ahn verstehen und damit den Verfasser um fast zweihundert Jalu'e hinter den Uebersetzer zurückdatieren wollen. Jesus Sirach war nämlich Zeitgenosse eines Hohen- priesters Simon ben Onia, den er nach seinem Tode als den Hort seines Volkes und einen Vertreter des gesetzlichen Gottes- dienstes in Begeisterung feiert (c. 50). Josephus führt aber in der Reihe der Hohenpriester zwei Simon ben Onia auf: Simon l., Sohn Onia's L, der bei ihm (Antt. XII 43 157) der Gerechte (6 Sixato?) heisst und etwa am Anfang des 3. Jahrhunderts anzu- setzen wäre, und Simon IL, Sohn Onia's IL und Vater Onia's III., mit dessen Absetzung durch Antiochus Epiphanes die sjTische Religionsverfolgung ihren Anfang nahm (173 v. Chr.). Nach der gewöhnlichen Bedeutung von TrctiiTro? müsste der Sir. 50 gefeierte Simon ben Onia mit Simon IL des Josephus identisch sein, denn für beide ergibt sich dann nach der Angabe des Prologs einer- seits und der Erzählung des Josephus anderseits dieselbe Zeit. Man meint aber, dass der Sir. 50 Gefeierte Simon der Gerechte sei, und diese Meinung ist in der Tat begründet, in noch höherem Grade, als denen, die sie aufstellten, bewusst war. Es handelt

^) Vgl. das unten zu § 5 des Prologs Bemerkte.

XVl -^^P- I- J^esus Sirach und sein Buch.

sich nämlich Sir. 50 um einen Hohenpriester, dessen Nachfolger den gesetzlichen Gottesdienst vernachlässigte. Weil nun Josephus Simon I. den Gerechten nennt, so meint man weiter, Sir. 50 sei Simon I. geschildert, also habe aucli Sirach selbst am Anfang des 3. Jahrhunders gelebt.

ludessen ist es selir zweifelhaft, ob Simon I. wirklich der Gerechte liiess; Josephus ist dafür ein schlechter Gewährsmann. Denn er weiss von Simon I. augenscheinlich nichts, sondern sagt nur, dass er wegen seiner Frömmigkeit gegen Gott und wegen seines Wohlwollens gegen die Volksgenossen diesen Namen trug. Damit erklärt er den Sinn von p^'i^J^, d. h. er vermutet, dass Simon I. mit Grund so hiess. Sodann besteht der wohlbegmndete Verdacht, dass die Hohepriesterreihe des Josephus für die Zeit von Jaddua (Neh. 12, 11) bis zum Anfang des 2. Jahrhunderts auf Konstruktion beruht, und es ist nicht unwahrscheinlicli, dass Simon I. ben Onia I. nur ein Doppelgänger des Simon II. ben Onia II. ist.i)

Auch der Talmud kennt einen Hohenpriester p'^i^in pj?0li'. In Betracht kommt hier die bekannte Mischnastelle Pirke Aboth I, wonach Simon der Gerechte einer der Letzten von den Männern der grossen Synagoge {=^ Neh. 10) war und die Lelu-e an Anti- gonus von Socho (etwa 150 v. Chr.) überliefert hat und sein Spruch war: durch drei Dinge besteht die Welt, durch das Gesetz, durch den Gottesdienst und durch die Wohltätigkeit. Für die Zeit Simons des Gerechten ergibt sich hieraus nichts. Als Vertreter des gesetzlichen Gottesdienstes erscheint Simon der Gerechte übrigens auch in den beiden Gemareu, so namentlich B. Menachoth 109b und J. Joma Q,'d fol. 43 cd, wo es beide Mal heisst, dass Onia, der Sohn Simons des Gerechten, den Tempel in Aegypten gebaut habe. Gebaut hat ihn Onia III. ben Süuon II., und L. Herzfeld hat danach geschlossen, dass Simon II. der Gerechte hiess."^) In der Tat verdient die Angabe der beiden Gemaren ebenso viel Glauben wie die des Josephus, wenngleich auch sie nichts entscheiden kann. Nicht entscheiden kann auch

^) Vgl. Hugo Willrich, Juden und Griechen (Göttingen 1895) S. 107 If. und J. Wellhausen, Israelitische und jüdische Geschichte * S. 246 ff.

2) Geschichte des Volkes Jisrael (Nordhausen 1867) I S. 377 f. Vgl. ebenda S. 196 f.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit. XVII

die Angabe des Eiisebius, dass Sirach zur Zeit Siinon's IL, des Vaters Onia's III., nicht lange vor Autiochus Epiphanes geschrieben habe. Denn das braucht nicht auf Uel)erlieferuug zu beruhen, Eusebius kann es aus Sir. 50, 1 und dem -dr^izoc: des Prologs erschlossen haben. ^)

Aber was Josephus über Simon I. sagt, berechtigt uns nicht, TrauTto? anders als in der gewöhnlichen Bedeutung Grossvater zu verstehen, und hierbei zu bleiben zwingt uns, wie im Weiteren gezeigt werden soll, der Inhalt des Buches, der uns in die Vor- geschichte der syrischen Religionsverfolgung versetzt. Es führt uns nämlich die Vorbedingungen vor Augen, die das Einschreiten des Antiochus Epiphanes in den inneren Zuständen der jüdischen Gemeinde hatte, und es ist kaum denkbar, dass diese Zustände schon hundert Jahre vorher dieselben waren.^)

Als ein reichhaltiges Kompendium jüdischer Bildung ist das Buch ein wichtiges Denkmal jener sonst wenig bekannten Zeit. Wegen seiner durchgängigen Rückbeziehung auf die kano- nischen Bücher gibt es auch den wichtigsten Massstab für das Alter des Kanons im Ganzen und das der Hagiographeu im Besonderen. Es nimmt aber auch in der jüdischen Weisheits- literatur eine eigenartige Stelle ein und bezeichnet damit einen Wendepunlit in der inneren Geschichte des Judentums.

') Demonstr. evaug. YIII 2, 71; vgl. Chronicon ed. .Schöne II 123 Olymp. 137, 1 sowie Hieronymus zu Dan. 9 (opp. V 686). Zweifelhaft ist auch, ob man Josephus Antt. XII 141 zur Datierung von 60, 2 benutzen darf. Vgl. H. Willrich a. a. 0. S. 39 ff. J. Halevy meint, die hebräische Vorlage des griechischen Uebersetzers sei in solchem Masse entstellt gewesen, dass er zeitlich vom Verfasser viel weiter abstehen müsse, als ein Enkel vom Grossvater. Deshalb sei der Simon Sirachs Simon I. (Revue Semitique 1899, 234 ff.). Er konstruiert dabei die Vorlage des Griechen in wörtlicher Retro- version und misst das so Gefundene am Text der hebräischen Fragmente, den er für viel besser hält. Sehr sonderbar wäre dann, dass ein so viel besserer Text bis zum 11. Jahrhundert erhalten blieb. Indessen lässt sich die Voi'lage des Griechen auf dem von Halevy eingeschlagenen Wege nicht wiederherstellen, wie unten § 6 gezeigt ist. In Wahrheit war sie dem Text der Fragmente weit überlegen, der sich fast durchweg als aus ihr entartet begreifen lässt.

2) Deshalb ist der Simon von Sir. 50 kein anderer als Simon II., und dieser der Gerechte, Simon I. aber auch deshalb ein Doppelgänger Simons IL, weil Josephus ihn den Gerechten nennt. Simon II. hiess so, weil er der letzte Sadokide war, der das Gesetz hielt.

Smend, Sirach-Eommentar. II

^VIII ^^P- I- Jesus Sirach und sein Buch.

Die Weisheit bedeutete für die Israeliten und Juden niemals reine Erkenntnis, sie war vielmehr die Erkenntnis von Gut und Böse, d. h. vom Nützlichen und Schädlichen. In diesem Sinne war sie auch Spekulation über den teleologischen Zusammenhang der Welt, aber zunächst war sie Lebensweisheit Ursprünglich ging sie neben der nationalen Religion her, die als solche den Einzelnen viel weniger als die Gesamtheit anging. Deshalb war sie auch international, wie z. B. die Erzählungen des Königs- buchs über die Weisheit Salomos zeigen. Dabei hatte die Weisheit aber von jeher auch Beziehungen zur Moral und einen allgemein religiösen Cliarakter, wie aus der Paradisesgeschichte deutlich ist. In immer engere Beziehungen zur Moral und Religion trat die Weisheit in nachexilischer Zeit, als die Jahvereligion zur Gesetzesreligion wurde und als solche auch für alle Ein- zelnen die zuverlässige Fühi-erin zum Heil sein wollte. Damit stellte sie sich zunächst neben die Weisheit, die sie nicht ohne weiteres ersetzen konnte und wollte. Es trat vielmehr eine eigen- tümliche Mischung von Religion und Weisheit ein, in der bald das eine bald das andere Element überwog. Denn die Religion war auch damals in erster Linie Sache der Gesamtheit, das ganze Volk sollte zum Gehorsam gegen den Willen Gottes erzogen werden. Nui- zu diesem Zwecke wandte die Religion sich au alle einzelnen Volksglieder, besonders an die Jugend, und zwar an die vor- nehme Jugend des neuen Jerusalem. Weil aber keine Erziehung sich allein auf die Moral stellen kann, wurden die Schrift- gelehrten auch Weisheitslehrer, und als solche verstanden sie sich auf Lebensklugheit wie auf Recht und Moral. Anderseits konnten die Einzelnen in ihrer grossen Mehrheit sich nicht aus- scliliesslich auf den Glauben stellen, dass der Gott des Himmels und der Erde ihre kleinen persönlichen Schicksale überall nach seiner gerechten Vergeltung regiere. Aus der Energie aber, mit der die Einzelnen eine übermenschliche Lenkung ihrer Schicksale forderten, erwuchs eine für die Folgezeit bedeutsame spekulative Idee, übrigens fast die einzige, die das A. T. kennt. Die Lehre, die man zum Leitstern des Lebens nahm, erschien auch als die Macht, die das Lebensglück ihrer Jünger schuf. Sie sollte identisch sein mit der grossen Teleologie, die die gesamte Welt durchwaltete und dm-ch die das All einst von Gott erschaffen

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit XIX

war. Als ein hülfreiches Mittelwesen stand die Weisheit zwisclien Gott und den Menschen, eine Führerin und Helferin, an die der Einzelne sich anklammerte (Prv. 7,4. 9, üf.). Dabei blieb sie aber trotz aller jüdischen Färbung zunächst ein allgemein mensch- liches Gut, und durch sie erschien sogar die Religion als ein allgemein menschliches Anliegen. In den Proverbien kommt der Name Israel, worauf Ewald aufmerksam gemacht hat, überhaupt nicht vor, und im Buche Hieb verhandeln Heiden über die letzten Fragen, die das Verhältnis des einzelnen Menschen zu Gott be- treffen. Aber ein anderes Gesicht zeigt die Weisheit bei Jesus Sirach. Die Zeitverhältnisse, unter denen er lebte und wirkte, gaben der Weisheitslehre eine neue Richtung, sie hoben aber auch ihn selbst über die Bedeutung eines gewöhnlichen Weisheits- lehrers hinaus.

Der Enkel sagt, die Kenntnis der heiligen Bücher müsse durch Schriftstellerei wie durch mündlichen Unterricht von den Gelehrten verbreitet werden. Deshalb habe der Grossvater zur Ergänzung seiner mündlichen Lehrtätigkeit sein Buch geschrieljen, und zu demselben Zwecke habe er selbst es ins Griechische übersetzt. Allerdings unterscheidet Jesus Sirach für die Vorzeit zwischen den Spruchrednern und den Verfassern von Spruch- büchern (44, 4), und das Nächste war auch für ihn seilest der Unterricht in seinem Lehrhause gewesen. Gleichwohl werden in jener nach Koh. 12^ 12 vielschreibenden Zeit Bücher wie das seinige öfter aus dem mündlichen Unterricht erwachsen sein, dem sie dann umgekehrt auch zur Unterlage dienten. Ebenso waren friUier die Proverbien Salomos entstanden. Aber im Unterschiede von den anonymen Spruchsanmilungen der Proverbien tritt im Buche des Jesus Sirach die Person des Lehrers stark hervor. Er nennt sich mit Namen, preist selig, die auf ihn hören (50, 27 ff.), und weist seine Jünger auf den grossen Erfolg hin, mit dem er selbst sich um die Weisheit bemüht habe (51, 13 ff.). Er betont seine von Anfang an feststehende persönliche Ueber- zeugung (39, 32) und die lange Lebenserfahrung^ in der sich ilim die Wakrheit der Religion bewährt habe (31, 9 ff'.). Dabei redet er mit einem merkwürdigen Selbstbewusstsein. Er schöpft freilich überall aus den heiligen Büchern des Altertums, das als die kanonische Zeit längst hinter ihm liegt, und auf Grund der

11*

XX Kap. I. Jesus Sirach und sein Buch.

ixavyj l$i?, die er durch sein Studium iu der heiligen Schrift er- worben hatte, hat er sein Buch verfasst. Er hatte zuerst nur eine Nachlese im Weinberg zu halten geglaubt, aber es hatte sich für ihn eine volle Lese daraus ergeben (36, 16a. 30, 25f.), und der Wassergraben, den er in seinen Garten leiten wollte, war zu einem Strom und zu einem Meere geworden (24, 30 f.). Bei den Häuptern des Volkes verlangt er Gehör (30, 27. 45, 26. 50, 23. 24), und für alle Zukunft wül er wie in göttlicher In- spiration die Lehre verkünden (24, 30f. 50, 27).

Dies Selbstbewusstsein erklärt sich allein aus den ausser- ordentlichen Verhältnissen, unter denen Jesus Sirach wirkte. Die syrische Religionsverfolgung hatte ihren wahren Grund in einer teilweisen Hellenisierung der Juden, die vor dem Ein- schreiten des Antiochus Epiphanes spontan eingetreten war, und in einem daraus entstandenen innerjüdischen Kampf zwischen der väterlichen Religion und dem eindringenden Heidentum. Zu Sirachs Zeit hatte der Abfall schon weit um sich gegriffen. Manche schämten sich des Gesetzes vor den Heiden (42, 2), und leidenschaftlich verwünscht er die Abtrünnigen, die das Gesetz des Höchsten verlassen haben (41, 8. 9). Es war soweit ge- kommen, dass der Hohepriester am Versöhnungstage nicht mehr funktionierte (c. 50), und in der hohenpriesterlichen Familie der Sadokiden bestand schon damals die Zwieti'acht^ die das jüdische Volk den Syrern auslieferte. Sirach lässt sein Buch ausklingen in der an die Söhne Simons gerichteten Mahnung, dem Vorbilde des Vaters treu zu bleiben und Frieden unter einander zu halten, damit ihnen das Hohepriestertum und die Herrschaft über das jüdische Volk erhalten bleibe (50, 23. 24 vgl. 45, 26 sowie 45, 13. 18. 19. 23— 25).i) In solcher Zeitlage ist Sirach ein

1) Nach diesen Stellen waren die Tobiaden mit ihren ehrgeizigen An- sprüchen bereits hervorgetreten. Vgl. Wellhausen, Geschichte '" S. 245 ff. Im Wesentlichen richtig haben schon Herzfeld (Geschichte des Volkes Jisrael II 73 if.), Grätz (Geschichte der Juden II, 281 ff.) und neuerdings H. Willrich (Juden und Griechen, Göttingen 1895, S. 112 ff.) die zeitgeschichtliche Situation und Tendenz des Buches Sirach erkannt. Willrich begeht nur den vor der Entdeckung des hebräischen Textes nahe liegenden Irrtum, das Buch nach dem Sturz der Sadokiden anzusetzen. Aus dem hebräischen Text von 50, 22 24. 45,2tj ist dagegen klar, dass Sirach vor der Absetzung des Jason (171) schrieb. Er schrieb aber auch wohl vor der Absetzung des Onia (173). Denn die im

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit. XXI

Wortführer der Gesetzestreuen gegen die Hellenisten gewesen und er hat dabei in Kämpfen gestanden, in denen er anscheinend persönlich zu leiden/) aber auch Erfolge zu verzeichnen hatte. Dass gerade ein Weisheitslehrer im damaligen Jerusalem eine solche Bedeutung gewann, darf nicht Wunder nehmen. Jesus Sirach hat wie die Weissen der Proyerbien besonders die Söhne der Aristokratie im Auge, die Gefahren, die eben ihnen in der Jugend drohten, und die Aufgaben, die sie in späteren Jahren erwarteten. Schon zur Zeit der Proverbien traten die jungen Aristokraten oft in den Dienst der heidnischen Könige, nocli mehr war das dem Anschein nach zur Zeit Sirachs der Fall.'-) Ohne Zweifel waren die Juden den meisten Völkern Palästinas und Syriens geistig überlegen, und schon wegen ihrer Verbindung mit der Diaspora, die einigermassen seit dem baby- lonischen Exil bestand, besassen sie auch politische Bildung. Sie waren deshalb für die griechischen Könige brauchbare Werk- zeuge zur Beherrschung der ihnen völlig fremdartigen semitischen Untertanen. Das war aber auch ein hauptsächlicher Grund für das Eindringen des Hellenismus unter den Juden, imd eben

Buche vorausgesetzte Zeitlage war wohl ernst, aher nicht gerade kritisch, und andere Stellen weisen in frühere Zeit. Was 10, 8 von dem Uebergang des Reiches von einem heidnischen Volke auf das andere gesagt wird, ist wobl darauf zu beziehn, dass Judäa durch die Schlacht bei Paneas (198) aus der Gewalt der Ptolemäer in die der Seleuciden geriet. Der König, der nach 10, 9 f. bei lebendigem Leibe verfault ist, dürfte Ptolomäus IV. (gestorben 204) gewesen sein. Dagegen muss unter dem griechischen Könige, dessen Sturz nach 33, 12 das Ende der Heidenherrschaft herbeiführen soll, allerdings wohl ein Seleucide verstanden werden. Aber der Psalm .öl, 1 12 preist Gott für die Rettung der Juden aus einer grossen Gefahr, in die sie durch die Verleumdung ihrer Feinde geraten waren. Das hier gemeinte Ereignis fällt anscheinend später als das übrige Buch.

') 1, 22 24 sind wahi-scheinlich dahin zu verstehen, dass Sirach seine öß'entliche Tätigkeit zeitweilig einzustellen gezwungen war. Die Lebensgefahr, in die er nach Sl, 13 öfter geraten war, war aber wohl anderer Art.

2) Vgl. z. B. 8, 8. 11, 1. 20, 27. 28. 23, 14. 39, 4. Was Dan. 1 von den jüdischen Jünglingen am Hofe Nebukadnezars erzählt wird, passt in Wahrheit wohl auch auf den ptolemäischen und seleucidischen Hof. Besonders merk- würdig ist 41, 17: Schäme dich vor dem Herrn und der Herrin (ni2;n ]nNO) der Untreue. Allerdings könnte sich das nia-ti ;n«Q auch aus der staats- rechtlichen Stellung der ptolemäischen Königinnen erklären, so dass auch hier vom Staatsdienst die Rede wäre.

XXII K^P' !• Jesus Sir ach und sein Buch.

(leshalb mussten die Weisheitslehrer ihm gegenüber Stellung nehmen. Dazu kam, dass sie, wie überhaupt die Schriftgelehrten jener Zeiten, zumeist wohl selbst der Aristokratie angehörten und dass sie, weil alle Bildimg unter den Juden religiöser Natur war, den geistigen Kern des Volkes ausmachten. Deshalb wurden gerade sie oft zum Dienst der heidnischen Oberherren herangezogen (39, 4), und kannten daher das griechische Wesen aus eigenster Anschauung. Ueberhaiipt aber erwuchs jetzt in der Abwehr des Hellenismus für die Schriftgelehrten eine neue Aufgabe, in deren Erfüllung sie in immer steigendem Masse die Führer des jüdischen Volkes wurden. In Jesus Sirach kündigt sich die Verwandlung der jüdischen Gemeinde in eine grosse Schule an, so A'erschieflen auch seine Lehre noch von der der späteren Schriftgelehrten ist.

Er will ein vollständiges Lehrbuch der Lebensklugheit wie der Moral gehen. Er redet deshalb vom Verhalten gegen Eltern, Frauen, Söhne und Töchter. Sklaven und Hausgenossen, Ver- wandte und Freunde, Volksgenossen und Fremde, gegen die heidnischen Könige wie gegen die jüdischen Herren und die Priester. Er handelt von Schweigen und Reden, Lernen und Lehren, von Handel und Wandel, von Leihen und Bürgschaft, von der Volksversammlung und vom Gericht, vom Gastmahl und vom Weingelage, von der Pflege der Gesundheit und der Zuziehimg des Arztes, von Tot und Begräbnis. Aber Lebens- klugheit und Nützlichkeitsmoral treten durchaus in den Hinter- grund gegenüber dem Gottesglaubeu, der die Erfüllung der Moralgebote in Furcht, Vertrauen und Geduld fordert und damit das Heil verbürgt. In allseitiger Darlegung und Begründung dieses Glaubens stellt Sirach die Summe jüdischer Bildung, wie er sie versteht, dem Hellenismus entgegen, um damit dem jü- dischen Bewusstsein Ausdruck und Halt zu gelten. Deshalb preist er die Wunder der Natur, in denen der wahre Gott sich für die Gläubigen als der Herr der Welt erweist (42, 15 43, 33). Aus demselben Grunde erzählt er die ganze Geschichte Israels in der Reihe der heüigen Väter, von Henoch bis auf Nehemia und von Henoch rückwärts bis auf Adam, als deren Kinder die Juden das unvergleichliche Adelsgeschlecht der Menschheit sind (44 49). Ebenso feiert er den jüngst verstorbenen Hohenpriester

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit. XXIII

Simon^ der in seiner Funktion am Versöhnungstage auch die die gegenwärtige llerrlichlveit Israels zur Erscheinung brachte (50; 1 '24). Er Idagt aber auch über das Unrecht, das in Je- rusalem regiert, und in bemerkenswertem Zusammenhang damit über die Bedrückung, die die Juden durch die Griechen erleiden (9, 17—10, 7. 31, 21—31. 32, 14ff.). Er weist demgegenüber auf die Bestrafung der Heiden in der Vergangenheit (10,8 18) und auf den Sieg Israels in der Zukunft hin (32, 18—26. 47, 22. 48, 10. 11. 24. 25), und fleht in inbrünstigem Gebet um Rache und die endliche Oftenbarung der göttlichen Herrlichkeit (33,1 13a. 36, 16b 22). Schliesslich lässt er Israel in einem Psalm für die Rettung aus einer Gefahr danken (51, 1 12ff.).

Mit alledem versteht er den Begriff der Weisheit enger und zugleich weiter als die Proverbien und das Buch Hiob. Er identifiziert sie nicht wie das Buch Hiob mit der Religion ül)er- haupt, sondern mit der jüdischen. Dabei aber bezieht er das ganze Gebiet des Glaubens in sie ein. Die spätere Weisheit Salomos ist ilmi darin gefolgt.

Sirach steigert den Satz von Prv. 1, 7. 9, 10, dass die Furcht des Herrn der Anfang, d. h. das mnerste Wesen, der Weisheit sei, nach Jol). 28 dahin, dass alle Weisheit von dem Herrn kommt, und dass sie von Ewigkeit her bei ihm gewesen ist. In diesen Worten, die er an die Spitze seines Buclies stellt, formuliert er die Kriegserklärung des Judentums gegen den Hellenismus. Gott, sagt er, hat die Weisheit erschaffen und deshalb hat auch er allein sie erkannt. Ueber alle seine Werke hat er sie ausgegossen und allen Menschen hat er ein Stück von ihr verliehen, aber in vollem Masse hat er sie nur dem Volke geschenkt, das ihn fürchtet. Für die gottesfürchtigeu Juden ist sie ein angeborener und ein unverlierbarer Besitz, im Mutterleibe ist sie ihnen anerschaffen und bei ihren Nachkommen wird sie immerdar bleiben (1, 1 15). Subjektiv ist die Weisheit daher die Gottesfurcht, objektiv ist sie das Gesetzbuch Moses (c. 24). Als die geschichtliche Offenbarung Gottes, die in der Succession der Väter dem Volke vermittelt ist, ist die Weisheit das Sondergut Israels. Niedergelegt ist sie in der heiligen Schrift, deren Inhalt der Schriftgelehrte in göttlicher Erleuchtung dar-

XXIV Kap. 1. Jesus Siracb und sein Buch.

legt.^) So anspruchsvoll das klingt, Sirach bringt damit das ge- schichtliche Selbstbewusstsein der Juden gegenüber der griechischen Allerwelts-Religion und Allerwelts-Philosophie auf einen zu- treffenden und in sich berechtigten Ausdruck.

Im Unterschiede von den späteren palästinensischen und ägyptischen Juden ist bei Jesus Sirach merkwürdig und wahrhaft erquickend die Sicherheit, mit der er dem griechischen Heiden- tum gegenübersteht. Er hasst das Griechentum und die Griechen wie die Ideinen heidnischen Nachbarvölker von ganzem Herzen, und verlangt sehnsüchtig nach dem Tage, da Gott mit ihnen ab- rechnen wird. Aber er will nicht, dass das Judentum sich ohne weiteres auf sich selbst zurückziehe, er fordert vielmehr eine gründliche Kenntnis der heidnischen Welt, in der Ueberzeugung, dass sie dem Juden nicht schaden, sondern ihn in seiner Ueber- zeugung nur befestigen könne. In der Tat ist \on griechischem Einfluss bei ihm nichts zu entdecken. Er meint aber, dass Niemand weise sei, der die Welt nicht gesehen habe, und er rechnet es zum Ruhme des Schriftgelehrten, dass er weite Reisen macht, Gutes und Böses unter den Menschen erprobt und den Königen dient (31, 9 13. 39, 4). Das ist nicht nur das zähe Selbstbewusstsein des Juden gegenüber den fremden Oberherren Asiens, sondern vielmehr die Ueberzeugung von der Allmacht des Guten, das unter den Juden seine Stätte hat. Denn das gilt ihm als das Wesen der väterlichen Religion. Gegen ihre äusseren Formen ist er freilich nicht gleichgültig. Gott fordert auch den Opferdienst zur Bezeugung der Zugehörigkeit zu ihm, und es ist die höchste Auszeichnung Israels vor der Welt, dass es im Kultus Gott nahen darf. Aber an sich bedeutet der Kultus nichts, er wü-d geübt, weü er geboten ist, und der wahre Wille Gottes geht dahin, dass Jeder seinem Nächsten wohl tue (17, 14. 32, 1 5). Als der moralische Gottesgiaube macht die Religion den Wert des Menschen aus. Deshalb gibt sie Israel unter den Völkern eine einzigartige Würde, der elendeste Jude der Diaspora darf sich ihrer rühmen gegenüber der heidnischen

^) Im Lobe der Väter e. 44 49 nimmt Sirach nebenher auf alle

heiligen Bücher Bezug, die er als solche kennt. Der Gegensatz gegen den

Hellenismus ist auch für den freilich erst später erfolgten Abschluss des Kanons bedeutsam geworden.

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit. XXV

Welt (10, 22). Sie erhebt aber auch in Israel den Armen über den Reichen, nichtig ist ihr gegenüber der Geburtsadel der hellenistisch gesinnten Aristokratie (10, 19 ff.).

Immer wieder kommt Sirach auf die göttliche Vergeltung zurück, die unfehlbar das Böse bestraft und das Gute belohnt. Von jeher hatte sich der Gegensatz der Frommen und der Welt- kinder unter den Juden um die Frage gedreht, ob Gott richte. Hierbei schieden sich auch damals die Gesetzestreuen und die Griechenfreunde, um so mehr, als der soziale Unterschied in den Religionskampf hineinspielte. Gottlos und reich, fromm und arm erscheinen als nahezu gleichbedeutend (13,15 24. 34,8 11). Die Gegner fanden es unglaublich, dass Gott sich um das Tun und Lassen der einzelnen Menschen kümmere (16, 17 23), sie lehnten die Vertröstung auf die messianische Zeit ab (16, 22), wie sie auch die Auserwählimg Israels bezweifelten (36, 7 15). Sie bestritten die Willensfreiheit (15, 11 20), und fanden das Mass der Uebel unvereinbar mit der vom Glauben behaupteten Güte der Schöpfung (39, 12 40, 27). Auch so meinten sie erbaulich von der Religion reden zu können (15, 9. 10). Sirach will ohne das alles keine Religion anerkennen (15,9. 10); mit Leuten, die nicht von Herzen an Gottes Gericht glauben, kann er nicht zusammenleben, er steht deshalb in der Minorität. Er findet aber auch, dass die Gottesfurcht mehr bedeutet, als die landläufige Frömmigkeit meint. Wer Gott dienen will, muss sich rückhaltlos seinem Dienst ergeben, denn unbarmherzig geht die Religion mit den Heuchlern ins Gericht (1, 28 30). Das persönliche Gottvertrauen ist bei Sirach stärker als in den Pro- verbien'), es ist aber auch auf die Probe gefasst, auf die es durch schweres Unglück gestellt wird und die es unerschüttert überstehen muss (c. 2). Der Fromme soll in Erfüllung des göttlichen Willens alt werden (11, 20) und immerfort auf den Erweis der göttlichen Gnade hoffen. Denn fest steht die Hoffnung, dass Gott die Seinen aus aller Gefahr rettet, und dass sie zuletzt diesseits des Grabes in einer glücklichen Gestaltung ihres Schick- sals ihre Rechtfertigung erfahren.

') 23, 1. 4. Vgl. auch 15, 2 ff. mit Prv. 7, 4. 9, 1 if., und 4, 14 mit Prv. 8, 17.

XXVI Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

]\Iit religiösem Ernst bekämpft er das unnötige Schwören (28,9 11), aber auch die pietistisclie Aengstlichkeit, die das göttliche Recht der ärztlichen Kunst verkennt (38, 1 ff.). Er "Will auch nichts davon wissen, dass man beim Weingelage das weltliche Lied durch erbauliche Reden verdrängen möchte (35, 3 6). Massigkeit und Keuschheit, Mildtätigkeit und Aufopferung, Treue und mutiges Eintreten für Recht und Wahrheit sind die ständigen Themata seiner Paränese. Abei' er protestiert gegen die Kopfhängerei, die den von Gott geschenkten Lebensgenuss sich und anderen verkümmern will. Falscher Humanität feind, verlangt er strenge Zucht für Kinder und Sklaven, und lehnt alles Mitleid mit den Gottlosen ab. Er fordert ehrenhafte Selbst- behauptung gegen Jedermann, aber er empfiehlt kein „gottes- fürchtig und dreist". Denn Würde ist für ihn gleichbedeutend mit wahrer Scham (41, 14—42, 8). Eine sehr ungünstige Meinung über die Melirzahl der Frauen teilt er mit anderen jüdiselien Autoren, aber er ist zugleich ein begeisterter Lobredner der weiblichen Tugend und bekämpft die Ehelosigkeit (36, 26 ff.). Ihre Scliranken hat seine Moral namentlich an einem herzlidien Hass gegen den persönlichen Feind, der für ihn selbst freilich meist auch ein Feind der Religion gewesen sein mag. Gut jüdisch redet er von der Sühne der Sünden durch gute Taten (.'^,3. 14. 15), speziell durch Almosen (3,30. 29,11—13). Uebrigens macht sich die Vermischung der Religion mit der Weisheit bemerkbar, sofern vollkommene Gottesfurcht am ersten dem Schriftgelehrten möglich ist, und die Gottesfurcht als Weisheit auch Mittel zum Zweck wird. Sirach reflektiert auch mehr, als seine pädagogische Tendenz es erfordert, auf den Erfolg, den die Tugend bei den Menschen einträgt (3, 17. 7, 35. 12, 1. 2. 20, 10. 12). Aber die Nützlichkeitsmoral spielt bei ihm dennoch eine kleinere Rolle als in den Proverbien, und im Wesentlichen gehört er mit dem Schriftgelehrten von Mo. 12, 28 ff. zusammen.

Der seiner Natur nach endlose Parteiltampf, der das jüdische Volk seit dem babylonischen Exil zerriss, verschärfte sich damals aufs äusserste. Wie nie zuvor stellte er die Einzelnen vor die Wahl zwischen dem väterlichen Glauben und der heidnischen Welt und l)ei der Enge der Verhältnisse machte er die Lage des Einzelnen um so schwieriger, je ernster ea* es mit der Religion

§ 1. Jesus Sirach und seine Zeit. XXVII

nahm. Der sachliche Streit kam für Um überall auf bittere persönliche Feindschaft und Verfolgung hinaus. Bezeichnend ist dafür die flehentliche Bitte, dass Gott den Frommen durch kein unbedachtes Wort oder durch irgendwelche Sünde vor dem gottlosen Privatfeinde zu Schanden werden lasse (22^ 27 23^ 6). Furchtbar war auch für Jeden, der sich in exponierter Stellung befand, das tumultuarische Gericht der Stadtgemeinde (1,30. 7,7. 26,5. 42,11). Aber auch im Kreise seiner Gesinnungsgenossen konnte die Lauheit der Einen und das Misstrauen der Anderen den Einzelnen leicht vereinsamen. Deshalb spielt die Gefahr, die von Feinden und falschen Freunden drolit, bei Sirach eine so grosse Rolle; und ebenso die wahre Freundschaft, deren Pflege den besten Schutz bieten musste. Um so eindrucksvoller ist die Sicherheit seiner Haltung. Sie ist darin begründet, dass die Gemeinsamkeit der Ueberzeugung nicht nur einzelne ver- wandte Seelen mit einander verband (6, 17), sondern dass sie auch die Masse der Frommen in der Hoffnung zusammenschloss, die über ihre persönliche Hoffnung hinausreichte und zugleich mit ihr in engster Beziehung bestand. Die Hoffnung des Ein- zelnen besteht freilich aucli nach Sirach zunächst darin, dass er wenigstens am Abend seines Lebens Glück haben soll (11,23 28). Die Erwartung eines persönlichen Lebens nach dem Tode be- stand höchstens in einem kleinen Kreise, Siracli ignoriert sie, die Unabänderlichkeit des Todesgeschicks steht ihm fest (7,17. 10,11. 38,21—23. 40,1. 11. 41,1—4). Im Unterschiede von dem alten Israeliten, der sich über die eigene Vergänglichkeit mit der Ewigkeit der Nation getröstet hatte (Nuni. 23, 10), er- hebt aber auch er persönliche Ansprüche, die über das Grab hinausreichen. Er liofft auf das ewige Gedächtnis, das dem Frommen und namentlich dem Schriftgelehrten in der Gemeinde bliebe (41,11—13. 37,22—26. 39,9—11), und den Anteü, den alle Frommen in ihren Nachkommen an dem endlichen Triumph Israels über die Heiden und der Frommen über die Gottlosen haben sollten. Die Eigenart des jüdischen Hauses und der be- ständige Kampf zwischen den Frommen und den Weltkindern brachten es mit sich, dass die Sinnesart des Vaters sich leicht auf viele Geschlechter vererbte (1, 15. 4, 16), in deren Folge er zuletzt gleichsam selbst die messianische Zeit erleben wollte.

XXVIII Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

So hatte die Hoffnung der Gemeinde der Frommen für den Ein- zelnen auch einen persönlichen Wert. Deshalb ist die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tode bei den Juden erst spät auf- gekommen, und gerade ohne diese Hoffjiung gab der Glaube an den endlichen »Sieg des Guten ihrem Gemeingefühl eine einzig- artige Energie. In Sirach tritt uns ein Stück der besten Kraft vor Augen, die sie den Soleuciden entgegen stellen konnten.

§ 2. Name, Inhalt und Anlage des Buches.

Die Weisheit des Jesus Sirach heisst das Buch als die Summa dessen, was Jesus Sirach über jüdischen Glauben und jüdisches Leben zu sagen wusste. Zugleich liegt in dem Titel aber auch der Anspruch auf Allgenieingültigkeit, wie ihn ein Haupt der Schriftgelehrsamkeit in kritischer Zeitlage für seine Lehre erheben konnte. Die ihrer Idee nach gleichartige Weisheit Salo- mos ist wohl nach Analogie der Schrift Sirachs benannt, nur dass sich ihr Verfasser hinter die höchste Autorität der Weis- heit versteckt.

Der Titel rührt vielleicht nicht von Sirach selbst her, der sich mit der Angabe 50, 27 begnügen konnte, er stammt aber wenigstens aus sehr früher Zeit. Die hebräische Unterschrift «TD p iivha p yw (p ])Vf2^) no:n findet sich ebenso im Syrer, und alle syrischen Handschriften haben die Ueberschrift nm Knfsrn std(k). Ebenso haben aber auch alle griechischen Handschriften in Ueberschrift und Unterschrift ao'-puz 'Ir^aoO utou Seipay oder das daraus schlecht abgekürzte ofo'fia 2Ssipa/, womit, abgesehen vom Lateiner, alle Afterübersetzungen des Griechen übereinstimmen. Als T/ Tou 'l-/;ao'j ao<pLa, aber auch als r^ aocpia wird das Buch von Clemens Alexandrinus citiert; seit Eusebius findet sich daneben öfter Tj TiavapsToc aocpta, Avas aber auch Bezeichnung der Weisheit Salomos war, übrigens in r; irava'psTo; verkürzt wurde. ^) In den lateinischen Handschriften unfl bei den lateinischen Vätern von

') Beide Namen finden sich übrigens auch für die Sprüche Salomos. Dabei ist -fj aoifCa und ») TiaräQuos aoifia zuweilen auch die diese Bücher inspiiierende Potenz. Vgl. 0. Stählin, Clemens Alexandrinus und die Sep- tuaginta (1901) S. 46. Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes» HI 161 f.

§ 2. Name, Inhalt und Anlage des Buehea. XXlX

Cyprian an hat das Buch den bisher nicht aufgeklärten Titel Ecclesiasticus. Daneben findet sicli in den Handschriften aber auch Liber Jesu filii Sirach (vgl. auch Brev. Mcz. 524). Dem entsprechend haben der Codex Ambrosianus der Peschita imd ebenso Barhebraeus am Schluss des Buches und die Polyglotten am Anfang ST'DX "i;i snnr, und bei den Rabbinen ist regelmässig vom Kl'D p ICD die Rede. Uebrigens wird das Buch auch als Sapientia Salomonis (Brev. Moz. 1025) und Sapientia Ecclesiastici Salonionis (Brev. Moz. 389) citiert. Dem Salomo wird das Buch in der lateinischen Kirche seit Cyprian öfter beigelegt, weshalb man auch wohl fünf salomonische Schriften zählte, wie auch schon Clemens Alexandrimis das Buch als salomonisch citiert.^) Möglicher Weise ist nun Sapientia Salomonis Korrektur für Sa- pientia Jesu filii Sirach.

Hieronymus (Vorrede zu den Proverbien, bei Vallarsi IX 1293) will das Buch hebräisch unter dem Titel Parabolae, d. h. hebräisch D'^'^iJ'a, gesehen liaben, und mit h^a oder aramäisch ahm werden auch von den Rabbinen zuweilen Sirachsprüche be- zeichnet (vgl. u. § 4).'") Man kann dazu 50, 27 D^JCIK (leg. "Sti'ö?) h\i^)r2 vergleichen. Indessen dürfte c^hiif^ nicht eigentlich ein Titel, sondern vielmehr nur eine gattungsmässige Bezeichnung des Buches gewesen sein, die sich aus der AelmHchkeit mit den Proverbien genügend erklärt. Uebrigens hatte Hieronymus viel- leicht nur einen Auszug aus dem Buche vor sich (vgl. u. § 4). Ebenso heisst das Buch bei Saadia ein iDia >2D, ^) d. h. ein zur Bildung förderliches Buch, welche Bezeichnung wegen hz^ iü)f2 50, 27 und des öfter den einzelnen Abschnitten vorgesetzten noio (34, 12. 41, 14 vgl. u. § 5) besonders nahe lag.^) Der Enkel

1) Th. Zahn, Geschichte des NTl. Kanons H 95 f. 151. 192. 212. 223. 241 f. 245. 251. 272. 318 ff. Vgl. 0. Stählin a. a. 0. S. 46.

-) Hierher gehört auch das älteste Citat aus Sirach, das R. Harris (Fragments T)f Philo Judaeus 1886 p. 104) nachgewiesen hat: od^tv xul i.6yiov (= hwü) rifxiig thöäaxti f.iTj niaitvaiv ^/OqÜ) (= Sir. 12, 10).

") So ist asn« axno (Sefer ha-galui, ed. Harkavy, p. 151) ohne Zweifel zu übersetzen. Schechter (JQR 1900 XII 460 f.) führt die Worte eines Rabbi Joseph an, dass die «td p ^hvü zu lesen erlaubt sei, weil sie nützliche aNiK (— IDIQ) enthielten. Nach J. Levi (zu 41, 16) bezeichnen auch Hai Gaon und andere Rabbinen das Buch als ktd ]2 "iDio.

*) Die zweite hebräische Unterschrift lautet : yiB" ()a pj?OB') nsT n:n ny

XXX Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

bezeichnet in seiner Vorrede das Buch mit xi twv ek -jraiosi'av xat

Den Inhalt des Buches versuche ich durch die folgende Uebersicht zur Anschauung zu bringen.

Distklien

1, 1 20. Die jüdische Eeligion als der einzige Weg zur

Weisheit.

1, 22 24. Die Umstände, unter denen Sirach schreibt. 3

1, 25 30. Der Ernst, den er von seinen Jüngern fordert. 8

2, Bewährung der Gottesfurcht im Unglück. 20 3,1 16. Die den Eltern schuldige Ehrfurcht. 15

3, 17 24. Die im Reichtum und in der Forschung zu be-

weisende Demut. 7

3, 25 29. Hoffnungslosigkeit des Hochmuts. 5 3, 30—4, 10. Wohltätigkeit gegen Arme, Hülfsbereitschaft

für Unterdrückte. 13

4,11—19. Selbstempfehlung der Weisheit. 11

4,20—31. Scham und Würde. 12

5, 1 7. Warnung vor Unrecht. 9

5, 8 10. Beständigkeit im Guten. 3

5, 11 13. Bedachtsamkeit im Reden. 3

5, 14 6, 1. Warnung vor Zweizüngigkeit. 4

6, 2 4. Warnung vor Begierden. 3 6,5 17. Ueber die Wahl von Freunden. 13 6, 18—37. Empfehlung der Weisheit. 22

7, 1^ 17. Warnung vor Hochmut und Untreue als Quelle

von Sünden. 17

7, 18 26. Pflichten gegen Freunde und Angehörige. 9 7, 27 32. Ehrfurcht gegen die Eltern, Gott und die

Priester; Entrichtung der heiligen Abgaben. 7

7, 33 36. Wohltätigkeit gegen Arme und Unglückliche. 4

8, 1 7. Warnung vor gefährlichem Streit und törichter

Ueberhebung. 8

8, 8. 9. Aufforderung von den Weisen zu lernen. 4

Nn»D p «"ipjc. Sie begreift sich daraus, dass das Buch hinter 60, 27 noch Nachtläge enthielt. Aber gegen ihre Ursprünglichkeit spricht, dass das -\v;ha ]3 fehlt und NipjtP kaum in Sirachs Mund passt.

§ Ö. Name, Inhalt und Anlage des Buches, XXXI

8, 10 19. Vorsicht gegenüber gefährlichen Menschen. 12 9; 1 9. Vorsiclit gegenüber Frauen. 11

9, 10 16. Warnung vor Gemeinschaft mit Unbekannten,

Gottlosen imd Tyrannen; Empfehlung des Ver- kehrs mit Frommen. 10

9, 17—10, 5. Gute und sclüechte Herrschaft. 7

10, G— 18. Warnung vor Uebermut, der von jeher Völker

und Könige ins Verderben gerissen hat. 14

10, 19 25, Gottesfurcht als die wahre Elire des Menschen. 7

10, 26—29. Arbeit und Selbstachtung. 4

10, 30—11, 1. Empfehlung der Weisheit. 3 11,2 6. Warnung vor voreiligem Urteil über die Schick- sale der Menschen. 6

11,7—9. Zurückhaltung beim Streit der Meinungen und

beim Prozess der Gottlosen. 3

11, 10 19. Warnung vor Erwerbsgier. 11 11,20 28. Hoffnung des Frommen auf das allein be- deutsame Endschicksal. 10

11,29 34. Warnung vor Vertraulichkeit mit Fremden. 6

12, 1—7. Vorsicht in der Mildtätigkeit. 7

12, 8 13, 13. Vorsicht gegenüber heimlichen Feinden,

gegenüber Reichen und Fürsten. 32

13, 15 24. Unverträglichkeit von Reich und Arm. 12 13, 25 14, 19. Frohsinn und richtiger Gebrauch des

Reichtums. 22

14, 20 15, 8. Seligpreisung des Frommen als Jüngers

der Weisheit. 16

15, 9 20. Moralische Verantwortlichkeit des Menschen. 12 16, 1—14. Unausbleiblichkeit des göttlichen Gerichts über

die Einzelnen wie über die Völker. 16 16, 17 23. Törichte Bezweiflung der individuellen Ver- geltung. 9

16, 24. 25. Selbstempfehlung des Lehrers. 2 16, 26—18, 14. Die göttliche Weltregierung als ein ebenso

barmherziges wie strenges Gericht. 46

18, 15—18. Wahre Wohltätigkeit. 4

18, 19 27. Aufforderung zur Bekehrung. 9

XXXII

Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

18, 28. 29. Pflicht des Weisen zu lehren.

18; 30 19. 3. Warnung vor Ausschweifungen. 19; 4 12. Warnung vor Zuträgerei.

19, 13 17. Versöhnlichkeit gegenüber Freuuden.

19, 20—30. Gute und böse Klugheit. 20, 1 8. Ueber unzeitiges Reden.

20, 9. 11. Unvoraussehbarer Ausgang der Dinge. 20, 10. 12—17. Wohltätiglieit des Toren.

20, 18—20. Redeweise des Toren.

20, 21—23. Vorteil und Gefahr der Armut.

20, 24—26. Ueber Lügenhaftigkeit.

20, 27 31. Nutzen der Weisheit und Pflicht sie zu lehren.

21, 1 10. Warnung vor Unrecht.

21, 11 17. Unbelehrbarkeit des Toren.

21, 18 28. Seine Unanständigkeit.

22, 1 15. Seine Unerträglichkeit.

22, 16— 18, Seine Haltlosigkeit iiu Unglück. 22, 19—26. Ueber Treue in der Freundschaft.

22, 27 23, 6. Gebet um Bewalirung vor unbedachten Reden

und vor Sünden.

23, 7 11. 13. 15. Warnung vor leichtsiimigem Schwören

und vor Zoten. 14. Warnung vor Päderastie. 17. Drei Arten von Unzucht.

23, 12. 23, 16. 23, 18-

-27. Ueber Ehebrecher und Ehebrecherinnen.

24. Selbstlob der Weisheit und ihres Vertreters.

25, 1. 2. Dreierlei erfreuliche und dreierlei unerfreuliche

Menschen. 25, 3 6. Weisheit als die Krone des Alters. 25, 7 11. Der Gottesfürchtige als der Glücklichste von

zehn Glücklichen.

25, 13 26. Bosheit und Tyrannei der Frauen.

26, 1 4. Wert einer guten Frau.

26, 5 12. Eifersüchtige, trunksüchtige und unzüchtige

Frauen. 26, 13 18. Lob der schweigsamen und schamhaften Frau. 26, 28. Drei böse Veränderungen am Menschen.

2 7 8 5 10 7 2 8 3 3 3

5 11

8 11 16

5 10

10

12 3 4

16

36

4 4

7

15

4

10. 6 3

§ 2. Name, Inhalt und Anlage des Buches. XXXlII

26, 29 27, 3. Die Süude des Kaufmanns. 4

27, 4 7. Ueber Wertung von Menschen. 4 27, 8 15. Unterschied von bösen und guten Menschen in

ihrem Schiclvsal und in ihrem Reden. 8

27, 16 21. Mahnung zur Verschwiegenheit. 6 ,

27, 22 29. Warnung vor heimtücldschen Leuten. 9

27, 30—28, 7. Warnung vor Rachsuclit. 8

28, 8 12. Warnung vor Einmischung in fremden Streit. 6

28, 13—26. Gefährlichlveit der dritten Zunge. 17

29, 1—13. Ueber Leihen. 16 29, 14—20. Ueber Bürgschaft. 7

29, 21 28. Ueber Annahme von Gastlichkeit. 8 30, 1 13. Mahnung zur Kinderzucht. 14

30, 14—24. 33, 13b.— 34, 4. Gesundheit, Frohsinn und

Reichtum als Vorbedingungen des Lebensgenusses. 18

34, 5 11. Gefahr des Reichtums. 8

34, 12—24. Verhalten beim Gastmahl. 16

34, 25 35, 13. Verhalten beim Weingelage. 23 35, 14 36, 6. Gottesfurcht als der Weg zum Glücl<. Verhalten des Frommen und des Gottlosen

gegenüber dem Lehrer. 14 36, 7 15. Ueber die Erwählung Israels. 11 30, 16 a. 30, 25 27. Siraclis Anspruch auf die Aufmerk- samkeit seiner Zeitgenossen. 4

30, 28 32. Behauptung der Hausherrlichkeit gegen Söhne

und Frauen. 6

30, 33—40. Ueber Behandlung von Sklaven. " 9 31, 1 20. Der Traum ist ein schlechter, und der er- fahrene Weisheitslehrer ein zuverlässiger Führer

zum Glück. 18

31, 21 32, 26. Ueber Gerechtigkeit und Opfer, sowie die

Unausbleiblichkeit der Strafe für die inneren

und äusseren Unterdrücker Israels. 34 33, 1— 13 a. 30, 16 b— 22. Gebet um baldigen Eintritt des

Weltgerichts. 17 36, 23 37, 15. Ueber allerlei Auswahl, die man zwisclien

Menschen treffen muss. 31

.Sinend. Sirach-Kommentar. III

XXXIV K**?- '• JtiH'18 Sirach und sein T.uch.

37,16—26. Wert und Glück des Weisheitslehrers. 11

31, '2~i 38, 23. [Jeher Gesundheitspflege, den Nutzen des Arztes, das Verhalten in Krankheit und bei

Todpsfällen. 30 38, 24— :{9, 11. Lob des Schriffcgelehrten. 37

39, 12 35. Lob der gerechten AV^eltregieruog Gottes. 30

40, 1 27. Allgemeines üDglück der Menschen, besonderes

der Gottlosen, Glück der Gottesfurcht. 31 40, 28—30. Ueber Schmarotzertum. 4 41,1—13. Ueber Tod und Gedächtnis. 17 41, 14 42, 8. lieber wahre ui]d falsche Scham als Richt- schnur des Handelns. 2b 42, 9 - 14. Sorgen des Vaters nm seine Tochter. 10 42,15—43,33, Lob des Schöpfers. 53 44,1—49,13. Lob der Väter der Vorzeit. 211 50, 1 24. Lob des Hohenpriesters Simon. 36 60, 25. 26. Ueber drei verhasste Völker. 2 50, 27 29. Selbstempfehlung des Verfassers. 4 511—12. Psalm Sirachs. 36 51,13 30, Erniahnimg an seine Jünger. 23 (24?)

In c. 1 41 finden sich an den im Druck hervorgehobenen Stellen in einigermassen gleichen Abständen längere oder kürzere Stücke, in denen die Weisheit oder ihre Lelirer gepriesen, oder die Pflicht die Weisheit zu lehren ausgesprochen wird. Diese Stücke sind in sich abgeschlossene Ganze, aber sie sollen zugleich als Einleitungen zu den nachfolgenden Abschnitten dienen (vgl. 24, 32 f.). Bei manchen ist es sofort deutlich, dass .sie überhaupt nur diesen Zweck haben. Dabei knüpfen 10, 30 und 16, 24 an das unmittelbar Vorhergehende an, und 16, 24ff. sind auch in- haltlich Fortsetzung des vorhergehenden Abschnitts. Sodami stehen die einleitenden Stücke 37,16—26 und 38,24—39,11 unter einander in innerer Beziehung. Anderswo ist ein Abschnitt durch den völligen Wechsel des Themas angezeigt, wobei aber der neue Ansatz allgemein didaktische Tendenz hat (27, 4ft\ 30, Iff. 36, 23 ff.).

Innerhalb der Abschnitte selbst ist fast überall ein gewisser Zusammenhang nachzuweisen ^ meistens werden ein oder zwei.

§ 2. Name, Inhalt und Anlage des Buches. XXXV

seltener mehr Themata, in längerer Ausführung behandelt. So ist 8, 10—9; 16 vom Umgang mit allerlei Menschen die Rede, 9, 17 10, 25 von der Ueberhebung und ihrer Strafe, und der Gottesfurcht als der wahren Ehre der Menschen, 11,2 28 von der Geduld, mit der der Fromme auf seine Rechtfertigung hoflfen soll, 11,29 13,24 abermals von der Vorsicht im Umgang, 15, 9—18, 14 von der göttlichen Vergeltung, 20, 10—26 und 21, 11—22, 18 vom Toren, 22, 27—23, 27 von unvorsichtigen und bösen Reden und Unzucht, 25, 13 26, 18 von schlechten und guten Frauen. Unverkennbar ist der Zusammenhang von 29, 1 28 (vgl. bes. V. 28), von 34, 12—35, 13, von 30, 28—40, von 31, 21—

33, 13a. 36, 16b— 22. In 39, 12—41, 13 fordern die einzelnen Stücke einander, in 42, 1 5 50, 24 stehen sogar die ganzen Ab- schnitte unter einander in enger Beziehung. Zusammenhang besteht aber auch in 1,25—4, lu. 7, 18—36. 25, 1—11. 27, 16—28,26.

Selten sind Ideinerc Stücke ohne deutliche innere Beziehung aneinandergereiht wie in 5, 1 6, 17. 18, 28 20, 26. Oefter steht dagegen eine kurze Ausführung völlig vereinzelt in fremdartigem Zusammenhang, namentlich am Schluss von AbsoJinitten, so 8, 1—7. 10, 26—29. 26, 29—27, 3. 50, 25. 26. 40, 2s— 30. Nach den letzten beiden Fällen möchte man hierbei eine gewisse Ab- sicht vermut<m. Bemerkenswert ist aber namentlich, dass viel- fach dieselben Gegenstände an verschiedenen Orten behandelt werden. Von der Mildtätigkeit handeln 3, 30 ff. 7, 33 ff. 12, Iff. 18, 15ü'., von wahrer und falscher Scham 4, 20ff. 41, 14ff., von der Wahl von Freunden 6,5—17. 7,18. 12, 8 ff. 37, Iff., von der Verschwiegenheit 19, 4ff. 22, 19 ff. 27, 16ff., von der Annahme von Gastlichkeit 29, 21 ff. 40, 28 ff., von der Massigkeit im Essen

34, 19 ff. 37, 27 ff.

Diese Wiederholungen beweisen, dass das Buch nicht nach einem Plane geschrieben ist, der von vornherein bis ins Einzelne feststand. Sie können auch nicht daraus erklärt werden, dass der Verfasser über dem Schreiben auf dies und jenes Thema zurückkam, weil eine an früherer Stelle stehende Behandlung ihm nicht genügte. Vielmehr ist das Buch grösstenteils auf Grund mündlicher Vorträge entstanden, die selbst schon die Form poetischer Spruchrede hatten. Sirach wird manche dieser Vor- träge niedergeschrieben haben, ehe er an die Komposition des

III*

XXXVI

ivap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

Buches ging, vielleicht schoD, ehe er sie mündlich hielt. Im Unterricht wird er aber im Laufe der Zeit auf verschiedene Be- handlungen derselben Themata verfallen sein, deren schriftliche Aufzeichnung er bei der Abfassung des Buches verwertete '). Ein- zelne Abschnitte, wie z. B. 42, 15 50, 24 können freilich rein literarischen Ursprungs sein. Aber Sirach hat dem vielseitigen Inhalt seiner Lehre entsprechend auch nicht nur in seiner Schul- stube, sondern ausserdem öffentlich geredet. Der Abschnitt 31, 21 36, 22 ist wahrscheinlich bei einer Festfeier im Tempel vorgetragen, wenn auch zunächst nur im Kreise der Frommen, die dort ihren Parallel-Gottesdienst neben dem offiziellen hielten'-). Dort wird er auch den Psalm 51^ 1 12 tt'. rezitiert haben. Aber er erreichte dort auch die Ohren der Volkshäupter, die er 30, 27. 45,26. 50, 23. 24 (vgl. 24, 32—34) schwerlich nur schi-iftstellerisch apostrophiert.

Auf der anderen Seite tritt eine gewisse Disposition nicht nur in der Einleitung der einzelnen Abschnitte, sondern auch in der Anordnung des Stoffes zu Tage. Sirach geht aus von der Demut, die., Gottesfurcht und Gottvertrauen ist und sich auch in der Ehrfurcht vor den Eltern und in Hilfsbereitschaft gegenüber den Geringen betätigt (2, 1 4, 10). Er handelt sodann von der Wahrung der Persönlichkeit in Vermeidung der Sünde und der Wüi'delosigkeit (4, 20 6, 17) und von der Nächstenpflicht (c. 7). im Weiteren tritt die Mahnung zur Vorsicht gegenüber den Menschen (c. 8. 9. 12. 13), die Aufforderung zu vernünftigem Lebensgenuss (c. 14) und die Warnung vor dem bösen Beispiel

>) Haltlos ist die auch von Ewald (Jahrbb. d. bibl. Wissensch, III S. 125 ff., Gesch. * IV S. 340 ft'.) vertretene Behauptung, dass Sirach ältere Werke wörtlich in sein Buch aufgenommen habe. Dem widerspricht das hohe Selbstgefühl, mit dem Sirach von seiner Inspiration redet (15, 9. 10. 24, 30 ff. 36, 16 a. 30, 25 ff'. 39, 6 ff. 50, 27), aber auch die überall sich gleich- bleibende Sprache und Geistesart des Buches. Die sonderbare Meinung stammt aus dem unechten Prolog, der sich im Cod. 248 und der Synopse des Athanasius findet. Hier beruht sie aber auf durchsichtigem Missverständnis des echten Prologs.

-) Dass das geschah, ist aus manchen Psalmen deutlich, die eben diesen Ursprung und diese Bestimmung haben. Vgl. z. B. Ps. 5. 15. 24. 26. 28. Uebrigens gab es auch öftentliehe Zusammenkünfte .der Weisheitslehrer, in denen sie wetteifernd Vorträge hielten ; vgl. 6, 34 36. Prv. «, 1 ft". 9, 1 ff".

lläll?f an

§^.

Name, lubalt und Anlage des Buches.

XXXVII

des Toren hervor (c. 21. 22). In dem Gebet um Bewahrimg vor unbedachten Reden und Unzuclit und der daran angeschlossenen Ausführung über derartige Sünden wird ein vorläufiger Abschluss erreiclit (c. 2H). Eingestreut sind ausführliche Warnungen vor Hochmut (9, 17 10, 18), Ermahnungen zur HoÜuuug auf das Endschicksal (c. 11) und eine lang ausgesponnene Darlegung des Glaubens an die göttliche Vergeltung (c. 15 18).

Neu angesetzt wird mit dem Lobe der Weisheit (c. 24). Neben den Klagen über böse Frauen (c. 25. 26) treten hier 'Ausführungen über das Verhalten in besonderen Lel)enslagen hervor. Gehandelt wird von Leilien und Bürgen und Annahme von Gastfreundschaft (c. 29), vom Verhalten beim Gastmahl und beim Weingelage (c. 34. 35), bei der Errichtung des letzten Willens (30, 28—32), bei KranJvheit und Tod (c. 37. 38). Uebri- gens spielen die Fragen der religiösen Reflexion hier eine noch grössere Rolle als im ersten Teil. In den Erörterungen über Träume (c. 31,1—8) und den Wert des Kultus (31, 21 ff.) sind sie praktischer formuliert, und in denen über die Erwählung Israels (36, 7 15), über Leiden (c. 40) und Tod (c. 41) greifen sie weiter aus. Dabei kommt das nationali-eligiöse Selbstbewusst- sein Israels hier ausführlich zu Worte (c. 24. 44 50), und gegenüber den früheren Hinweisen auf die in der Vorzeit über die Heiden ergangenen Strafen (10, 13 ff. 16, 5 ft'.) steht hier das inbrünstige Gebet um endlichen Eintritt des Weltgerichts (33, 1 13a. 36, 16b— 22). Von 38,24 an ist die Anordnung des Stoffes, wenn man von 40, 28 30. 41, 14 42, 14 absieht, durch- aus planvoll, und in dem Lobe Gottes als des Schöpfers der Welt, dem Lobe der Väter der Vorzeit und des Hohenpriesters Simon findet das Ganze einen wirkungsvollen Abschluss, der in ernster Mahnung an die griechenfreundliche hohepriesterliche Familie ausklingt (50, 22 24 vgl. 45, 26). Die beiden Lieder sind passend in den Anhang gesetzt. Vielleicht sind sie von Sirach auch erst später nachgetragen. Man hat den Eindruck, dass seine schriftstellerische Kunst über seiner Arbeit gewachsen ist. Aber dass der Zusammenhang in den späteren Stücken straffer und die Disposition durchsichtiger ist als in den früheren, hängt auch mit der Verschiedenheit der hier und dort behandelten Gegenstände zusammen. Ueberhaupt ist ihm literarische Be~

XXXVI i^ap. 1. Jesus Sirach und sein Buct.

Buches ging, vielleicht schon, ehe er sie mündlich hielt. Im Unterricht wird er aber im Laufe der Zeit auf verschiedene Be- handlungen derselben Themata verfallen sein, deren schriftliche Aufzeichnung er bei der Abfassung des Buches verwertete '). Ein- zelne Abschnitte, wie z. B. 42, 15 50, 24 können freilich rein literarischen Urs^trungs sein. Aber Sirach hat dem vielseitigen Inhalt seiner Lehre entsprechend auch nicht nur in seiner Schul- stube, sondern ausserdem öffentlich geredet. Der Abschnitt 31, 21 36, 22 ist wahrscheinlich bei einer Festfeier im Tempel vorgetragen, wenn auch zunächst nur im Kreise der Frommen, die dort ihren Parallel-Gottesdienst neben dem offiziellen hielten'-). Dort wird er auch den Psalm 51, 1 12 ff. rezitiert haben. Aber er erreichte dort auch die Ohren der Volkshäupter, die er 30, 27. 45,26. 50, 23. 24 (vgl. 24, 32—34) schwerlich nur schiiftstellerisch apostrophiert.

Auf der anderen Seite tritt eine gewisse Disposition nicht nur in der Einleitung der einzelnen Abschnitte, sondern auch in der Anordnung des Stoffes zu Tage. Sirach geht aus von der Demut, die. Gottesfurcht und Gottvertrauen ist und sich auch in der Ehrfurcht vor den Eltern und in Hilfsbereitschaft gegenüber den Geringen betätigt (2, 1 4, 10). Er handelt sodann von der Wahrung der Persönlichkeit in Vermeidung der Sünde und der Wüi'delosigkeit (4, 20 6, 17) und von der Nächstenpflicht (c. 7). Im Weiteren tritt die Mahnung zur Vorsicht gegenüber den Menschen (c. 8. 9. 12. 13), die Aufforderung zu vernünftigem Lebensgenuss (c. 14) und die Warnung vor dem bösen Beispiel

•) Haltlos ist die auch von Ewald (Jahrbb. d. bibl. Wissenach. III S. 125 fF., Gesch. * IV S. 340 tt'.) vertretene Behauptung, dass Sirach ältere Werke wörtlich in sein Buch aufgenommen habe. Dem widerspricht das hohe Selbstgefühl, mit dem Sirach von seiner Inspiration redet (15, 9. 10. 24, 30flf. 36, 16 a. 30, 25 ff. 39, 6 ff. 50, 27), aber auch die überall sich gleich- bleibende Sprache und Geistesart des Buches. Die sonderbare Meinung stammt aus dem unechten Prolog, der sich im Cod. 248 und der Synopse des Athanasius findet. Hier beruht sie aber auf durchsichtigem Missverständnis des echten Prologs.

2) Dass das geschab, ist aus manchen Psalmen deutlich, die eben diesen Ursprung und diese Bestimmung haben. Vgl. z. B. Ps. 6. 15. 24. 26. 2.S. Uebrigens gab es auch öffentliche Zusammenkünfte .der Weisheitslehrer, in denen sie wetteifernd Vorträge hielten ; vgl. 6, 34 36. Prv. 8, 1 ff". 9, 1 ft\

§ 2. Name, Inhalt lind Anlage des Buches. XXXVII

des Toren hervor (c. 21. 22). In dem Gebet um Bewahrung vor unbedachten Reden und Unzucht und der daran angeschlossenen Ausführung über derartige Sünden wird ein vorläufiger Abschluss erreicht (c. 2,3). Eingestreut sind ausführliche Warnungen vor Hochmut (9, 17 10, 18), Ermahnungen zur Hoffnung auf das Endschiclvsal (c. 11) und eine lang ausgesponnene Darlegung des Glaubens an die göttliclie Vergeltung (c. 15 18).

Neu angesetzt wird mit dem Lobe der Weisheit (c. 24). Neben den Klagen über böse Frauen (c. 25. 26) treten hier Ausführungen über das Verlialten in besonderen Lebenslagen hervor. Gehandelt wird von Leihen und Bürgen und Annahme von Gastfreundschaft (c. 29), vom Verhalten beim Gastmahl und beim Weingelage (c. 34. 35), bei der Errichtung des letzten Willens (30, 28—32), bei Kranlvheit und Tod (c. 37. 38). Uebri- gens spielen die Fragen der religiösen Reflexion hier eine noch grössere Rolle als im ersten Teil. In den Erörterungen über Träume (c. 31, 1—8) und den Wert des Kultus (31, 21 ff.) sind sie praktischer formuliert, und in denen über die Erwählung Israels (36, 7—15), über Leiden (c. 40) und Tod (c. 41) greifen sie weiter aus. Dabei kommt das nationalreligiöse Selbstbewusst- sein Israels hier ausführlich zu Worte (c. 24. 44 50), und gegenüber den früheren Hinweisen auf die in der Vorzeit über die Heiden ergangenen Strafen (10, 13 ff. 16, 5 ff.) steht hier das inbrünstige Gebet um endlichen Eintritt des Weltgerichts (33, 1— 13a. 36, 16h— 22). Von 38, 24 an ist die Anordnung des Stoffes, Avenn man von 40, 28—30. 41, 14—42, 14 absieht, durch- aus planvoll, und in dem Lobe Gottes als des Schöpfers der Welt, dem Lobe der Väter der Vorzeit und des Hohenpriesters Simon findet das Ganze einen wirkungsvollen Abschluss, der in ernster Mahnung an die griechenfreundliche hohepriesterliche Familie ausklingt (50, 22—24 vgl. 45, 26). Die beiden Lieder sind passend in den Anhang gesetzt. Vielleicht sind sie von Sirach auch erst später nachgetragen. Man hat den Eindruck, dass seine schriftstellerische Kunst über seiner Arbeit gewachsen ist. Aber dass der Zusammenhang in den späteren Stücken straffer und die Disposition durchsichtiger ist als in den früheren, hängt auch mit der Verschiedenheit der hier und dort behandelten Gegenstände zusammen. Ueberhaupt ist ihm literarische Be-

XXXVIII Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

gabung und trotz aller Aülehnung an die kanonischen Muster echte Originalität nicht abzusprec'hen. Bemerkenswert ist die Mannigfaltigkeit, mit der er dieselben Themata, wie z. B. das Lob der Weisheit, an verschiedenen Stellen behandelt, und die Loblieder auf den vSchöpfer der Natur und die frommen Väter Israels (42, 15 49, 16) sind in ihrer Art gross angelegt und durchgeführt.

§ 3. Dichterische und sprachliche Form.

Zusammenhängende Spruchrede findet sich in den Pro- verbien in grösserem Umfang nur in Prov. 1 9, von Sirach wird sie fast überall angewandt. Das hat zur Folge, dass das Distichon, das er ausschliesslich geliraucht, seinen ursprüng- lichen Charakter in hohem Masse verliert. An Prägnanz des gnomischen Ausdrucks steht er hinter den Proverbien zurück, die Rede ist oft zerflossen und sinkt zuweilen zu rhythmischer Prosa herab. Der synonyme Satzrhythmus, der als die Grund- form aller hebräischen Poetik auch in der Rede des Weisheits- lehrers die Vorherrschaft behält, ist eben für eine fortschreitende Gedankenentwicklung wenig geeignet. Hinderlich ist dabei überall auch die Steigerung oder Spezialisierung des Gedankens, womit in diesem Verse der zweite Stichus den ersten regehnässig überbieten muss. Deshalb muss ein Gedanke, um ihn zu er- schöpfen, in mehreren Distichen dieser Art nach verschiedenen Seiten gewandt w^erden, wobei der Zusammenhang äusserlich gern durch die Anaphora oder auch durch gleichförmigen Satzbau zum Ausdruck gebracht wird. Der Fortschritt des Gedanken- gangs vollzieht sich dagegen im Grossen meistens durch die Gegenüberstellung von in sich sinnverwandten Versgruppen, im Einzelnen aber durch Anwendung des antithetischen und syn- thetischen und sehr oft auch des sogenannten trägen Satzrhythmus, indem ein Satz sich durch beide Versglieder, oder auch durch zwei (37, 17. 18) oder gar drei (49, 6. 7) Distichen hinzieht.

In seiner äusseren Form hat das Distichon indessen fast immer das Ebenmass, das die ATI. Spruchpoesie charakterisiert. Die masorethische Punktation würde ungefähr in jedem Stichus

§ S. Dichterische und sprachliche Form. XXXIX

2 4 Accente statuieren. Innerhalb dieser Grenzen erscheint freilich bald der erste bald der zweite Stichiis etw^as länger als andere. Aber die Absichtlichkeit des Ebenmasses ist daraus deutlich, dass bei dem sogenannten trägen Rhythmus oft syn- taktisch eng zusammenhängende Wörter durch die Cäsur aus- einandergerissen werden (vgl. zu 1, 2). Ausdilicklich scheint Sirach von einem Metrum der Psalmen zu reden (vgl. zu 44, 5,

47, 9), und es ist kaum zu bezweifeln, dass auch seine eigenen Verse nach einem bestimmten Metrum gebaut sind (vgl. auch zu 50, 27). Hierfür kommt auch die aufPälige Wortstellung in Versen wie 35, 7. 36, 28. 49, 15 in Betracht. Hat es überhaupt eine für uns noch erkennbare hebräische Metrik gegeben, so muss sie im Sirach und in den jüngsten poetischen Stücken des Kanons erkennbar sein, weil wir die hebräische Aussprache dieser Zeit kennen. Aber der Schlüssel des Rätsels ist noch nicht gefunden^).

Wie zuerst 0. Fr. Fritzsche bemerkt hat, bewegt sich die Rede überall in kleineren Absätzen, was öfter zu stro- phischer Gliederung führt. So besteht das Lob der Weisheit c. 24 aus 6 Stroplien von je 6 Distichen. Dabei sind diese sechs Strophen in sich selbst sehr verschieden gegliedert, so dass hier das Mass von 6 Distichen als Einheit gelten muss. Anderswo bewegt sich die Rede längere Strecken hindurch in Absätzen von je 4 Distichen, ohne dass man die Absätze überall in Vers- paare zerlegen könnte. So sind z. B. 43, 6 26 der Mond, die Sterne und der Regenbogen, das Gewitter, der Schnee und der Reif, der Frost, das Meer in 6 X 4 Distichen geschildert. Die Geschlossenheit dieser 6 Absätze wird dadurch nicht in Frage gestellt, dass im letzten neben dem Meere auch der Engel des Herrn in einem Distichon behandelt ist. Häufiger erscheinen 3 Distichen als Mass des Absatzes, so z. B. im Lobe des Elia

48, 1 11 ^4X3. Noch öfter müssen aber Verspaare an- genommen werden, so z. B. im Lobe der Weisheit 14, 20 15, 8

') E. Sievers' metrischen Studien habe ich noch nicht folgen können. Hubert Grimme's Verstheorie scheitert an allzu vielen Stellen. Vgl. Metres et strophes dans lea fragments hebreux du manuscrit A de l'Ecclesiastique, Leipzig 1901 (wiederholt und erweitert aus Revue biblique 1900. 1901). Voll- kommen willkürlich verfährt N. Sehlögl, Ecclesiasticus (39, 12—49, 16) in formam originalem redactus, Vindob. 1901.

XL Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

= 4X2 + 4X2 + 2. Wo fünf Verse zusammengehören, sondert sich stets einer oder auch zwei von den übrigen ab. So wird z. B. 43, 2 5 die Sonne in 4 + 1 Distichen ge- schildert. Grössere Absätze finden sich bei Aufzählungen, so z.B. 41, 17—42, Id (11 (10) Disticha), v. le— 8 (10(8) Disticha), 44, 3 7 (7 (6) Disticha). Aber abgesehen davon ei'scheinen ß Disticha als das höchste Mass eines Absatzes, und 2 und 3 Disticha als die Grundform aller Glioderimg. Oefter wird ein Abschnitt durch ein einzelnes Distichon, das das Thema angibt, eingeleitet; vgl. z. B. 4, 11. 10, 13cd. 13, 21. 18, 1. 2 u. ö. Be- liebt ist aber auch, wie schon Bickell gesehen hat, Reihen von Verspaaren mit einem einzelnen Disti dum. Reihen von drei- versigen Absätzen mit einem Verspaar oder einem einzelnen Disti- chon abzuschliessen. So liat die Mahnung die Eltern zu ehren 3, 1 16 die Form 7X2 + 1, die Ausführung über die Willens- freiheit 15, 9—20 die Form 2X2 + 1, 3X2 + 1, die Mahnung, die heiligen Abgaben zu entrichten 7, 29 32 = 2X2 + 1, da- gegen die Paränese 1, 22 30 = 3X3 + 2, die Mahnung zur Geduld c. 2 = 6 X 3 + 2, das Lob der Weisheit 6, 18—37 = 5 X 3 + 2, 3 + 2, das Lob des Arztes 38, 1—15 = 2X3 + 2, 2X3 + 1.

In allen solchen Fällen darf man geradezu von strophischer Gliederung reden, ein gewisses Streben nach strophischem Gleich- mass lässt sich aber überall nachweisen. So geht z. B. der Schilderung der Sonne 43, 2—5 in 4 + 1 Distichen v. 1 ein Distichon über das Firmament voraus. Augenscheinlich soll die Vereinzelung des letzteren durch das Uebermass bei der Sonne ausgeglichen werden. Im Lobe der Väter c. 44 ff. hat der Ein- gang 44, 1—15 die Gestalt 2. 7. 3 X 3, dann folgen Henoch 1, Noa 3, Abraham 2 X 3, Isaak 1, Jakob 3. Auch liier stehen die vereinzelten Distichen bei Henoch und Isaak zu einander in Be- ziehung. Grosse Regelmässigkeit hat auch Lob des Schrift- gelelu'ten 38,24—39, 11 = 1 (Eingang), 3 (Bauer), 3 (Künstler), 4 (Schmied), 4 (Töpfer), 3X2 (ihrer aller Unterschied vom Schiiftgelehrten), 4X2. 4. 2 X 2 (Glück des Schriftgelehrten). Dasselbe gilt von der Ausführung über gute und schlechte Rat- geber 37, 7 15 = 4. 6. 2. 2. 1, und dem Eingang des ganzen Buches 1,1—20 = 4. 4. 3. 3 X 2. 1.

§ 3. Dichterische und sprachliche Form. XLI

Die angeführten Beispiele be^veisen, dass die Frage nach der stropliischen Gliederung bezüglich des Zusammenhangs der einzelnen Verse überall gestellt ^vel'den muss. Ihre Beantwortung ist für die Kritik und Exegese des stark verderbten und schlecht übersetzten Textes von grosser Wichtigkeit. Verwirrung wird aber angerichtet, wenn man feststehende strophische Schemata durch das ganze Buch hin nachweisen will; die darauf gerichteten Versuche kommen überall auf Zerstörung des Zusammenhangs hinaus. Ebenso wenig lassen sich gewisse runde Zahlen als das feststehende Mass grösserer zusammenhängender Abschnitte er- weisen. Es ist wahr, dass wie das Lob der Weisheit c. 24, so auch das Lob des Hohenpriesters Simon 50, 1 24, sowie der Psalm 51, 1 12 aus je 36 Distichen bestehen. Abschnitte von je 30 Distichen sind die Ausführungen üi)er die Hoffnung der Frommen 11, 2 28, und die über Gesundheitspflege, Arzt, Krankheit und Tod 37, 27 38, 23, ebenso das Lob Gottes 39, 12 35. Abschnitte von je 20 Distichen sind z, B. c. 2 und 40,1—17; die Einleitung 1,1—20 hat 18 Distichen. Aber da- neben finden sich Abschnitte von 39 (34, 12—35, 13), 37 (38, 24— 39,11), 35 (25,13—26,18), 34 (31,21—32,26), 31 (29,1—28; 36,23—37, 15), 17 (33,1— 13a. 36,16b— 22; 41, 1—13) Distichen, die man keineswegs auf runde Zahlen zurückführen kann. Das Lob des Schöpfers 42, 15 43, 33 hat 53 Distichen, das der Väter 44, 1 49, 16 hat 211, Ich kann aber kein Gewicht darauf legen, dass diese beiden Stücke sich mit dem Lobe des Simon (50, 1 24 = 36 Distichen), mit dem sie freilich eng zusammen- gehören, zu 300 Distichen ergänzen.^)

Wie der Enkel sagt, will Sirach durch sein Buch die Kenntnis der heiligen Bücher den Laien vermitteln. Deshalb lehnt er sich in hohem Masse auch an die Ausdrucks weise der heiligen Bücher an, und das ist einbegriffen, wenn der Enkel sagt, der Grossvater habe auf Grund der ixavr^ £?i; geschrieben, die er durch sein Schriftstudiuni erworben hatte. Er bezieht sich übrigens auf die heiligen Bücher immer nur in Anspielungen

') Vgl. Grimme uml Schiögl a. a. 0 ; Bickell in der Wiener ZfKM. VI 87 ff.; Schlatter, das hebr. Stück des Sirach S. 100 ff.; D. H. Müller, Strophenbau und Responsion S. 78 ff.

XLII Kap. 1. Jesus Sirach irnd sein Buch.

an ihren Wortlaut, der augenscheinlich auch seinen Lesern in hohem Grade geläufig war. Am stärksten tritt diese Anlehnung im Lobe der Väter c. 44 49, sowie in den Gebeten c. 33. 36 und c. 51 hervor. Auch die Proverbien hat er viel benutzt, und in längeren Ausführungen klingt überall ein biblisches Thema durch.')

Als Spruchdichter bewegt Sirach sich öfter in der über- lieferten Form des sogenannten Zahlenspruchs (23, 16. 25, 1. 2.

7. 26, 5. 28. 50, 25). Auch sonst gefällt er sich darin, Dinge in runder Zahl aufzuzählen. Vgl. sechs Baumarten 24, 13 16, sechs Flüsse 24, 25 27, zwölf Arten von heiligen Männern 44,3 6, fünf Organe des Menschen 17,6, zehn Lebensbedürfnisse 39, 26. Anderswo scheint mit Absiciimchkeit die runde Zahl vermieden zu sein. Vgl. neun 37, 1 1. 40, 18— -26 (?), elf 50,6—10. Uebrigens verfällt er öfter iu sprachliche und dichterische Künstelei^ , die z. T. freilich auch schon in alter Zeit Miebt war. Gern redet ei", worauf zuerst Peters aufmerksam gemacht hat, in gesuchter Paronomasie. Vgl. z. B. 7. 16 '\)12V und inj;n\

8, 18 i: und "i, 42, 14 mcne und ^iziin. 43, 1 isin und ima, 45, 19 ühT) und dSsx^i, 46. 7 2^^ph und n^3U^nS, .50, 8. 9 pjnS und njinS. Eben dahin gehören die zahlreichen Namenserklärungen, wie die von -yt^in 43, 8, Abraham 44, 19, Mose (sifio!) 44, 23, Josua 46, 1, Samuei 46, 13, Salomo 47, 13, Hizkia 48, 17. 22, Jesaja 48, 20. Den Namen Rehabeam zerlegt er dabei 47, 23 in am und üV, um so zugleich die förmliche Nennung des Gottlosen zu vermeiden.

Uebrigens behandelt er die tote Sprache mit Geläufigkeit und aur-b in individuellem Stil. In hohem Grade kehit freilich

') Nicht ohne Uebertreibunt:' im Einzelnen ist das von Schechtfr (The Wisdom p. 12 38) und J. K. Gasser iu seiner Züricher Dissertation (das althebräische Spruchbuch u. s. w., Gütersloh 19ü;3) ausgeführt. Man vergleiche aber betr. der Proverbien: i, Ua = Prv. 9, lü. Ps. 111, 10; 1, JTa = Prv. 15, 33a; 4, 1-J = Prv. 8, 35; 5, 8b = Prv. 11, 4a; 6, 27b z^ Prv. 4, 13a; 10,27b = Prv. 12,9b; 11, Sa = Prv. 18,13a; 24, 3 ff. = Prv. 8, 22 f.; 27, 22 a = Prv. 6, 13. 14: 27, 26 a. 25 a = Prv. 26, 27; 35, 24 a = Prv. 19, 16 a; 37, 12 a = Prv. 28, 14 a; 37, 18 = Prv. 18, 21a; 37, 26 a = Prv. 3, 35 a. Betr. der Psalmen ist von Interesse die Verwenduntr des Wortlauts von Ps. 72, 8, der nur auf einen Ptolemäer passt, für die Verheissung an Abraham 44, 21 e f (vgl. Zach. 9, 10), some die Beziehun<r von Ps. 89, 27 auf Israel 51, 10. Vgl. noch 51, 12 ^'- " mit Ps. 148, 14, wo aber die Priorität zweifelhaft ist, und übrigens das in der Einleitung zu c. 44 49 Bemerkte.

§ 3. Dichterische und sprachliche Form. XLIII

dieselbe Ausdrucksweise bei ihm überall wieder^ was z. T. in der Metrik der Verse seinen Grund haben wird. Oefter werden aber auch ganze Stichen und Distichen wiederholt.*) Seine Ab- weichungen von der Ausdrucksweise der kanonischen Bücher sind öfter frappant. In wie weit aber ein singuläror Ausdruck bei ihm auf willkürlicher Künstelei oder auf jüngerem Sprach- gebrauch beruht, ist meistens schwer zu entscheiden. Indessen dürfte der eine Fall z. B. in pT n^-inx 16, 3, der andere in yr\)^2 S'v nT-iinh 9, 2 vorliegen.

Als ein hervorragender Schriftgelehrter beherrscht Sirach das Hebräische viel besser als die Verfasse)- der Chronik, des Koheleth, des Daniel, des Estherbiichs und mancher Psalmen. Aber als Weisheitslehrer, der obendrein in bewegter Zeit Partei- führer war, ist er auch weniger als die Verfasser der meisten Hagiographen an die althebräischen Muster gebunden. Deshalb weist seine Sprache auch eine grosse Zahl von späteren Wfirtern, sowie manche Wortbildungen und Wortverbindungen auf, die im Kanon überhaujit nicht oder nur selten vorkommen. Es ist aber voreilig, daraus auf ein höheres, oder gar viel höheres, Alter dieses oder jenes Hagiographons zu schliessen.

An aramäischen Wörtern finden sich: D:a Nifal beschwert werden 34,21 (vgl. Esth. 1,8. Dan. 4,6). nnd CAü Zwang 20,4; u-*a2 schlimm sein 3,26; J7D und pyann frohlocken 16,2. 14,4; laj verbrennen 43,4; yj ya pfui 13,22; in wohnen 50,26 (vgl. Ps. 84, 11); nn Nifal gemessen 30, 19; p^m klug 36,25; rm sich ereifern 8, 1 1 ; p Art 37, 28. 49, 8 (2 Chr. 16, 14 vgl. Ps. 144, 13); nDn_beschimpfen 14,2 (vgl. Prv. 25,10); a'tnn ausstrecken 4,31. 7,32. 34,14. 18 (dreimal im Estherbuch) ; poo Geld 34,8; ?]W Hifil (oder ?pT Piel?) tadeln 11,7; 1J7 Feind 37, 5 vgl. 47,7; h)vhv Sturm 43,17: püy Geschäft, Mühsal 3,22. 7,25. 11,10. 38,24. 40,1; n2:j; (?) Nifal kämpfen 4,28; 5?ps Gedröhn 46,17; 2,12: Hifil verspotten 10,10; TOi: Kälte 43,20 (vgl. Prv. 25, 13); r;^ Qual 34,20; -[i:: bedürftig sein 42,21, yi:£ bedürftig 34,4,

') Vgl. 5, 6c = 16, 11c; 6, 4a = 19, 3b; 18,6a = 42, 21c; 20,23b = 29, 6 d; 2U, 30. 31= 41,14.15; 24,34= 30,26; 39,10 = 44,16, übrigens 39,10b = 34, IIb; 46, 5a = 47, 6a vgl. 46, 16a; 46,5b =46, 16b; 45, 26a = 50, 23a; 46, 12a = 49, 10b. Gelegentlich hat die Wiederholung anderen Sinn; vgl. 26, 10a mit 42, IIa, und 40, 5c mit 46, 19a.

XL IV

Kap. Jesus Siraeh und sein Buch.

und Öfter "[lif (^riM L'dürfnis (vgl. 2 Chr. 2, 15); "jOi^ Hifil an- greifen 12,5; yy trii aufsein 11,21; n Geheimes 8,18; nyn gegen Jemanden tVeudlich sein 34, J^. 38,1; 3 nvinn sich etwas gefallen lassen 11,j; i^i belauern 14,22 (vgl. Ps. 68,17); iW'i'in über etwas ({(valt bekommen 3,22; raiy Flamme 8,10. 45, 19 (vgl. Job. 1>.); rc^ 44. 1 und nnntt^r Lob 51, 12-; nv^ Stunde 37,14; p'rw^v Athemnot 34,20; nyniiM erzählen 44,8, iTj?i^ Gespräch 3s,:; un Kaufmann 42,5 vgL 37, ll;'D^':n leiblich 7, 18; hpn st ucheln 13, 23. 15, 12. 35, 20, rhpn Anstoss 34,7; ipn abmessen ,9 (dreimal im Koheleth).

Einzelne diese Wöi'ter können freilich auch althebräisch sein, obwohl wir > nur als aramäisch kennen. So z. B. ip demütig 12,5. Da.L^en sind lyiDO hässlich 11,2. 13,22, und nm^: horchen 11, 2. wenigstens hebraisiert. Althebräisch ist WU^ü (l. mtt'N) 50. T) das sonst nur aus der Mesainschrift be- kannt ist.

Uebrigens rcic das Hebräische des Kanons auf der einen und das Neuliebräisse und das Aramäische' der Targume auf der anderen Seite zr Erklärung des Wortschatzes nicht au.s. Sonst unbekannt s;d CJ:« Traurigkeit 41, 2, ?]3:t 43, 8 ; p''"itJ>n 43, 9. 50, 7 cnuchten, ti^isinn sich in einer Sache 8, 8, und manches lUdere. Aehnlich steht es mit der bedeutung. In sons aramäischer und neuhebräischer Be findet sich npni: Ahosen 3,30. 7,10, in neuhebräisch freilich auch schon durch LXX bezeugt ist, y^Di sich 4, 25. Neuhebräiscl steht "iinj? als Konjun'- 3, 8, ebenso Tion (aiStelle) wie sonst mien als im Kanon wirdia für hü, und nr^h fi (s. z. 8,1). Vgl. a3h pn darauf 13,7. Esth. 4, 16. Dagegu kommt weder im A Neubebräischen pSrtm Sinne von schaffen hebräisch heisst •: NiTD „was ihm gl(4 38, 17 „wie es ihmgebührt." Sonst nich so mehr 11, 11. 13 K

Wortbildungei die im Kanon erst > kehren im Sirach »'ter wieder. So das 1 lt>^^3 8, 6, r]''2 30, 1; p's 30, 23, T^non bei 14. 42, 12, und vieeicht 3^n 11, 18; vgl. ai

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§ 3. Dichterische und spracblic im.

XLV

Ferner Nomina wie n^s: Plage 40. 29, ^o? \ euchuDg (sonst nco) :M],\. 44/2n, T,cn Begierde 14,14, -ncS \."h öl, 28, "ny (leg. 'pny) Vergnügen M, 2s. Sodann Nomina v^r dt^s Kai mit prä- ligirtem o (vgl. Ewald § 2:{l)a) wie ncc ^vj t-li;! ausstrecken 41.1'.». n:p'2 kaufen 42.4; Infinitive des Iliti mit lemininischer Endung (Vgl. Ewald ^ löGdj wie nji^n '' ' -,12, nmn 32,20, nsTH öl. 17. Bomörkenswert sind nai, Xoniina abstracta

bezw. Nomina verbi wie ny'i: 38, 16, m;,-: *.>. 8, nrs:''' 51,29, ,-27: 4ö, 9, nrnff 30. 11 (vgl. Dan. 2,9. c. ölrrpt:^ 38, 2G; vgl. nrr Koh. 12, 12. Es lindet sich aber "IT 1 auch niS^W, wu- ueben als Variante das schon im Kano; nrkommende S^D;n steht, und wahrscheinlich n\h''^p 4, 4. Eiiieseltene und späte BildungsforiM haben ferner r^Snn Ersatz 1417. 40,12. 48,8, ,r:OT Atemnut 34, 2( •, np^S^p 12,2. 14, <;. iVal r.^iiSK'n 32,13. 4s, 8. Uebrigens kommen neue Nomina abtracta auf r\\ vor, wie npSrc 41.21. 42.3. nyr>ü 44,4, r\"v 11 1^. mottle 44,4. Dem entsprechend ist 25.3. ;.<>, 12. 51,14. | W(thl das sonst neuhebräische nwi} anzunehmen, ebenso 2'jB nüs?, UnsiclWr nr^uV 45,4, rrn: 42,8, ra^o 43,1 und birc 37,17, denen ianten gegenüberst»'li.fl ^

uktion scheint 14, '.' f, KI im Gebrauch anliegen, ebenso vileiclit in pim «Tn dagegen kommt - ^ Einführung des 20, 2). Der ( ;.

, 15 im passivis V. Um 80 sonde

fixes am Vei- nnten hebräi.-

uch des Ilithpael

n Sinne ist auch

er erscheint der

■?. 7, 7 und

. jh vgl. 1 Sam.

wi^lersprichf ^ers steht es schon ^^^

h ist di g des Frageworts

bei ns r '^h 39,21.

uch nicht der jüdischen

ugen des A..'., sondern ebenso

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XL IV Kap. 1. Jesus Sirach und sein Buch.

und Öfter "ji:: (-[ra) Bedürfnis (vgl. 2 Chr. 2, 15); '^np, Hifil an- greifen 12.5; yy früh auf sein 11.21; n Geheimes 8. 1(S; nj?"i gegen Jemanden freundlich sein 84, 15. 38, 1 ; 2 nyirn sich etwas gefallen lassen 11,20; nin belauern 14,22 (vgl. Ps. 68,17); rwyiT] über etwas Gewalt l)ekommen 3,22; 2'2U> FJamme 8, K». 45, 19 (vgl. Job. 18,5); nz^* 44, 1 und r\n2\:fD Lob 51, V2-: nyi^ Stunde 37,14; p^JKTi Athemnot 34,20; nyntt'n erzählen 44,8, .Ti?it* Gespräch 38,25; i:n Kaufmann 42,5 vgl. 37, 11; D^Sn leiblich 7, 18; hpn straucheln 13. 23. 15, 12. 35, 20, nSpn Anstoss 34,7; ipn abmessen 47,9 (dreimal im Koheleth).

Einzelne dieser Wörter können freilich auch althebräiscli sein, obwohl wir sie nur als aramäisch kennen. So z. B. ip demütig 12, 5. Dagegen sind n^iro hässlich 11, 2. 13, 22, und nmi' horchen 14, 23 ^venigstens hebraisiert. Althebräisch ist n^i^N (1. mt^s) 50, 3, das sonst nur aus der Mesainschrift be- kannt ist.

Uebrigens reicht das Hebräische des Kanons auf der einen und das Neuhebräische und das Aramäische der Targume auf der anderen Seite zur Erklärung des Wortschatzes nicht aus. Sonst unbekannt sind D"*::« Traurigkeit 41, 2, ?j::"i 43, 8 und p^i'^n 43, 9. 50, 7 erleuchten, ti^anrn sich in einer Sache umtun 8, 8, und manches andere. Aehnlich steht es mit der Wort- bedeutung. In sonst aramäischer und neuhebräischer Bedeutung findet sich npi^ Almosen 3, 30. 7, 10, in neuhebräischer, die freilich auch schon durch LXX bezeugt ist, VJ2i sich schämen 4, 25. Neuhebräisch steht m^y als Konjunktion wie sonst "n3j?2 3, 8, ebenso nön (an Stelle) wie sonst mien 3, 14. 4, 10. Oefter als im Kanon wird na für ha, und nfih für ha und je gesetzt (s. z. 8,1). VgL auch p2 darauf 13,7. 35,2 mit Koh. 8,10. Esth. 4. Iß. Dagegen kommt weder im Althebräischen noch im Neuhebräischen phn im Sinne von schaffen (so 34, 13) vor. Neu- hebräisch heisst "12 N2:vr „was ihm gleicht," dagegen 10,28. 38, 17 „wie es ihm gebührt." Sonst nicht belegt ist p ''i: um so mehr 11, 11. 13,9.

Wortbildungen, die im Kanon erst vereinzelt sich finden, kehren im Sirach öfter wieder. So das Fiel von Verbis ij? in ^'^2 8,6, P|^^2 30,12, r^c 30,23, T^non bezw. Twon 8,17. 9,4. 14. 42, 12, und vielleicht 2T> 11,18; vgL auch 3«n schuldig 8,5.

§ 3. Dichterische und sprachliche Form. XLV

Ferner Nomina wie "ViB) Plage 40. 29, VD? Versuchung (sonst nca) 36,1. 44,20, nwn Begierde 14,14, maS Lehre 51,28, ''nv (leg. |ny) Vergnügen 34, 28. Sodann Nomina verbi des Kai mit prä- ligirtem o (vgl. Ewald § 239 a) wie nao (von na;) ausstrecken 41, 19, n:pKi kaufen 42. 4; Infinitive des EQfil mit femininischer Endung (vgl. Ewald §. lö^d) wie nji^n 14,13. 32,12, nn:n 32,20, nsmn 51, 17. Bemerkenswert sind namentlich Nomina abstracta bezw. Nomina verbi wie nn: 38, 16, HTni 43,8, nn"*:^^ 51,29, no^pj 45, 9, nnTiy 30, 11 (vgl. Dan. 2, 9. 6, 5), nrpu^ 38, 26; vgl. nVT Koh. 12,12. Es findet sich aber 37,11 auch n^h^t??, wo- nebeu als Variante das schon im Kanon vorkommende SlDpri steht, und wahrscheinlich n^S''iifi;^ 4, 4. Eine seltene und späte Bildungsform haben ferner '''hnn Ersatz 44, 17. 46, 12. 48, 8, iTJirn Atemnot 34,20, ng^^n 12,2. 14,6, Plural moiSti>n 32,13. 48, 8. Uebrigens kommen neue Nomina abstracta auf ni vor, wie mpSna 41. 21. 42, 3, nnpno 44, 4, mv 10, 18, nnoii'ö 44, 4. Dem entsprechend ist 25, 3. bO, 12. 51, 14. 28 wohl das sonst neuhebräische nn^.i anzunehmen, ebenso 25, 3 nwsr» Unsicher'"' sind miTjy 45,4, nmö 42,8, a^n^o 43,1 und a^nitt^ 37,17, denen allen althebräische Varianten gegenüberstehen. ^ w; ^^,^^^^

Aramäische Konstruktion scheint 14, 9. 37, 16 im Gebrauch des kopulativen SM vorzuliegen, ebenso vielleicht in pim nM (halte dich fern) 13, 9. Dagegen kommt h als Einführung des Objekts kaum vor (vgl. 4, 7. 26, 2). Der Gebrauch des Hithpael 13, 10 und des Hithpoel 38, 15 im passivischen Sinne ist auch im Kanon nicht ohne Beispiel! L"m so sonderbarer erscheint der reflexivische Gebrauch des Suffixes am Verbum -^jni^iirL,'?« 7, 7 und ■jW'sn'jS 30, 21, was der bekannten hebräischen (doch vgl. 1 Sam. 2, 29) und aramäischen Analogie widerspricht. Anders steht es schon ^^^^^ mit "pwnn ha 7, 16. Neuhebräisch ist die Stellung des Frageworts am ScHlüss des Fragesatzes, 'so bei na 10, 19, bei naS 39, 21.

Da das hebräische Wörterbuch nicht nur auf der jüdischen Ueberlieferung und den Uebersetzungen des A. T., sondern ebenso sehr auf der Analogie von Parallelstellen beruht, so trägt der hebräische Sirach auch zur Erklärung der kanonischen Bücher das Seinige bei. Was z. B. nh'^i Am. 5, 6 bedeutet, ergibt sich aus Sir. 8, 10, und die Bedeutung von pox, «IT, rin, |n^«, p:o, ti^o: n^cn u. a. Wörtern lässt sich aus den hebräischen Fragmenten erst

XLVL V -^"^^V- II- ^^^' liebräische Text.

feststellen. Aber auch der griechische und syrische Text kommt hierfür in Betracht. So ergibt sich der Sinn von inon "inyi nro Dt. 27, 24 aus Gr. Syr. zu 22, 22. 21, 25.')

Kap. II. Der hebräische Text.

§ 4. Die talmudischen und rabbinischen Zitate.

Bis zur Entdeclvuug der Kairiner Handschriften war der hebräische Urtext nur aus talmudischen und rabbinischen Zitaten beliannt. In seiner Verteidigung des Studiums griechischer Literatur machte Azaria de Rossi im Me'or 'Enajim (jMantua 1574) fol. 21 ab (in Wahrheit 29 ab) darauf aufmerksam, dass im Talmud und im Midrasch an mehreren Stellen unter dem Namen des Ben Sira hebräische Sprüche angeführt würden, die sich in entsprechendem Wortlaut im griechischen Sirach fänden. Später hat Johann Buxtorf, der Sohn, in den verschiedenen Loci seines Florilegiuni Hebraicum (Basil. 1648) die weitaus meisten bis jetzt bekannten Zitate, und zwar auch die anonymen, aufgeführt. Zu- sammengestellt wurden sie im Wortlaut u. a. von Lob ben Seeb in seiner hebräischen Retroversion des Sirach (kT'D p yit'iiT nc:" Breslau 1798 u. ö.) und von L. Dukes (Rabbinische Blumenlese S. 67 84). Für die wichtigsten bis dahin bekannten Zitate hat i. J. 1891 S. Schecliter einen reiclihaltigen kritischen Apparat gegeben (Jewish Quarterly Review III 682 706). Der voll- ständigste Abdruck, der freilicli auch nicht li ergehörige Zutaten entliält, findet sich bei Cowley-Neubauer, The Original Hebrew of Ecclesiasticus p. XIX XXX.-) Man hat etwa 82 echte Stichen

') Ueber die Sprache Sirachs vgl. Nöldeke, Expositor XXIX 847 ft"., Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft XX 81ff. ; S. Fränkel, Monatsschrift XLIII 481 ff.; S. Landauer, Zeitschrift für Assyriologie XII 393 f.; F. Perles, Wiener Zeitschrift für die Kunde des Morgen!. XI 95 ff. ; D. H. Müller, ebenda S. 103 ff.

2) Vgl. auch Zunz, Gottesd. Vorträge 2 S 106—111. Bacher, Jew. Quart. Rev. XI 344. XII 284 290. Ich habe die echten Zitate, soweit sie durch die Handschriften nicht gedeckt sind, in meiner Ausgabe abgedi-uckt, die übrigen echten Zitate habe ich zu den betreffenden Stellen notiert und

§ 4. Die tahiiiulischen und rabbiniaclien Zitate. XLVII

in der talraudisclien und rabbinischen Literatur nacligewiesen. Da die Zitate zuweilen anonym oder unter anderem Namen er- scheinen, übrigens die Freiiieit, mit der griechische und der syrische Uebersetzer sich oft bewegen, erst durch die Entdeckung der hebräischen Handschriften recht deutlich geworden ist, wird man in Zukunft wohl noch mehr Zitate nachweisen können. Einzelne echte Sirachsprüche linden sich auch in dem aramäischen und dem hebräischen Alfabet des Ben Sira, die zuerst in Constantinopel (1519). spätei" u. a. von Dmsius (Proverbia Ben Sirae, Franekerae 1597). neuerdings von M. Steinschneider (Alphabetum Siracidis utrumque, Berolini 1858) herausgegeben sind.

Abgesehen von 16 Stichen (Is. 23. 21, 22. 23. 25, 2cd. 3. 9b. 26,3. 27,9a. 28, 12 a) sind die Zitate jetzt durch die hebräischen Handschriften gedeckt und in sofern nur noch in Einzelheiten von unmittelbarem textkritischem Wert. Indessen illustrieren sie den relativen Weit des Textes der Handschriften, sie sind aber namentlich deshalb von Interesse, weil sie die Schicksale des Urtextes erkennen lassen. Ich zähle zunächst die talmudischen Zitate auf, weil sie wenigstens innerhalb gewisser Zeitgrenzen datierbar sind. Mit S" bezeichne ich dabei diejenigen Stellen, an denen ein echtes Zitat ausdrücklich auf BenSira zurückgeführt wird.

In der Mischna ist Pirke Aboth 4. 7 (4a) = Sir. 7, 17.

/ ...1. v-j Im Babylonischen Talmud sind an ecbten Zitaten na(^h-

ge wiesen:

Berachoth 48a = 11. Ib (verquickt mit Prv. 4,8a).')

Schabbath IIa = 25, 13 (in starker Abwandlung).-)

'Erubin 54a = 14,11a. 16b. 12a. x. 12b. 18ab.

Pesachim 113b = 25,2 cd.

tChagiga 13a = 3.21. 22.^^)

ihre Varianten im Apparat angegeben. Den Wortlaut blosser Anspielungen führe ich unten im Kommentar auf.

'j Ebenso bei den Thosaphisten zu f 'Erubin 65 a, t Baba kamma 92 b, ferner t J. Berachoth (Krotoschin) IIb, v J- Nazir 54b, t Bereschith R. (Frank- furt a. 0.1705) Xfifol. lOJc, v Koheleth R. VII fol. 102c, 7 Jalkut Bere.schith fol. 46 b.

^j Anders Midrasch ma'ase thora (Jellinek, Beth ha-midrasch II 95).

^) Gleichlautend f Saadia, Sefer ha-galui (Harka\v, Leben und Werke Saadias Gaou, Petersburg und Berlin 1891) p. 179, 18. Anders ist der Wort- laut ■!• J. Chagiga 77 c und wieder anders t Bereschith Rabba VUl fol. 10a

XLVIII i^ap. iL Der hebräische Text.

Baba kamma 92b = 27, 9a. 13, löbJ)

fBaba bathra 98b = 11, 8b (in starker Abwandlung).-)

tJebamoth 68b = 26,3. x.^) 26,1. 9,8a. 4(3)b.*) 9ab. 8c. Prv. 7, 26b '5). Sir. 11,29b. 30a. 32a. Jer. 5,27. y. Prv. 27, Ib. z. Sir. 11,29a. 6,6.'^)

Sanhedrin 76 b = 37, 8a vgl. 7b (in starker Abwandlung).^)

t Sanbedrin 100b = 1) 42, 9. 10.«) 2) 30, 21a. 23 c (ara- mäisch).^)— 3) 11, 29 a.— 4) 26, 3 Jer. 5, 27 (wie Jebamoth 63 b), sodann aber: Sir. 11,29a. 6,6. Mich. 7,5b. y. Prv. 27,1b. z.

Ausserdem sind im babylonischen Talmud an folgenden Stellen Anklänge nachgewiesen: Pesachim 119a (vgl. 40, 25), Beza 32 b (vgl. 40, 29)'"), Taanith 5b (vgl. 35, 4), Kidduschin 30 b (vgl. 21,11) Baba mezia 112a (vgl. 31,27), Baba bathra 21a (vgl. 38,24a), Sanhedrin 65b (vgl. 36,7. 8).^')

Unechte Zitate aus Ben Sira finden sich Jebamoth 63 b (s. 0. xyz), dazu noch einige andere Sanh. 100b, darunter (unten) derselbe Spruch, der im Cod. B zu 40, 21 26 am Rande steht, übrigens auch Kethuboth 110 b und Baba bathra 146 a ans dem Buche Ben Siras zitiert wird. Beigelegt "wird ihm ferner Nidda 16b ein Spruch, der einigermassen an 21, 22 anklingt.

Im Jerusalemischen Talmud findet sich ausser den ge- nannten Anführungen von 3,21. 22. 11, Ib nur ein Zitat, uäm-

iind Jalkut Job. 20, 4 fol. 160 a (Mitte). Etwas abweichend steht 3, 22 b auch J. Sota 22 a. Cowley-Neubauer p. XIX zitieren falsch, sie legen dem baby- lonischen Talmud die Lesart von Bereschith Rabba bei.

») Dasselbe Jalkut Bereschith fol. 23 d (Mitte). Jalkut Schofetim fol. U a (unten). R. Nissim, Sefer ma'asijoth (Warschau 1886) p. 66.

2) Dasselbe t Jalkut Mischle § 956 fol. 140 c (oben).

^) T R. Nissim, Sefer ma'asijoth p. 36 = 26, 3 -}- x.

') t Alfab. Sir. II n = 9, 8 a. 4 (3) b.

») t Alfab. Sir. II a = Sir. 9, 8e. Prv. 7, 26 b.

*) 6, 6 fast gleichlautend j Saadia a. a. 0. p. 179, 1. f R- Nissim, a. a. 0. p. 66. Vgl. auch i Alfab. Sir. II j.

') Vgl. Buxtorf, Florilegium Hebr. p. 47.

8) Vgl. i R. Nissim a. a. 0. p. 36. 37. •;■ Alfab. Sir. II 3— a.

^) Dasselbe hebräisch f Alfab. Sir. II h.

^") Vgl. auch Aboth de Rabbi Nathan 25 (am Schluss).

^^) Vgl. auch Tanchuma nann, j (Warschau) p. Iü9b.

§ 4. Die talmudischen und rabbinischen Zitate. IL

lieh Taaiiith 66 d = 38,1a.') Dazu kommt Berachoth 7 c ein Anklang au 20, 15.

Anderweitig sind folgende Zitate bekannt:

5,5. 6. f Saadia, Sefer ha-galiii p. 177,19. y R. Nissim, Sefer ma'asijoth (Warschau 1886) p. 77.

6,7. 8. ySaadia, a. a. 0. p. 179,3.

6,13. t Saadia, a. a. 0. p. 179,8.

7, 1 (aramäisch). Bereschith Rabba XXII fol. 26b. Vajikra R. XXII fol. 190c. Bemidbar R. XVIII fol. 272 d. Koheleth R. V fol. 97b. tTanchuma (Frankfurt a./O. 1701) npn fol. 69a. Vgl. die Ausgabe von Buber fol. 50a und dort die Anmerkung. Ferner Jalkut Koheleth § 972 fol. 185c unten, t Alfab. Sirac. I ö.

11,28. tSaadia, a. a. 0. p. 179,6.

13, llcd. fSaadia, a. a. 0. p. 179,15.

13,25. t Bereschith R. LXXIII fol. 82c.

16, 4a. R. Nissim a. a. 0. p. 12.

16,17. tSaadia, a. a. 0. p. 179,12.

18,23. tTanchuma nh^') fol. 13a.

21,22. 23. -fPirke de rabbenu ha - kadosdi (ed. Schön- blum) fol. 14 a.

25, 3. t Aboth de R. Nathan 24 (ed. Schechter c. 23 p. 78a).

25, 9b. Abarbanel, Nachalatli Aboth fol. 200 a.^)

28, 12. t Vajikra R. XXXIII fol. 203b. Jalkut Bemidbar fol. 192c Mitte, f Jalkut Tehillim § 767 fol. 107d.

38, 4a. 7. 8a. f Beresct^ith R. X fol. 12a. t Jalkut Job § 901 fol. 148 b oben.

Anklänge finden sich: an 9,10 Alfab. Sir. I i, an 11, 9 Tanchuma xixi § 5 fol. 73a, an 14, 14 Alfab. Sir. I n, au 30,32 Alfab. Sir. II ::, an 32, 21 Zohar Lev. iy § 3 pag. 62 3), an 37, 13

') Der Stiehus erscheint im Jerusalemischen Talmud in aramäischer Version, und so auch i Tanchuma fpo § 10 fol. 15 d (oben) und Jalkut Job. § 920 fol.* 153 b (Mitte) sowie unter k im f aramäischen Alfabet des Ben Sira. Dagegen hebräisch Schemoth Rabba XXI fol. 139 a und Pesikta rabbathi (ed. Friedmann) fol. 127 a (mir unzugänglich). .

^) So nach Buxtorf (Florilegium p. 29), der die Herkunft des Spruches nicht erkannt hat. Betr. 6, 27 vgl. unten S. 513.

*) So zitieren Cowley-Neubauer. ich finde das Zitat in den mir zu- gänglichen Zohar-Ausgaben nicht.

Sraend, Sirach-Kominentar. 1'

L Kap. IL Der hebräische Text.

Alfab. Sir. I ti», an 38, 24 a Aboth de R. Nathan (ed. Scliechter) c. 33 fol. 73b. Ferner hat Eapo])ort auf die Nachahmung von Sir, 50; 5 8 im Lobgedicht auf den Hohenpriester hingewiesen, das sich im Musafgebet des Versölinuiigstages nach deutschem Ritus lindet (vgl. unten zu 50, 5). Unverkennbar klingen aber auch manche Sprüche im D^rjon inzü, der aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt ist, an Sirach an. Buxtorf führt daraus in seinem Florilegium p. 303 einen Spruch an, in dem schon Reif- maun (Ha-asif Hl p. 250, so nach Cowley-Neubauer p. XXX) eine Abwandlung von 30, 16 erkannt hat. Er steht in der von ihm benutzten, mir unzugänglichen, Ausgabe von B. H. Ascher (London, Trübner, 5619 1859) unter Nro. 457. Ferner vergleicht Reifmann Nro. 318 mit 19, 10, Nro. 357 mit 20, 18, Nro. 58 mit 20,30. 41,14, Nro. 66. 67 mit 26,28, weniger überzeugend Nro. 564 mit 40, 28 (vgl. unten zu den betr. Stellen). Ich habe nach der Ausgabe von Filipowski (London 1851) zu 4, 26. 9, 10. 20,12. 36, 29 weitere Parallelen angemerkt. Vgl. auch unten S. 516.

Unechte Sprüche Ben Siras stehen noch bei Saadia, Sefer ha-galui (ed. Harkavy p. 179, 20ff.) und in den beiden Alfabeten; noch andere hat Schechter (Jew\ Quart. Rev. III S. 695 97, Nro. 19. 22—24) nacingewiesen."*)

Der Text der Talniudzitate ist fast überall schlechter, meistens viel schlechter, als der der Handschriften. Schon Pirke Aboth 4, 7 (4a) ist 7, 17 willkürlich umgestaltet, nur kommt dort mi neben dem mxj der Handschriften in Betracht. Sonst sind es sehr wenige Stellen, an denen die Talmudzitate gegen die Handschriften das Ursprüngliche bieten oder ihm näher kommen, wie 3, 21.kSciö2, 9,8 c nu-'ü ^Kinn, 9,9 a S^x. Mehrfach liegen aber die stärksten Umdichtungen vor wie B. Schabbath IIa, B. Pesachim 113b, B. Baba bathra 98b, B. Nidda 16b. Die zahlreichen und grossen Abweichungen der Zitate erklären sich auch nicht aus mündlicher Ueb erlief erung. Denn im babylonischen Talmud werden die Zitate meistens aus dem «TD p ICD-) her-

') Sonderbare Umdichtungen von Sirachsprüchen finden sich in dem von Scheehter, Jew. Quart. Rev. XII S. 459, mitgeteilten Fragment.

2) So Chagiga 13 a. Baba bathra 98 b. Jebamoth 63 b. Sanh. 100 b, Nidda IG b und ebenso J. Berachoth IIb. Vgl. 2'n3T B. Berachoth 48a und D'sinsD 3'roT B. Baba kamma 92 b. Aus Sirachhandschriften stammen aber auch die

§ 4. Die talmudischen und rabbinisehen Zitate. LI

geleitet, und obendrein stimmt der babylonische Talmud in merk- 4 würdigen Textfehlern mit dem Cod. A übefein, so 'Erubin 54a | in der Vorwegnähme von 14, 16a in 14, 12a, und Jebumoth 63b und Sanhedrin 100 b in der Einschaltung von Jer. 5, 27 in 11, 29 ft'. Somit bezeugt der Talmud das Alter der Textentartung, die im Cod. A vorliegt, um so mehr, als die Zitate Jebamoth 63 b und Sanhedrin 100 b, wie unten gezeigt werden soll, wahrscheinlich auf keinen eigentlichen Sirachtext, sondern auf ein Florilegium aus Sirach zurückgehn, das aus einem dem Cod. A ähnlichen Text geschöpft war. Man hat freilich gemeint, dass umgekehrt der Text des Cod. A 11, 29 ff. 14,12 von den Talmud-Zitaten beeinflusst sei. Aber dagegen spricht, dass Cod. A an diesen Stellen mit den Talmud-Zitaten allzuwenig übereinstimmt. So- dann lässt sich beweisen, dass die schlechten Varianten, mit denen 3, 21 in den beiden Talmuden und im Midrasch Rabba zitiert wird, auf sehr alter handschriftlicher Ueberlieferung be- ruhen. B. Chagiga 13 a wird das Distichon in einer Gestalt angeführt, die sich vom Ursprünglichen nicht allzuweit entfernt. J. Chagiga 77c ist es nach Job. 11,8b abgewandelt. BereschithR. VIII ist es zu einem Tetrastichon erweitert, das die Lesarten der beiden Talmude voraussetzt. Nun sind aber die Abweichungen im Jerusalemischen Talmud und in Bereschith R. so alt, dass sie sich in einer zweiten griechischen Uebersetzung widerspiegeln, der mehrere Kirchenväter folgten.^)

Der Text der rabbinisehen Zitate ist im Ganzen ebenso schlecht wie der der talmudischen, nur Saadia (10. Jahrh.) scheint einigermassen besseren Text gelvannt zu haben. Er liest 3, 21 / mit dem babylonischen Talmud, 6, 6 steht er zwischen ihm und ' der guten Lesart des Cod. A in der Mitte. Uebrigens weicht er in 9 Fällen vom Cod. A ab, wobei er einmal (6, 8 sS') im Recht ist. einmal (13, 11 'm^? nD:^) dem Ursprünglichen näher kommt. Zw^eimal (5, 6. 16, 17) liest er schlecht, die übrigen Fälle sind zweifelhaft.

unechten Zitate B Baba bathra 146a, Kethuboth 110b, Sanh. 100b und die unechten rabbinisehen bei Schechter, JQR. III 695 ff.

1) Vgl. den Apparat meiner Textausgabe sowie unten die Bemerkungen zu 3, 21, ferner unten § S.

IV*

;t^XI Kaj). II. Der hebräische Text.

In der Tosepbta (Jadajim II. 13) werden die Bücher des Ben Sira als die ältesten der nichtkanonischen Bücher bezeichnet: „Die Büclier des Ben Sira und alle seitdem geschriebenen Bücher verunreinigen die Hände nicht". Sie werden dal)ei von den eigentlich ketzerischen Büchern unterschieden, während sie nach dem Wortlaut von J. Sanhedrin 28a von K. Akiba unter der Gesamtheit der CTil'^n begritten wui'den, die man nicht lesen darf, oime der ewigen Seligkeit verlustig zu gehen. Grätz (Monats- schrift 1886. 285ff'.) hat freilich unter Anfechtung des Textes von J. Sanhedrin 28a und B. Sanhedrin 100 b wahrscheinlicli zu macheu gesucht, dass R. Akiba im Gegenteil die Lesung der Bücher des Ben Sira erlaubt habe.^) Jedenfalls stellt aber R. Joseph (4. Jahrh.) das Verbot den Ben Sira zu lesen als ein längst bestehendes hin: Auch im Buche des Ben Sira ist verboten zu lesen.'-j Sein Schüler, R. Abaji, führt darauf mehrere Stellen aus Ben Sira an, wegen derer das Buch verboten sein könnte, findet aber bei keiner einen zureichenden Grund. Darauf sagt R. Joseph: (Obwohl unsere Lehrer das Buch des Ben Sira für unkanonisch erklärt haben), wir erörtern (alle) die guten Sprüche (xn^'S^'is 'Sc), die in ihm enthalten sind.^)

Das Verbot richtete sich gegen die hohe Wertschätzung, in der Ben Sira tatsäclilich stand. Die talmudischen Zitate, die auf sehr angesehene Rabbinen^) zurückgeführt werden, haben nämlich zumeist den Sinn einer förmlichen Berufung auf ihn. Mit blossem ZTi:!, das für die biblischen Zitate üblich ist, zitiert

') Grätz hätte sich vielleicht darauf berufen können, dass B. Sanhedrin 76b Sir. 37, 8a. 7b, wenn auch nicht als Spruch Ben :fira"s, von R Akiba zitiert wird. B. Sanhedrin 65 b wird ihm ein Spruch in den Mund gelegt, der stark an Sir. 36, 7. 8 anklingt.

^j Näheres bei Schecbter, Jewish Quarterly Review 111 699 Anm. 25. Vgl. auch Koheleth R. zu Koh. 12, 12 fol. 116a: nnv in»3 ■\\n^ D»:Don h^c Hh^r. p 12D1 Ni'D ]2 1SD JUS D^J^r: Nin r^::i-i7^r2 cneo i'on J. Sota 24c heisst es, dass nach dem Tode des R. Elieser (Anfang des 2. Jahrh.) das Buch der Weisheit athetiert wurde fne^nn ied ?:Ji). Blau (Revue des Etudes Juives XXXV 21) will das auf Ben Sira beziehen.

") Die eingeklammerten Worte fehlen in den Ausgaben, stehen aber in der Kopenhagener Hand.schrift Aehnliches findet sich in anderen Hand- schriften und sonst. Vgl. Schechter a. a. 0. S. 700 Anm. 30.

^) Es sind meistens palästinische. Vgl. Zunz, Gottesd. Vorträge ^ S. 107.

§ 4. Die talmiidischen und rabbiuischen Zitate. LIII

Simon ben Sdietach 11, IbB. Berachoth 48 a. i) Rabba bar Mare will B. Baba kamma 92b für eine Behauptung je eine Stelle aus der Thora, den Nebiim und den Kethubim antühreu, und da zitiert er neben Gen. 28, 9 und Jdc. 11, 3 mit n^2',n22 ^hr^r^l rn:i Sir. 27, 9a. 13, 15b. Mit i^xr.:', das sonst ebenfalls für Bibelzitate gebräuchlich ist, wird 'Erui)in fiöa von Rab ein apokryphes Zitat eingeleitet, hinter dem die Thosaphisten eben- falls ein Siracbzitat vermuten.-)

Dagegen sind B. Schabbath IIa und B. 'Erubin 54a wirk- liche Sirachzitate (25, 13. 14, IIa usw.) mit 2"i i^^s einfach Rab in den Mund gelegt, und B. Beza 32b spielt Rab auf 40, 29 an mit pm OT, das sich ebenso B. Pesachim 113b für 25, 2cd, und B. Kidduschin 30b für 21, 11 findet. Hier liegt wohl eine ab- sichtliche Verdunkelung vor, die sich auch sonst beobachten lässt. Das 2in2 «^"'D p ^CD2 findet sich freilich auch Bereschith R. XCI, Koheleth R. VIl, Jalkut Bereschith 46b für 11, 1 wie J. Berachoth IIb, ebenso Jalkut Mischle 140c für 11,8 nach B. Baba b. 98 b. Es kommt auch in den Pirke de rabbenu ha- kadosch für 21, 22. 23 und in den unechten rabbinischen Zitaten bei Schechter (Jew. Quart. Rev. III S. 695—97 Nr. 19 und Nr. 22— 24) vor. Während aber B. Chagiga 13 a die SteUe 3, 21 f. mit 'D '; 'D2 2)r\2 ps^ eingeführt wird, wird sie J. Chagiga 77c und Bereschith R. VIII mit STD p cii'3 hr;':«) i'vh n, Jalkut Job. 20, 4 mit mc "2-1 D?i'; -.ry^Sx n zitiert. J. Sota 22a ruft Bath Kol die Worte 3, 22 b.

Besonders lehrreich ist die abweichende Art, in der 38, 1 a an den verschiedenen Stellen eingeführt wird. Es heisst Tan- chuma Yp^'- ^"»'c p ^CD2 zw: iT;hü ix, Schemoth R. XXI: -.s nais hz'r^n mc p r,'ahii, J. Taanith 66 d und Pesikta Rabbathi 127 a

') Allerdings folgt hier auf i^na- zunächst Prv. 4, 8 a, dann unmittelbar Sir. 11, Ib. Vgl. dazu aber auch Neubauer, Jew. Quart Rev, IV p. 164. Ebenso folgt Jalkut Gen. fol. 23 d auf noiK iin^n zunächst Jer. 23, 28 b und dann ohne weiteres Sir. 27, 9a. 13, 15b. In diesem Falle scheint das Zitat korrigiert zu sein.

2) Es ist danach nicht unglaubwürdig, wenn Hieronymus die Parabolae des Jesus Sirach in einem Bande mit Koheleth und dem hohen Liede gesehen haben will (Praef. in vers. libr. Salom bei Vallarsi V 686). Doch vgl. auch unten S. LVI Anm. 1.

LIV Kap. Tl. Der hebräische Text.

nur noch: {'i]V'hü) itvh n -las.i) Die Stellen 13,25. 18,23. 28,12. 38, 4a. 7. 8a (vgl. oben S. IL) werden mit STD p iök und ähn- lich eingeführt, aber für 28, 12 wird Jalkut Bemicibar 192c (Mitte) die Nennung Ben Siras unterlassen, und für 27, 9 a. 13, 15 b ebenso Jalkut Bereschith 23 d. Das Zitat aus 7, 1 wird Tanchuma npn mit sn*c p ii2S s^^na eingeleitet, aber im Oxforder Codex fehlt STD p, Bemidbar li. XVIII lautet die Einführung des Spruches yiüü s'^nö,-) Bereschith R. XXII ]'''€ü p't^ |ön p, Ko- heleth R. V nur p^ü, Vajikra R. XXII und Jalkut Koheleth 185 c yifii^ sn^n::! sinn. Anders ist es vielleicht auch nicht zu beurteilen, dass Sir. 7, 17 in P. Aboth 4, 7 (4a) als ein Spruch des R. Levitas, eines Mannes aus Jal)ne, angeführt wird.

Dem Interesse, das man an Ben Sira nahm, entstammen vielerlei Zusätze und Umgestaltungen, die das Buch sehr früh erfuhr.^) Sirachsprüche wurden freilich auch wohl noch zu einer Zeit gedichtet, in der man das echte Sirachbuch nicht mehr be- sass. Das Buch scheint übrigens, wenigstens zum Teil, auch ins Aramäische übersetzt zu sein. Die unechten aramäischen Sprüche, die Sanh. 100 b und anderswo (vgl. JQR III 696) mit nTi: zitiert werden, konnten freilich auch in hebräische Sirach- bücher eingetragen sein. Aber dass 7, 1. 30, 21a. 23 c. 38, la aramäisch zitiert werden, lässt sich kaum anders erklären, und auch das aramäische Alfabet spricht für diese Annahme. Später hat das Misstrauen, mit dem man dem unkanonischen Buche gegenüberstand, ihm allmälig den Untergang bereitet. Es ent- standen Florilegien aus Ben Sira, die das Brauchbare, die ■'S'» sn''"''7j,va, von denen R. Joseph B. Sanhedrin 100b redet, aus dem übrigens verbotenen Buche ausscheiden sollten. Reste eines solchen Florilegiums liegen in dem Kairiner Codex C vor, auch die beiden Alfabete des Ben Sira haben diesen Ursprung. Aus einem Florilegium zitiert wohl R. Joseph (4. Jahrh.) selbst an

') Eleazar spielt auch B. Pesachim 119 a auf Sir. 40, 25 an.

2) Mit "ION n'^nc ]3i wird 25, 3 in den Aboth de R. Nathan eingeleitet. Vgl. auch 1Q1K SttTsn in der oben angeführten Stelle aus Schemoth R. XXI.

^) Sehr verschieden sind aber die älteren Zusätze, die sich z. T. auch in den hebräischen Handschriften, übrigens in der zweiten griechischen Uebersetzung, dem Lateiner und Syrer finden, von den anscheinend jüngeren, die im Talmud und bei den Rabbinen vorkommen.

§ 4. Die talmudisclien und rabbinischen Zitate. "LV

eben jener Stelle (vgl. B. Jebamotli 63 b)/) um seinen Ausspruch über den Wert des Ben Sira zu illustrieren.

Diese Florilegien haben das vollständige Buch des Ben Sira früh verdrängt, Saadia (10. Jahrh.) besass es nicht rnehi'.^) Man machte es ihm zum Vorwurf, dass er die nur für die heiligen Texte bestimmte Puuktation auch beim alltäglichen Schreiben an- wandte. Dem gegenüber beruft er sich darauf, dass auch Ben Sira, Ben "Irai {'y; und "»sn-y), die Hasmonäer und die Bne Afrika Bücher in Abschnitten und Versen mit Vokalen und Accenten geschrieben hätten (Sefer ha-galui ed. Harkavy p. 151. 163). Dabei sagt Saadia, dass Simon b. Jesua b. Eleazar b. Sira ein Buch der Lehre (2siK 3xn3 = iDia ncD) ähnlich den Mischte schrieb, und Eleazar ben Irai ein Weisheitsbuch (riarn 2xn2) ähnlich dem Buche Koheleth (S. 151. 163). Nachher sagt er, dass die Glelehrten aus diesen beiden Büchern Lehren und gute Beispiele entlehnt hätten, und als die wichtigsten davon ^) woUe er aus dem ersteren Buche sieben Sprüche aufzählen. Er zitiert da (S. 177, 16 179, 15) nach einander: 1) 5, 5. 6; 2) 6, 6; 3) 6,7.8; 4) 11,28; 5) 6,13; 6) 16, 17; 7) 13,11b. Aus Eleazar b. Irai führt er darauf drei von den Gelehrten zitierte Sprüche im Wortlaut an, nämlich Sir. 3, 21. 22 und zwei un- echte, von denen der zweite an 40, 13 f. erinnert. Auf Eleazar

') Dasselbe scheint dort sein Schüler R. Abaji zu tun, denn so erklärt sichs, dass er zuerst einen apokrjphen aramäischen Spruch, dann 42, 9. 10 hebräisch, dann 30, 21a 23 c aramäisch, dann 11, 29 a hebräisch und schliess- lich noch einen oder zwei unechte aramäische Sprüche zitiert. Alles das konnte in einem Florilegium so bei einander stehn.

2) Ausser Betracht bleibt R. Nissim, der im 11. Jahrhundert in Kairawan in Tunis lebte. Seine Zitate scheinen zumeist auf Saadia, den er p. 76 nennt, übrigens aber auf dem Talmud zu beruhen. Aus zweiter oder dritter Hand muss er auch 16, 4 a haben, welche Stelle er übrigens nicht auf Ben Sira zurückführt. Ebenso steht es mit 25, 9 b bei Abarbanel. Unbekannt ist das Alter der beiden Alfabete. Das aramäische steht mit seinen Anklängen an den Urtext mehrfach allein, aber auch das hebräische hat den h - Spruch (= 30,21a 23 e) nicht aus der aramäischen Version des Talmud (s. o. S. XLYIII Anm. 9) ins Hebräische zurückübersetzt, sondern ihn anderswoher hebräisch gekannt. Aber keines der beiden Alfabete geht auf unmittelbare Bekanntschaft mit Ben Sira zurück.

ä) Vgl. 177, 16 nN^anv•K^ «awn« njo i'isnsj «n»D p asnaa NoSyS« yenj« «as 't «Hivy ]D I3l«i ftion, sodann 179, 16 i'?'i ;o nsliNi n^j? js 2x022 lyeni« «02^.

LVI Kap. II. Der hebräiische Text.

b. 'Irai führt er 3, 21 f. auch in der Vorrede seines Kommentars zum Buche Jezira zurück (vgl. Harkavy a. a. 0. p. 203). Saadia bezeugt mit „Simon b. Jesua b. El. b. Sira'"' das Alter des Fehlers, der sich 50^, 27 und in der Unterschrift hinter 51, 30 findet, der übrigens aber auch Avohl schon dem Syrer vorlag. Aber auch 'K17 war nur ein Fehler füi- xi'D, übrigens war die Verfasserangabe des zweiten Buches Aerstümmelt. In Wahrheit waren die zwei verschiedenen Bücher des Ben Sira und des Ben 'Irai nur zwei verschiedene Auszüge aus Ben Sira. So begreift sich auch die falsche Reihenfolge, in der Saadia die sieben echten Sprüche des ersten Buches aufzählt, sowie der Umstand, dass er dabei 6, 6 von 6, 7. 8 trennt. Vielleicht kannte er sogar diese beiden Auszüge nur von Hörensagen, für seine Autopsie kann man sich höchstens darauf berufen, dass er sagt, jene beiden Autoren und die anderen neben ihnen genannten hätten ihre Bücher in Paraschen und Versen geschrieben (151, 12: np"'DSiDT rh)):z ^c . . . nsn« 2Kn3 f]*?«, 151, 15 np'Dsici nöKönjK ^z). Es bleibt auch ungewiss, wie weit ein eigentlicher Sirachtext den älteren rabbinischen und talmudischen Zeugen vorlag, da schon J. Sanhedrin 10, 1 fol. 28 a im Munde des R. Akiba von Büchern (ncD) des B. Sira in der Mehrheit die Rede ist.^)

Hierzu stimmt es nun, dass, abgesehen von dem flon- legistischen Codex C, dessen Herkunft dunkel ist, der Text der übrigen Kairiner Handschriften, bezw. sie selbst, aus keinem der beiden Zentren des Judentums in Babylonien und Palästina, sondern aus der Peripherie, nämlich aus Persien, zu stammen scheinen.

§ 5. Die hebräischen Handschriften.

Die Handschriften A.und B, die sich in so auffälliger Weise gegenseitig ergänzen, repräsentieren bei aller Verschiedenheit im Grunde dieselbe Textüberlieferung, die auf Addition verschiedener

1) Ebenso Koheleth R. VII fol. 102 c. Zur Not anders erklären lässt sich vielleicht der Ausdruck Tosephta Jadaim II 13: Dneon h2\ ktd p nsD ]HOK linsjc. Ob Hieronymus linter dem Titel Parabolae ( = D'Stro) einen vollständigen Sirachtext gesehen hat, ist ebenfalls zweifelhaft. Er selbst war schwerlich im Stande, den Text zu lesen.

§ 5. Die hebräischen Handschriften. LVII

Rezensionen beruht. In B finden sich viele Stichen unrl Di- stichen in doppelter oder gar dreifacher Gestalt i). Aber nur bei 35, 1. 32, 26 hat der persische Glossator die Wiederholung am Rande notiert, offenbar deshalb, weil diese Dubletten in der von ihm verglichenen Handschrift (=: + D) fehlten. Dagegen werden alle übrigen auch in ihr gestanden haben. Man muss so schliessen wegen der Sorgfalt, mit der der Glossator die geringste ortho- graphische Abweichung anmerkt. Diese Addition von 2 oder 3 Textgestalten liegt aber auch in der doppelten Unterschrift des B vor, und diese Dublette fand schon der syrische Uebersetzer in seiner Vorlage. Man vergleiche:

:xi^D p iiySs p 'm' p ]v;i2^ n^rn Dazu Syr. :

v (u "]Td) Ki^DN' 12 «npnöT pyati' 12 jJiii^^T Mwjnö ü2^^h «oiy

Auch in A finden sich Dubletten von Distichen, Stichen und halben Stichen;^) dem entspricht aber die doppelte Ueber- schrift, die der syrische Polyglottentext dem Buche gibt. Für das gewöhnliche STD121 snarn hat er nämlich:

.si^DS 121 nnf22n X2n2 «in xipnai .si^ds pv^ti^ 12 piiJ^n «2n:

') In doppelter Gestalt: 80, 12ab. 17. 34,4. 15a. 16a. 2Üab. 21. 22ab. 26. 27cd. 36,4a. 5. 6. 10. IIa. 14b. 15b. 16. 21. 22. 23. 32,26. 36,23. 39, 20. 40, 19; in dreifacher: 34, 10 ab. 13 bc. 36, 14a. Bemerkenswert ist, dass hinter 40, 19 Varianten von ganzen Versen oder Stichen nicht mehr vor- kommen. Vgl. höchstens 46, 20, aber schon 40, 19 liegt die Sache vielleicht anders.

2) So lautet die Unterschrift in den Codd. Pococke und Ussher (vgl. Lagardes Ausgabe und den 6. Band der Londoner Polyglotte). Der nitrische Codex des Britischen Museums hat die erste Unterschrift gleichlautend, ebenso Cod. Berol. Sachau 70 (nur si^c). P'ür die zweite Unterschrift hat letzterer: «»:in "13 «2D pyoB'T «in m^ yi»» «in •:• ntd nan «n?3Dn no'?»*

•:• T^i (vgl. Sir. 50, 1) Dagegen hat der nitrische Codex für die zweite Unterschrift nur:

•:• Ki»m2T Nno3n ananS ühv Anders der Polyglottentext und Cod. Ambros.

«) Man vergleiche: 4,19a. 5,1a. 2b. 6ab. 8,1. 11, 6b/S. 27b. 28. 29b. 30a. 31b. 34. 12,15. 13,17b. 14,10.11a. 14,14b. 16b. 15, 15b. 20b. 16,3 b. 3d.

LVIII Kap. IL Der hebräische Text.

Hiernach ist zu vermuten, dass die Dubletten von A und B schon in der Vorlage des Syrers standen, und das lässt sich in der Tat beweisen. Allerdings hat der Syrer die Dubletten fast immer nur in Einer Gestalt wiedergegeben, weil er überall den Hebräer mit dem Griechen verglichen hat und dabei die Duplizität bemerkte. Er zieht dabei vor, was ihm besser zusagt (vgl. 11, 28. 14, 14b. 16b. '6b, 5. 6); übrigens übersetzte er meistens, was im Hebr. an zweiter Stelle steht. Aber in manchen Fällen hat er aus zwei Varianten eine dritte Lesart kombiniert. 11, 6 hat Hebr. zu tsa )hp2 (= Gr.) die Dublette nn' "iSctrm, das beides kombiniert Syr. zu snnrK n7i:2;i<i. Zwischen 5, 1 und 5, 2 hat Hebr. ein Plus von 2 Stichen, die Varianten [zu v. 1 a und zu V. 2 b sind. Syr. gleicht aus, indem er an Stelle von v. 2 die Variante von v. la und sodann v. 2 b nach dem griechischen Text setzt. 8, 1 hat Hebr. hinter a (= Gr.) eine Variante zu b, und vor b {= Gr.) eine Variante zu a. Syr. übersetzt den dritten und vierten Stichus des Hebr., d. h. a nach jüngerer, b nach älterer Rezension. 12, 15 schickt Hebr. eine jüngere Du- blette des Distichons voraus, Syr. gibt den ersten Stichus der Dublette wieder und den Anfang des zweiten, an den er aber den Schluss des echten Distichons, d. h. des vierten Stichus des Hebr., fügt. Aehnlich verfährt er 14, 10. 30, 12 1). Aber 11, 29b. 30a. 15, 20b. 34, 13 c. 40. 19 hat er die Dubletten nicht bemerkt und sie ohne weiteres übersetzt, und 39, 20 gibt er b mit der zugehörigen Dublette wieder, übergeht aber a und seinen Doppelgänger.

Somit ist die Addition verschiedener Textrezensionen, die in A und B vorliegt, älter als der Syrer, und die Verwandtsrhaft zwischen A und B geht in frühe Zeiten hinauf. Ueberhaupt scheint der Text, den wir in A und B besitzen, im Wesentlichen älter als der Syrer zu sein und in den dazwischen liegenden 600 900 Jahren keine allzugrossen Veränderungen erlitten zu

') Vgl. übrisrens auch den Sj'rer zu 30, 20, an welcher Stelle schon zur Zeit der zweiten griechischen Uebersetzung 20, 4 eingetragen war. Für seine Methode ist noch folgender Fall charakteristisch. Wie Hebr. las er 4, 4 b hinter 4, 2a, wo er den Stichus übersetzt. Um dann aber den An- schluss an Gr. wiederzugewinnen, zieht er v. 2b. 3a des Hebr. in einen Stichus zusammen. Nämlich a'san 'iy ^ipi ^^ »yo i^önn hn (= Gr.) gibt er wieder mit 3«on »h «33DO kb'jkt ^niyi2.

§ 5. Die hebräischen Handschriften. LIX

haben. Den stark entstellten und verstümmelten Text, den B für 51, 13—30 bietet, gibt Syr. fast genau so wieder. Die Ent- artung des Textes fällt also hier Avie anderswo zumeist in frühe Zeiten, zu einem guten Teil ist sie auch älter als der Grieche. Dass der Text nicht lange nach der Entstehung der syrischen Uebersetzung zum Stillstand kam, erklärt sich daraus, dass das Buch immer weniger gelesen wurde und an den Centren der jüdischen Gelehrsamkeit, in Babvlonien und Palästina, überhaupt unterging. Damit war der spontanen Entartung des Textes, aber auch der Vermischung der verschiedenen Rezensionen ein Ziel gesetzt. Auch deshalb muss es aber für wahrscheinlich gelten, dass der Text des A, so gut wie der des B und D aus Persien stammt. Nur der florilegistische Text des C kann eine andere Heimat haben.

Die zahlreichen Randlesarten des B, mit denen D, soweit er reicht, sich im Wesentlichen deckt, sind bald jünger bald älter als die Lesarten des Textes. Zuweilen deckt sich die Textlesart mit dem Griechen und die Randlesart mit dem Syrer (vgl. 37,7 a. 41, 2 d. 44, 23 b), aber auch das Umgekehrte kommt vor (vgl. 37, 11h. 38, la. 40,15 b). Die Distichen 30, 19 a-d.

37, 5. 23. 43, 16. 44, 15 sind überhaupt nur am Rande erhalten. Aber meistens sind die Randlesarten des B doch schlechter als der Text. Auch A ist im Ganzen stärker entstellt, namentlich ist er mehr nach jüngeren Lesarten korrigiert, als B. Deslialb geht A im Allgemeinen mehr mit dem Syrer, B mehr mit dem Griechen. Dagegen ist C in den wenigen Versen, in denen er dem B und D parallel geht, diesen beiden gleichwertig, wo er dem A parallel geht, ist er entschieden besser, wenn auch keines- wegs fehlerfrei. So ist er 5, 11 nach einem glossierten Text korrigiert, der schon dem zweiten griechischen Uebersetzer vorlag. Ich verweise für das alles auf den Apparat meiner Ausgabe.

Allein in B ist stichische Schreibung des Textes erhalten. Ihre Ursprünglichkeit erhellt daraus, das im Gr. niemals der Schluss eines Verses, oder auch nur eines Stichus, mit dem An- fang des folgenden verquickt ist, wohl aber im Syrer (z. B.

38, 18 f.). Ferner sind im Hebräer und Syrer (vgl. namentlich 51, 13ft'.) fast überall nur ganze Stichen ausgefallen oder ver- setzt; ebenso steht es aber schon mit dem Griechen.

LX Kap. II. Der hebräische Text.

Alt sind die in A bei 4, 11. 13, 2 und in B bei 34, 12. 38,

I. 24. 41, 14. 42, 9. 15. 44, 1. 50, 13 durch Lücken angezeigten Ab- schnitte, zu denen die e (= «p^pQ oder p:iD5j 33, 1. 30, 23. 38, 13. 51, 12 zu vergleichen sind. Cod. 307 hat bei 33, 1 ^.p/Yj Xo^ou. Alt sind aber auch die Ueberschriften, die B an drei Stellen in der frei gelassenen Zeile hat. So 34, 12 nn'' p''! cnS "iDlö (Cod. 254 -£(>1 ßpwixa'Tfov, vgl. zu 30, 14. 16. 18), 41, 14 r.K'n "Oü, 44, 1 üh)V riUN* n2'^ (vgl. Gr. ira-sfxuv 0'tj.vo^). Ferner hat 18, 30 Gr. e.y/.[jd~zi>y. '^'j/tjc; und Syr. a\i^zn wcSr, was beides = i^c: "!Clo sein wird. Ebenso lässt 23, 7 iratosia aTotxot-o^ auf nc IDIO schliessen, und 24, 1 aiWatc: aocpia? auf r\f22n nnti'').

In A ist eine Variante zu 8, 2 {)h für s'?) am Rande als p = ''np bezeichnet, und oft haben die Abschreiber nach Gut- dünken Rand Lesarten in den Text aufgeuommen. Zuweilen stehen Korrektur und Korrigendum im Text neben einander, so z. B.

II, 6 iND ihpi und nn^ ihz^'n, 51, 2 cj? nmo und ]wh nm -o'tf'.t:. Aber anderswo sind auch in Folge von Verwechslung der Zeichen, die im Text auf Randlesarten hinwiesen, Randlesarten an falscher Stelle in den Text geraten. So ist 16, 7 üh)y in b Variante zu mp in a. Anderswo ist dabei zugleich ein anderes Wort aus dem Text verdrängt. So steht 5, 9 in A ein "["n, das Variante zu rh)^^ war, an Stelle von h^h, 7, 20 in A ein nasz, das Va- riante zu ras war, an Stelle eines 12]}. In diesen beiden Fällen hat C das Ursprüngliche erhalten. Aber auch 42, 14 steht ein 21Ü0, das Variante zu n'^tio war, an Stelle eines riJS.

Früh ist der Text mit Paralielstellen glossiert, und Un- verstand hat die Parallelen in den Text eingetragen. Jer. 5, 27 erscheint wie in A so auch schon im babylonischen Talmud Jeb. 63b Sanh. 100b in Verbindung mit 11,30'); ebenso 14,16b

') Vgl. ferner 19, 20 Syr. das merkwürdige «nvain «So, 20, 27 Xö/ot TtapaßoX&v (dasselbe 19, 29 in Cod. 70 und Sah.) und Syr. «noam wSa (vgl. Syr. zu 18, 30), beim Griechen noch 2, 1 mpi bnoßoyr^q, 29, 1 -Ktpi ddvoug, 29, 8 nepl iXBfjfioauvrfq^ 30, 1 nepl rexvcov, 30, 14 (vgl. v. 16) Ttepl öyieiag, 34, 17 itepl iyxpareias, 35, 1 Tiepl ijyoufxivwv, 30, 33 nepi doüXtov, 31, 1 Ttepl ivt)mitu}v, 37, 16 nepl laTpwv, öl, 1 Ttpoffeu^ ' Iijaou uioü Zetpd^. Einzelne dieser Ueberschriften werden freilich späten Ursprungs sein wie z. B. 1, 21 7t£pi äcpoßiai-

2) Ebenso steht in der LXX Sir. 3, 18 bei Prv. 16, 1, Sir. 4, 21 in Prv. 26, 11.

§ 6. Die hebräischen Handschrifteo. LXI

schon B. 'Eriibin 54a iu Verbindung mit 14, 12a. Die in B und im Syrer vorliegende Uebertragung von 20, 4 nach 30, 20 ist älter als die zweite griechische Uebersetzung. Ferner ist in A 2, 18 d hinter 6, 17 eingetragen; 8,14 vor 4, 28; 5, 14 ab vor 4, 29; 27, 5. 6 hinter 6. 22; 23, 16 f hinter 12, 14. Durch diese Eintragungen sind mehrmals echte Stücke aus dem Text ver- drängt, so 6, 17 a und 6,23.24. Aehnlich hat 7, 9 vor 7,15 weichen müssen.

Alle Handschriften haben sehr viele Schreibfehler. Häufig sind ähnliche Buchstaben, namentlich ) und "•, aber auch weniger ähnliche verwechselt. Vielfach sind Buchstaben umgestellt, wie z. B. cny für D^yn 41, 5, npn für pi2 43, 13. Viele Wörter sind heillos verderbt. Manchmal sind sie nach einem entsprechenden Wort im parallelen Stich us (34, 3) oder im benachbarten Verse (9,2.40,6 c) verschrieben. Oefter sind auch Wörter umgestellt, wie 10, 16 vpVp r^^' ^^ ^^^' r^^ ^7T "^'^j ebenso 7, 25 ii: pn:. Gelegentlich erscheinen auch die Stichen in falscher Reihenfolge wie 38, 26.

Die Varianten steigern in vielen Fällen die Verlegenheit. Zuweilen sind es Aramaismen, die dem Schreiber unwillkürlicli unterliefen, wie 5, 13 nn statt ri, 30, 18 mo statt nc, 13, 17. 37, 13 "]D für p. Anderswo soll ein aramäisches oder neuhebräisches Wort zur Erklärung für ein althebräisches dienen wie 40, 18. 41, 12. 14 na'D für n::is, 42, 8 nmo für idiö. Ebenso steht aber 20, 4 das hebräische h'2 als schlechte Erklärung neben dem aramäischen QDü. Zuweilen wird ein gewöhnlicher Ausdruck für den seltenern gesetzt. Unverstand verlas 9,9 S^i:s isn in Sif« jsn; das wurde in DJ? an geändert, w^oraus DX?an entstand. Gelegentlich will die Variante aber auch den Ausdruck verfeinern, wie 41, 17 mc für nw (Gr. 7ropv3ia), 44, 19 ^DH für mo (Gr. [xöijj-o?). Anderswo kommt die Variante auf Albernheit hinaus, wie KllS für nvh 39, 27. Häufig finden sich ganz widersinnige Aenderungen nach Bibel- stellen wie 10, 13 «rT j;i inS xSo für «^Scn, 34, 29 njyS k'ni, 35, 3 nsS j?Ji:m für hiu^ j?jj:m, 33, 12 3Sii3 'mQ für rw 'o, 45, 7 moyinn Dsn für iNin td.

Die Verwilderung des Textes ist aus dem alfabetischeu Gedicht 51, 13—30 deutlich, wo nur 13 (15) alfabetische Vers- anfänge, und davon nur 10 (12) an ihrer Stelle, erhalten sind.

LXII Kap. in. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

Das erklärt sich liier allerdings zum Teil gewiss daraus, dass der Schluss des Buches, wie die Vergleichuug des Syrers zeigt, friili gelitten hatte, und man den vorliegenden Text aus Fetzen zusammengelesen hat. Aber hochgradige Entartung zeigt sich auch in den Varianten von ganzen Stichen und Versen, wie sie sich in 30,11 36,3 auf Schritt und Tritt linden (vgl. dort bes. 34, 13. 35, 14). Dazu kommen manche Erweiterungen. Un- schuldiger Art sind die in 13, 2. 17. Aber 34, 5. 6 sind in voll- ständigen Varianten pietistisch umgedichtet. Aelmliclie Kor- rekturen finden sich 14, 14. 16. Eine sonderbare Vervielfältigung des Textes liegt 11, 30 vor. Hier wurde yh22 (im Korbe) in n^DD verlesen, daraus erwuchs ein Stichus, der den bösen Gast mit einem Hunde vergleicht, anderseits schlössen sich an yh22 zwei Stichen, die von einem Bären {2)12) und von einem Wolf (3S73) reden. Oft werden solche Umdichtungen das Urspmngliche verdrängt haben.

Aber in vielen Fällen besitzen wir neben der jüngeren Variante auch einen älteren Wortlaut, der durch den Griechen gedeckt wird. Ueberhaupt aber dienen die Uebersetzungen, und namentlich der Grieche, nicht nur zur Verbesserung des Hebräers, im Grossen und Ganzen bezeugen sie seine Güte oder wenigstens sein Alter in höherem Grade, als man bei so vielen und so starken Verderbnissen erwarten sollte. Umgekelirt finden der Syrer und der Grieche für zwei Drittel des Buches ilu'e Er- klärung durch den Hebräer, der damit zugleich für die Erklärung des übrigen Drittels die wertvollsten Parallelen bietet.

Kap. III. Die griechische Uebersetzung- des Enkels.

§ 6. Seine Uebersetzungsweise.

Für die Emendation des hebräischen Textes kommen in erster Linie die griechische Uebersetzung des Enkels und die syrische in Betracht, aber diese beiden Zeugen können nur auf Grund umständlicher Untersuchungen verwertet werden. Denn zunächst liegen bei ihnen selbst, sowohl bezüglich ihrer Text- überlieferung als auch bezüglich ihrer Uebersetzungsweise, die

§ 6. Seine Uebersetzungsweise, LXIII

schwierigsten Probleme vor. Von dem jüngeren der beiden Zeugen, dem Syrer, der im besten Fall von weit geringerem Wert wäre als der Grieche, gilt namentlich das letztere, von der Uebersetzung des Enkels dagegen beides.

Der Enkel entschuldigt die von ihm empfundene UnvoU- kommenheit seiner Uebersetzung damit, dass keine Uebersetzung dem Original völlig entspreche, und auch die des Pentateuch, der Propheten und der Hagiographen stark vom Urtext abweiche. Ohne Zweifel w'ar er imstande, die im Ganzen sehr sorgfältig gearbeitete LXX zum Pentateuch und zu den historischen Büchern mit dem hebräischen Text zu vergleichen; öfter hat sie ihm als Wörterbuch gedient.^) Wahrscheinlich hat er in Aegypten selbst den Pentateuch nach der LXX gelehrt. Seine Entschuldigung kann daher, sofern er sich auch auf die Uebersetzer des Penta- teuch und der historischen Bücher beruft, als eine Dreistigkeit erscheinen. Indessen sieht er die Aufgabe einer Uebersetzung nicht in der wörtlichen Wiedergabe des Originals, sondern viel- mehr in gutgriechischeni Ausdruck, der für poetische Texte in der Tat besonders erforderlich war, und im Allgemeinen entfernt er sich dabei vom Original kaum weiter als die Uebersetzer der Proverbieu und des Hiob. Oft genug kommt er aber auch über wörtliche Unbeholfenheit nicht hinaus.

Er reflektierte übrigens wohl nicht nur auf jüdische Leser, sondern nebenher wenigstens auch auf die Heiden, die, wie er in der Vorrede sagt, Israel das Lob der Weisheit und Bildung

') Vertraut ist er namentlich mit dem griechischen Pentateuch, 20,29 stimmt dibpa änOTUipXoi dipßaXßOuq ao(pwv wörtlich mit LXX I)t. 16, 19, ebenso 24, 23 vößov (al. voßog) dv ivereüaro ^filv MtnooTJ?, xXrjpovoficav ffuvaj'wya'cg 'laxwß mit LXX Dt. 33, 4. Merkwürdig ist 44, 16 npS:i cy i'rnnn -|ian nach LXX Gen. 5, 22. 24 übersetzt ' Eiiaj;( eÖTjpiffvyjas xupiw xal pBreridy). Die Ingredienzien des heiligen Salböls und des heiligen Räucherpulvers werden 24, 15 nach LXX Ex. 30, 23 f. 34 benannt. 49, 1 steht nach LXX Ex. 35,28. 38, 25 elg auvßemv ßußidßaroq für n^QD niüp3, ebenso 43, 1 dSoq nach LXX Ex. 24, 10 für DVJ?. Vgl. ferner 45, 10 f. zu notxdT^g = 2pn und zu xexiujapevos = 'JtS' LXX Ex. 28, 15, ebenda zu Xoyeiov xpiaew? t:BB'0 JtJTl LXX Ex. 28, 23 ff. Vgl. auch zu 36, 29. 44, 17. 19. 21. 45, 12. Er kennt aber auch die LXX zu den Propheten. Vgl. 46, 16 äpvhq yaXaßjjvoü =■ ihn nSu wie 1 Sam. 7, 9, ferner 48, 10 xapdiav narpog npos ulöv = ni3N y? n'i2 hv wie Mal. 3, 24, sowie 49, 7 in seinem Anklang an Jer. 1, 10. Dagegen ist eine Benutzung der griechischen Hagiographen kaum nachweisbar.

LXIV ^^P- m- Diß griechische Uebersetzung des Enkels.

schulden. In frecher Fälschung lässt er die frommen Väter Israels und die jüdischen Schriftgelehrten von den Heiden ge- priesen werden (39, 10. 44, 15). Nach Kräften hat er sich um die Kenntnis der griechischen Sprache bemüht und vermutlich auch manclierlei profangriechische Literatur gelesen, um seinem jüdischen Weisheitsvortrag den nötigen weltförmigen Putz zu geben. Denn die jüdische Weisheit als der griechischen eben- bürtig zu vertreten war in Aegypten der Hauptzweck seines Unterrichts. Er gebraucht mehr als 200 griechische Wörter, die in der LXX und den Apokryphen des A. T. nicht vorkommen. Namentlich verwendet er die mit Präpositionen zusammengesetzten Verba statt der einfachen, er liebt auch die Kompositionen mit c5. Die Eitelkeit lässt ihn in gesuchtem Ausdruck für San zr^rA (37, 3. 39, 22), für rhu^ dr.tiÄar.aaio: (41, 1) setzen. Vgl. auch suxotip-'a a/olr^t; für no3n (38, 24). Dabei verfällt er auf geschraubte Kon- struktionen, die z. T. schwerlich griechisch sind. So setzt er für nSitJ^ai m^)^ ÜT2 £v xaipio u-öpr^cpaviojv dßorjiJr^aia? (51, 10), für 'rriKö irfjti^nz h 7i£piaxf>ocpf| vaou (was heissen soll: als er aus dem Tempel zurückkehrte), und für rfsa ins2:n £v s^oom otxou (50, 5), für iTwh mhz ly xal auvxiXsiay XsixoupYoiv (50, 14). Sonderbar ist auch sein Gebrauch der Präposition iv. Auch profangriechisch kann ein Nomen mit h an Stelle des Objektsakkusativs stehen (s. z. 44,23 c). Er gebraucht h aber aucli, wo im Hebräischen ein Prädikatsnominativ stand (s. z. 21, 6). Sodann setzt er iv in allerlei Fällen für h (s. z. 5, 9), namentlich auch da, wo h den Sinn des eigentlichen Dativs hat (s. z. 10, 18). Vgl. Blass § 41, 1. 2. Die felilerfreie Sprache des Prologs lässt dagegen vermuten, dass er ilm nicht selbständig, sondern mit fremder Hülfe zustande gebracht hat.

In der Uebersetzung wechselt er gern in der Wiedergabe desselben Wortes ab. So sagt er 14, 19 für )2py mpi ar^Trojxsyov ExXstTTsi, 16, 19 für wyT ^yi xpojxu) aoaaziovmu Er gibt 1)22 3, 11 mit 00Q7. und xiixr^ wieder, 5, 14. 6, 1 wn^ '^yi mit «i/tOupo? und öi-yXcuaao;, 11,25. 27 nzt^ mit dij-vr^cia, ou [LYr^abr^'3^-a.l und i-ikr^a^iovr^v TTOisi, 13, 21. 22 tolOi mit aaXsusaöai, rt-xstv und acpdXXsa&ai, 41, 10 imn Ss irrira mit dizo xa-dpa? st? dTrwXEtav. Diese rhetorische Manier kommt auch in der Wiedergabe der Gottesnamen zum Ausdruck. Seinem x'jpto; entspricht ausser mn'' auch und cmS«,

§ 6. Seine Uebefaetzungsweise. LXV

aber auch ]Thv und ^if'iip (39, 35) und sogar ntrij? (46, 13), seinem u'^/isTo? '^-'hv, aber auch mn'' und meistens sogar hii, das er übrigens auch mit wrh-r^: (46, 6), x-jpioc ouvaarz-p (46, 16) und «710? (43, 10. 47, 8) wiedergibt. Für ]vhv sagt er xupio? u-iia-o? (47, 5), 6 txs-j'ac x'jpio? (46, 5), oTyio^ u'i/iato? (47, 8), u'^isto? ouvacr-oj? (46, 5), für irSj? G''}i3Toc -avTCixoct-iop (50, 14); vgl. auch u'I/isto^ TraiipasiXitS; (50, 15). Oefter setzt er zur Verdeutlichung ein Wort hinzu. So sagt er zur Vervollständigung des Satzes 41, 9 st; xaxotpav Ysyy/jör^cjsaös und £tc •/.rj-drjrjy [xspiaör^ascröi für nmsS und rhhph, 40, 19 erklärend oixooo[xrj -oXstuc für n'>?, 44, 18 i^cx/vsrf ö-ifj xata- xXucffxw für n"'ntiM, 8, 12 wc a-oXwAsxoj; "j'i'voo für nax^r, und sofort darauf v. 13 o>c a-oTtaojv 'fpov^Cs für cSit'a:. In falscher Er- leichterung hat er 47, 4 iv X-^Öto a^svoov/p für ySp hy, 32, 18 oaxpua "/r,p7.; für nytii; überflüssig ergänzt er 43, 19 i-\ -,'Tj? und 44, 17 r?j 7-^. Schönredend sagt er 49, 6 IxXsxTYiv -oaiv für rfy, mehrmals setzt er ebenso \ii'(ci-: (41, 12. 44, 19. 50, 1) und oo^a (45, 2. 47, 11. 49, 8. 50, 7) hinzu.

Oefter gibt er ein Concretum durch ein Abstractum wieder und umgekehrt, wie 19, 2 auvstou; für zh, 13, 13 -Twcri; für ^^:ü Dan. Eine Genitiv- Verbindung kehrt er manchmal um: 9, 12 sv suoota rht'-iöiv für n''h'j^ pin, 9, 17 iv /sipi t=/vitwv für CT ''a:n3, 39, 30 i)-/jf>i(juv ooovTsc für y^ jT". Dabei löst er sie auch wohl auf: 42, 9 a-oxp-j'^oc d-ryjü^Ay. für ipu^ matsc, 41, 13 aYotDr,? ^(or^? für 0"*^ n2ri3. Er knüpft sie aber auch gegen das Original: 41, 3 xpt'jxa dava-ou für ypn moö; vgl. auch 46, 1 für nh'n: nywn liSY«? £7:1 atur/jpta, 13, 26 für 2''^ ih xapoi'ot sv dYaOoTc, 3, 11 für lax nSpa }irjT-/ip £v aoocCa.

Häufig versetzt er ein Wort aus einem Sticlius in den anderen, oder gar aus einem Distichon in das andere. So z. B. 11, 12. 13. 13, 16. 17. Meistens vertauscht er dann aber zwei Ausdrücke. 47, 12 hat er 'jTi^o ]2 vnnx laj? m;5?;i umgestellt in [isxa ToÖTov dviaxT^ uio? s-Kia-rjfitov /.cd 01' autov xtX. Vgl. dazu 38,29. 44,22. 23 de. 45,6.

Sehr oft deutet er hebräische 'Ausdrücke mehi' oder weniger glücklich aus. So sagt er 11, 12 sx TaTtEivcusswc auto-j für izyti njny, 14, 26 -ixva ctuTou für i:p, 39, 22 xatotxXustxo? für nrü, 40, 10 dasselbe für nhz, 38, 21 vom Toten szotvoooc für mpn, 46, 19 /pr^jjia-a für >22, 47, 23 ooh; aaccpTia? für ':i?^:o. Anderswo beseitigt

Smcnd, Sirach-Kommentar. ^

LXVI ^ap. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

er hebräische Tropen. Er setzt 30,13 IpYascdiy «uko für l*:}; I3:n, 37, 30 scJTCti voao? für '''jin pp"*, 47, 1 irpocpr^xsusiv iv vjfxepai? Aauto für r)i '2^h zi'^nn'?, 47, 22 oia^Oafifi für nj:nx ^"'c\ Für crh inti^^i an'? nao sagt er 48, 2 ö? e-r^YotYev i-' auTol»? Xi^ov, für 'ry im: nj? IDSti^a 46, 19 Trpo xatpou xoifxr^aeoj; «»ovo?. Er erklärt 48, 21 DttrTI nc:ö3 nach der biblischen Erzählung durch xal Icltpul^sv auxou? 6 «YYsXo? au-ou. Verschroben gibt er T' ?]''y (^ er zeigt einen Weg) 37, 7 mit i^at'pst [iouXr^v wieder.

Er ist aber auch auf Verschönerung des Originals bedacht. Aus dem brennenden Ofen (niin), mit dem das Original das Wort Elias 48, 1 vergleiclit, macht er eine brennende Fackel (XaaTrac) ; aus der Weite {n'np) des Meeres 43, 24 seine Gefährlichkeit (/''vouvoc); aus Weidenruten {hm ^my) 50, 12 nach sprachlich aller- dings möglicher Deutung Palmensprösslinge {a~zkiyrj cpotvixojv). Für ma sagt er 46, 20 u-vco^ai, für blosses no 48, 11 oi sv rh^a.- Trr^asi (1. avaTcauasi) x£xot[j//jjjivoi.

Uebrigens geht er allem aus dem Wege, was der Ehre und Würde Gottes abträglich sein kömite. So beseitigt er zu- weilen den Zorn Gottes; 45,19 gibt er rp^n"'! mitxaloux suoox-zjasv wieder, 46, 7 mya p"in 3''U^nS mit xtuXuaat Xaöv dirö a|i.ap-tac. Aehnlich sagt er von Gott 45, 19 xa-^vaXoiaat für aS:x"'l und lässt er 45, 23 den Pinehas sv ©oßco xüpiou statt S:n m'^s'? eifern. Im Urtext sclimäht 48, 18 der Kabsake Gott [hü f]i:'l), er setzt mildernd l[xs77.Xa'j/-/;c>sv. Ebenso setzt er 33, 10 n^V^ na "f? ■:12s"' ""O ''D um in xal £xoi-/iYy537'3&ojaav aoi xoc fxSYaXeTa aou. Für Israel schämt er sich der Amulete und setzt 36, 3 dafür das hohepriesterliche Orakel (ipioT-zj^xa otjXwv für ncaa). Er schämt sich auch der Härte, die 42, lief gegen die Tocliter empfohlen wird, und lässt deshalb das Distichon aus. Dass er die Väter Israels und die Schriftgelehrten von den Heiden statt von der Gemeinde gelobt werden lässt (39, 10. 44, 15), wurde schon bemerkt. Interessant ist aber namentlich, dass er aus Hass gegen die alte hohe- priesterliche Familie 45, 25 f. 50, 22 ff. teils verstümmelt teils abwandelt. Deshalb hat er auch die Litanei unterdrückt, die im Hebräer hinter 51, 12 erhalten ist (vgl. auch zu 50, 1)^). Sie

1) Es ist freilich denkbar, dass einzelne dieser Auslassungen und Ver- stümmelungen sich schon in seiner Vorlage fanden.

§ 6. Seine Üebersetzungsweise. LXVIt

hätte aber auch formell den Griechen kaum gefallen. Merk- würdig setzt ei' 7; 17 für nai ^mü mpn "^d oti £xo''x-/jfTi? aasßou? -orj xal a/Mlrfi. Er lioffte offenbar für die Frommen auf ein Leben nach dem Tode, das der GrossAater ablehnt (vgl. auch zu 48, 11).

Schliesslicli kann mau ihn aber auch von reiner Willkür nicht freispi-echen. So übersetzt er 43, 26 pi:i Svq"' vanm mit y.ai £v Xo-j-w atj-o-j a'j-f/sixai 7:av-7.. Gelegentlich scheut er sich auch nicht, vier Stichen in zwei zusaramenzuziehu (46, 13), oder der Deutliclikeit halber einen Stichus zuzusetzen und dafür einen andern fortzulassen (50, 27). Natürlich hat er ein gewisses Ge- fühl für das Gleichmass der Stichen. Uebergeht er ein Wort oder versetzt er es iu einen anderen Stichus, so schaltet er öfter ein Wort dafür ein, um das Gleichgewicht wiederherzustellen, so z. B. 49, 1 -otv-t', 49, 4 7:X-/;;j.|xsX£iav. 40, 1 a setzt er den ak- tivischen Ausdruck ins Passivum um und übergeht hü, weil er Gott nicht den Urheber des Unglücks nennen mag, er fügt dafür hinzu -otv-l dvilfitomo nach ms* '33 Sy in b, das er dort noch einmal übei'setzt.

Seine Sprachkenntnis erscheint dagegen öfter als mangel- haft. So übersetzt er 46, 3 ZTn'' Tizh sin ''a sonderbar r(; TipoTEpov auTorj ouToj? Isf/j ; Ueberhaupt beweisen viele und grobe Miss- verständnisse (vgl. z. B. 12, 9. 47, 18), dass er für den Sinn der einzelnen Stellen keine zuverlässige Tradition besass. Auch stand ihm das Autographon des Grossvaters nicht zu Gebote (vgl. unten § 14).

§ 7. Der griechische Vulgärtext.

Um den griechischen Sirach-Text hat man sich schon im

ersten Jahrhundert nach der Reformation mehrfach bemüht. Die

grosse Verschiedenheit desComplutensischen Textes (= + Cod. 248

Holmes-Parsons), der mit der Vulgata vielfach übereinstimmte,

von der Aldina (= Cod. 68) und der Sixtina (= Cod. B) lag

am Tage, nicht zum wenigsten in dem Plus von etwa 120 Stichen,

mit dem ausser vielen kleineren Zusätzen der Complutensische

Text die beiden anderen Ausgaben überbot. Im allgemeinen

begnügte man sich freilich damit, den Sixtinischen Text um das

Y*

LXVIII K^p. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

Plus des (Jomplutensischen zu vermehren und die Abweichungen des letzteren in Anmerkungen anzuführen. Viel mehr hat auch David Höschel nicht geleistet, der den Augsburger (= 70 Holmes- Parsons) Codex und nach Johannes Drusius' Vorgang auch den Heidelberger (= 296 Holmes-Parsons) zur Vergleichung heran- zog.') Kritisch erörtert sind die zahlreichen Varianten zuerst von Drusius-), vielfach mit tretendem Urteil, üeberboten wurde er erst von Johann Ernst Grabe, der in seiner Ausgabe des griechischen Alten Testaments den Codex Alexandrinus zu Grunde legte, ihn aber nach den anderen Texten vermehrte und hin und wieder emendierte.^) Später hat K. G. Bretschneider in durch- greifender Kritik vielfach die besseren Lesarten herausgefunden, sich zugleich freilich in unbesonnene Skepsis verloren.^)

Reicheren kritischen Stott' bot der im J. 1827 erschienene V. Band der Holmes-Parsons'schen Ausgabe der LXX, den 0. F. Fritzsche nebst dem unterdessen bekannt gewordenen Codex Sinaiticus benutzte^). Ohne Zweifel ist Fritzsche's Text in manchen Einzelheiten den früheren Ausgaben überlegen. Aber es fehlte ihm an Einsicht in den Ursprung der Complutensischen Rezension, die er wesentlich für ein Produkt gelehrter Willkür ansah. Deshalb steht er im Urteil oft hinter Bretschneider und Grabe, ja sogar hinter Drusius zurück. Des Syrischen unkundig, verkannte er auch völlig den Wert des Syrers, den er in einem damals kaum noch entschuldbaren Irrtum für eine Afterüber- setzung nach dem Griechen hielt. Ueberdies hat er die damals bekannten griechischen Varianten unvollständig verwertet.*^)

') Sapientia Sirachi sive Ecclesiastieus, coUatis lectionibus varr. mem- branarum et XIV praeterea exemplarium, Augustae Vind. 1604. Die Aus- gabe Höschels ist abgedruckt im o. Bande der Frankfurter und im 5. der Amsterdamer Ausgabe der Critici sacri. Benutzt ist sie von Fritzsche.

2) ZO^PIA ZEIPAX sive Ecclesiastieus, Graece ad exemplar Roman um et Latine ex interpretatione J. Drusii, Franekerae 1596.

ä) TiaXaiä dia^rjxi) xazä Toog ' Eßdoß-fjxovra, Tom. IV, Oxonii 1709.

*) K. G. Bretschneider, Liber Jesu Siracidae Graece, Ratisbonae 1806.

^) Libri apocrj-phi V. T. Graece, Lipsiae 1871.

*^) Oft hat er wichtige Lesarten übergangen, z. B. 1, 10 ^oßoufie.voig (lOG für äranwai\>), 3, 1 xpiatv (263 cf. 70 für ißoü), 50, 29 <p6ßog (106 für <pil,q). Aber öfter fehlen bei ihm auch ganze Stichen; so z. B. die vom ersten Kor- rektor des Cod. Sin. erhaltene Variante von 16,21a, der allein bei diesem

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXIX

Inzwischen ist jetzt im hebräischen Urtext für die Kritik der «griechischen Textüberlieferung der Massstab gegeben, zu- gleich ist dadurch freilich das textkritische Problem noch weiter kompliziert.^)

Der Oxforder LXX-Ausgabe von Holmes-Parsons liegt für das Buch Sirach der Text der Sixtina zu Grunde. Im Ai)parat sind mitgeteilt die Varianten folgender Handschriften:

III] = Cod. Alexandrinus, bezw.

Al.J = Grabe'sche Ausgabe.

23] := Cod. Gr. I der Marcus-Büdiothek in Venedig. Ich folge einer Collation Lagardes (Cod. Gotting. Lagarde Nro. 7), die nach der Ausgabe von Fr. Field (V. T. Graece. Oxonii 1859) gearbeitet ist: vgl. fol. 20ö des Lagarde'schen Manuscripts.

55] kann ich nicht bestimmen-).

68] = Cod. Venet. V, der angeblich fast überall mit Cod. B stimmt und daher nur zum Teil verglichen ist.

70] = Cod. Graec. 551 der Münchener Hofbibliothek, früher in der S. Anna-Bibliothek in Augsburg; vgl. den Katalog bei Aretin, Beyträge IX S. 870—95. Der Text von Sü\ 1—50 steht auf fol. 192 219; c. 51 ist weggelassen. Am Schluss ist auf fol. 219 zu lesen: contuli cum editione llomana, quae hinc emendari et augeri alicubi potest. D. H(oeschel). pridie pentec. 1603. Vgl. vorige S. Anm. 1. Für Holmes-Parsons ist nur c. 1 nach der Handschrift collationiert, dagegen die Ausgabe Höschels überhaupt nicht berücksichtigt. Da die Lesarten des Codex von Höschel vielfach ungenau und missverständlich an- gefühi't sind^ habe ich den Codex hier in Göttingen vollständig

Korrektor sich findende 42, 15d, der nur in 248 70 erhaltene 47, 8 d, und 1, 7 ganz.

^) Indessen glaube ich der Sache wegen bemerken zu müssen, dass die nachfolgenden Ausführungen über die Geschichte des griechischen Textes vor der Entdeckung der hebräischen Fragmente geschrieben waren und ich nachher an ihnen wenig zu ändern gefunden habe.

-) Unter derselben Nummer sind bei Holmes-Parsons öfter mehrere Handschriften begriffen, die sich zu einem vollständigen A. T. ergänzen. Rechenschaft darüber geben die (mir nicht zugänglichen) Annual accounts. So bezeichnet Xro. 55 für die Bücher Genesis-Psalter den Cod. Vat. 1, der eben nur diese Bücher* enthält (vgl. die Praefatio zum 1. Bande), für die späteren Bücher hat die Nummer eine andere Bedeutung.

LXX Kap. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

verglichen. Uebrigens ist diese wichtige Handschrift, die von Höschel freilich als membranae und codex vetustissimus be- zeichnet wird, eine Papierhandschrift des 15. Jahrhunderts.

106] =^ (,'od. 187 der Bibliothek der Carineliter-Barfüsser in Ferrara (nach der Unterschrift unter Iliob vom J. 1334). Ich folge einer Collatiou Lagarde's (Cod. Gotting. Lagarde Nro. 21. 2 Bde.), die nach derGrabe-Breitinger'scheu Ausgabe gearbeitet ist.

155] = Cod. Hagensis Meerinan. 11 (nach Hatch jetzt in der Bodleiana in Oxford), nach Holmes-Parsons aus dem 12. oder 13. Jahrh.

157] = Cod. B VI 23 der öffentlichen Bibliothek in Basel, reichend bis tou b/Jlrr^xrflox 51, 21.

248] = Cod. Vaticanus 346, nach HoLnes-Parsons un- gefähr aus dem 14. Jahrb., liegt dem Text der Complulensis zu Grunde. Vgl. übrigens E. Klostermann, Analecta, Leipzig 1895, S. 15ff.

253] = Cod. Vaticanus 336, nach Holmes-Parsons aus dem 14. Jahrb., nach E. Klostermann (S. 16) und 0. v. Gebhardt (Psalmen Salomos S. 20) dagegen aus dem 11. oder 12. Jahrh. Ich folge Klostermanns Collation (a. a. 0. S. 26 ff.).

254] = Cod. Vaticanus 337, nach Holmes-Parsons etwa aus dem 13. Jahrh.

296] = Cod. Vaticanus-Palatino-Heidelbergensis 337, aus dem 13. Jahrh. Die Handschrift hat folgende Lücken: 18, 18 19, 3. 23, 3 (am Ende) 23, 16 (~Xr^ö6vouaiv 7.[jL7.p-t'o(c), 45, 15 e 46,12b incL, 48,12 (EXiaaTs) 49,15 (sTTöaxeTTr^Gav), c. 51. Die Hand- schrift ist schon für die Ausgaben des Drusius und Höschels benutzt, für die erstere freilich nur von c. 24 an.

307] 1) = Cod. 129 (olim 276) der Hofbibliothek in München, aus dem 14. Jahrh. Es fehlen 21,3 (lacjic) 26,29 (oixato)9v^cj£Tat), 44 51.

308]^) wäre nach der Praefatio, die Parsons zu Jesus Sirach gibt, ein Palat. Vindobonensis. Aber die von E. Hatch ein- gesehene Collation ist in Rom gemacht und bezeichnet den Codex

^) Diese beiden Hss. sind verschieden von den anderswo bei Holmes- Parsons als 307 308 aufgeführten; in der Praefatio zu Jesus Sirach sind sie deshalb als *307 und *308 bezeichnet.

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXXI

einfach als Palatinus. Indessen ist er in Stevenson's Katalog nicht zu finden. Der Codex hat dieselben Lücken 296.

Im Anhang des 5. Bandes sind bei Hobnes-Parsons Vari- anten zum Prolog mitgeteilt aus:

234J = Mosquensis d (alibi designat. nuni. 311). Ueber Nro. 311 ist in der Praefatio ad XII prophetas minores bemerkt: cod. Biblioth. S. Svnod. Mosq., num. 341, membranaceus saec. XI. Praeter XII Prophetas minores et IV majores continet etiam alios complures V. T. libros.

Seit dem Erscheinen der Oxforder LXX-Ausgabe sind in mehr oder weniger zuverlässigen Ausgaben publiciert:

A] = codex Alexandrinus,

B] =: codex Vaticanus 1209, S] = codex Sinaiticus,

CJ = codex Ephraemi rescriptus. Es fehlen in ihm 7, 14b 8, 15b. 11, 17 12, 16c. 16, Ib— 17, 11. 20, 5b— 21, 11. 22, 20—27, 18. 28, 25b— 30, 7. 34, 22 (d-w-r^a-/,) 36, 16a. 31, 6—32, 22a. .86, 16b— 37, 10. 38, 16—39, 6. 43,27b— 39, 6, 43,27b— 45, 24b. 47,23 (o? aTrsofi/jasv)— 48, 10. 49, 12 ('lojasosx) Schluss.

Ich benutze diese vier Uncialen nach H. B. Swete, The Old Testament in Greek, Cambridge 1891. Ausserdem standen mir noch zu Gebote:

k] = cod. Hauniensis 6 der grossen königlichen Bibliothek in Kopenhagen. Diesem Codex ist, wie Ch. Graux und 0. v. Gebhardt (Psalmen Salomos S. 14ff.) gezeigt haben, der sogleich zu besprechende Cod. Vindob. Theol. Gr. XI in der k. k. Hof- bibliothek in Wien genau nachgebildet. Ausserdem sind der Cod. Mosquensis 147 (früher 148) der Svnodalbibliothek in Moskau und der Cod. Parisinus Gr. 2991 A der Nationalbibliothek in Paris mit jenen beiden nahe verwandt, falls sie nicht geradezu aus einem der beiden geflossen sind. Auf mein Gesuch wurde der Kopenhagener Codex bereitwilligst nach Göttingen gesandt; ich habe ihn vollständig verglichen.

v(i) =] cod. Vindob. Theol. Gr. XI (= Vienna I bei Hatch, Essays in Biblical Greek S. 248), nach Lagarde 11. oder 12. Jahrh. Als die Kopenhagener Handschrift schon zui'ückgesandt

LXXII Kap. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

■war, erfuhr ich, dass Lagarde auch diesen Wiener Codex in den Jahren 1873 und 1874 verglichen hat (= Cod. Gotting. Lagarde Nro. 22). Zwischen seiner Collation des Wiener Codex und meiner Collation des Kopenhagener habe ich etwa 36 Ab- weichungen bemerkt, die zu einem Teil auf offenbaren Schreib- fehlern der Wiener Hs. beruhen.

v"=] Cod. Vindob. Theol. Gr. CXLVII, nach den An- gaben von Hatch (Essays in Biblical Greek).

Fragm. Hieros.J = J. llendel Harris, biblical fragments from the mount Sinai (London 1890 S. llff.).i)

Syroh.] = syrohexaplarischer Text (fol. 80 des Cod. Ambrosianus ed. Ceriani, Monumenta sacra et profana, tora. VII, Mil. 1874). Es fehlt c. 51 in Fol.i;e einer Verstümmelung der Hs. Der Text ist im allgemeinen die genaue Wiedergabe eines griechischen Textes, der dem Cod. 253 nahe verwandt war. Esheisst 45, 14 für oArjxapTrdJÖrjOfovTai p2"ipn3 Hüh^ S1SD (vollständige Früchte sie werden dargebracht). Eiuigermasseu ist dieser Text daher mit seiner Vorlage gleichwertig. Allerdings ist die Genauigkeit der Wiedergabe keine vollkommene. Der Uebersetzer benutzte auch die Peschita und folgte ihr öfter aus blosser Bequemlichkeit. So setzt er 38, 4 für TTposo/ilisiauTolc nach der Peschita piT^j; SD^J (er verachtet sie), während er anderswo das griechische Verbum sinngemäss wiedergibt (6, 25. 25, 2. 50, 25). Ebenso 5, 7 für ur.zp[irfXkrjo i:j;nn (lass dich abhalten), 45, 23 für Tpo-n-/^ anyyin (Bresche). Namentlich folgt er der Peschita, w^o er den Griechen nicht versteht. Deshalb steht 41, 1 für aTrspiarotaxoc wii>5; (stark), 31, 26 für a'j[x|diojariv ^"!^D23 (sein Vermögen), 34, 21 für asaoKopwv üi: riV^f2 p (aus der Mitte der Gesellschaft). Vgl. auch zu 4, 30. Seine Uebereinstimmung mit der Peschita beweist deshalb noch nicht für seine Vorlage. Es ist fraglich, ob er 13, 1 xoX^ör^ssTai

1) Unbenutzt sind bisher Petersburger Palimpseste, die von Tischendorf für den 8. Band seiner Monumenta sacra inedita bestimmt waren. Vgl. Nestle, Urtext S. 74. Uebrigens kämen nach Swete (Old Testament in Greek IV 122 ff.) an griechischen Handschriften (ausser den Lectionaren) noch in Betracht Codd. 46 (Paris, Nationalbibliothek, Coislin 4), 107 (Ferrara, nahe verwandt mit 106), 122 (Venedig, St. Marcus Gr. 6), 131 (Wien, Th. Gr. 23), 249 (Rom, Vat.). Aber allein in der Pariser Nationalbibliothek sind ausser Ancien Fonds 2931 A und Coislin 4 noch acht bisher nicht verglichene Hancl-. Schriften vorhanden.

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXXIII

für [ioXuv&T^asTat und 22, 17 YX'j]jL[j.aTo? für '];7.]a;xojt6c las. Oefter übersetzt er auch ziemlich frei. So 1, 2 n'^j? pn (die von Ewigkeit her waren) für auovoc, 29, 27 xn'^n S'pna (das Haus ist erfordert) für /f£ia xr)s oixtW, 30, 7 cnn (wer liebt) für -£pi'};6-/«)v, 9, 13 garKöl aiwi m^V'' ^V (auf den Zinnen einer hohen Mauer) für £-1 i-rJlrzioM -o/,£toc. ;Möglicher Weise fällt freilich diese Um- schreibung und andere ähnliche aber auch schon der Vorlage zur Last; vgl. unten S. LXXXIII. Er bleibt sich übrigens auch in der Wiedergabe derselben Wörter nicht immer gleich, so wird 30, 15. 16 pEX-Kov durch p 3'i2 und p in'*» wiedergegeben. Den auf das Nomen folgenden Genitiv des Pronomen personale drückt er bald durch Sn mit Suffix, bald durch das blosse Pronominalsuffix aus, übrigens fügt er wie alle semitischen Uebersetzer zum Nomen oft das Pronominal- suffix hinzu, wo im Griechischen das blosse Nomen stand. Die griechischen Zeitformen gibt er ungieichmässig wieder, das blosse Participium findet sich für das Präsens und das Futurum, aber auch für den Aorist (z. B. 11, 12); ebenso wird durch das Par- ticipium mit sin nicht nur das Imperfectum, sondern auch der Aorist ausgedrückt. Stark schwankt er auch in der Wiedergabe der Präpositionen. Oefter gibt er Randlesarten, die vermutlich ebenso in der griechischen Vorlage standen und meistens besser sind (vgl. z. B. 17, 8. 38, 2. 50, 12 bis).

Weshalb der Syrohexaplaris der Ambrosiana neben den kanonischen Schriften nicht nur das Buch Baruch und den Brief des Jeremias, sondern auch die Weisheiten Salomos und Jesus Sirachs enthält, und der verloren gegangene syrohexaplarische Codex des Andreas Masius, der bekanntlich die erste Hälfte der ambrosianischen Handschrift bildete, auch das Buch Judith und einen Teil des Tobit (1, 1—7, 11) umfasste, ist nicht auszu- machen.^) Denn dass Origenes auch die apokryphischen Bücher in seine Hexapla aufnahm, ist nirgendwo überliefert. Aber un- denkbar ist es eben auch nicht, zumal der Text des Buches Baruch im Syrohexaplaris einigermassen nach Analogie der ka-

1) Vgl. F. Fielcl, Origenis Hexapl. I p. LXVII seqq., A. Rahlfs in Lagarde's Bibliotheca Syriaca p. 32gff. Der syrohexaplarische Text von Tob. 1, 1—7, 11 ist in alle Peschitahandschriften eingedrungen, übrigens hält Field auch den Peschitate?;t des 3. (ai. 1) E^rabuchs für eine Arbeit des Paulus von Telia.

LXXIV Kap- m- Die grieehiscke Uebersetzung des Enkels.

nonischen Bücher behandelt ist. Er hat nämlich Randlesarten, die auf Theodotion zurückgefülirt werden. Ausserdem steht im Text mehrfach vor einzelnen Wörtern oder Wortgruppen der Obolus mit der Randbemerkung, dass sie beim Hebräer nicht vorlägen, und umgekehrt steht 2, 1 der Asteriskus vor einem Satz, der im Cod. Marchalianus als dem Theodotion gehörig bezeichnet ist.') Eine einigermassen ähnliche Bewandtnis hat es aber mit den zahlreichen Asterisken des syrohexaplarischen Sirach, über die unten 8) zu reden sein wird. Die Güte des syrohexaplarischen Sirach-Textes wäre des Origenes übrigens nicht unwürdig, aber seine Sirach-Zitate decken sich wenig mit ihm.

Palaestin.] = Fragmente der christlich-palästinischen Ueber- setzung. Es handelt sich um Sir. 18, 18 33 (vgl. Palestinian Syriac Texts ed. by A. S. Lewis and M. D. Gibson, London 1900, sowie Studia Sinaitica XI, London 1902), ferner um 45, 25b— 26. 46,1—8 (vgl. Fr. Schulthess, Abhandlungen der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften N. F. Band VIII Nro. 3 S. 39. 40). Dazu kommen einzelne Verse, die demnächst Hugo Duensing herausgeben wird. Zu 46, 1 8 haben die Frag- mente gute Lesarten.

Während sich im Neuen Testament nur Anspielungen an Sirach finden, und bei den apostolischen Vätern nur ein Zitat vorkommt,-) wird das Buch von den griechischen Kirchenvätern wie von den Lateinern sehr oft zitiert, und diese Zitate sind von grosser textkritischer und textgeschichtlicher Bedeutung. In Betracht kommen von den Griechen namentlich Clemens Alexan- drinus und Chrysostomus.'') Ich habe ein Verzeichnis von Väter- zitaten benutzt, die Lagarde z. T. auf Grund eigener Lektüre,

1) A. Ceriani, Monumenta sacia et profana I, i p. 2. 15.

2) Vgl. Jac. 1,6 mit Sir. 36,2; Jac. 1, 16 mit Sir. 5,11; Joh. 14,23 mit Sir. 4,14 ii. a. Sir. 4,31 wird Ep. Barn. 19,9. Constit. ap. 7,11 zitiert, lieber ein Zitat bei Philo s. o. S. XXIX Anm. 2.

^) Für die Zitate des Clemens vgl. auch Otto Stählin, Clemens Alexan- diinus und die Septuaginta (Beilage zum Jahresbericht des K. Neuen Gym- nasiums) Nürnberg 1901. Von besonderem Interesse sind seine Lesarten für 4, 11. 9, 8. 9. 20, 8. 23, 18. 34, 27. 35, 11. 39, 18. Wichtige Lesarten des Chrysostomus finden sich z.B. zu 2,10. 4,3. 9,10. 10,27. 16,2. 18,30. Betr. des Origenes vgl. z. B. zu 1, 3. 11, 28. Textgeschichtlich sind sehr viele Zitate von Interesse; vgl. z. B. zu 3,21. 16,3.

§ 7. Per griechische Vulgärtext. LXXV

z. T. aus den Eandnoten der Ausgaben zusammengestellt hat (vgl. Codd. Gotting. Lagarde Nro. 28—33. 37j. Wichtig sind sodann für die Textgeschichte die Spruchsammlungen des An- tonius Melissa und des Maximus Confessor^), die zuerst Conrad Gesner herausgegeben und K. G. Bretschneider zur Eniendation herangezogen hat. Vgl. Loci communes sacri et profani senten- tiarum omnis generis ex autoribus Graecis congesti per Joanuem Stobaeum et veteres in Graecia monachos Antonium et Maximum ed. a Conr. Gesnero. Francofurti 1581. Ich zitiere der Be- quemlichkeit halber mit

Anton. Max.] für gewöhnlich nach Migne, Patrol. Gr., bei dem sich die Sprüche des Antonius im 136. Bande, die des Maximus im 91. Bande finden. Ich habe freilich einzelne Sprüche, die Gesner aufführt, bei Migne nicht wiedergefunden, und musste daher mehrmals auf Gesner rekurrieren.

Der Versuch, die bisher verglichenen Hss. zu gruppieren, kann als verfrüht erscheinen, weil die von Holmes-Parsons be- nutzten Collationen z. T. wenigstens unzuverlässig sind. So führt Lagardes Collation des Cod. 106 etwa 100, die des Cod. 23 aber an 300 Varianten auf, die bei Holmes-Parsons fehlen;') ebenso gibt E. Klostermann für Cod. 253 gegen 250 neue Lesarten. Nicht viel besser ist Cod. 296 für die Oxforder Ausgabe ver- glichen. Von den etwa 90 Varianten, die Höschel (vgl. oben S. LXX) in seinem Apparat aufführt, fehlen bei Holmes-Parsons etwa 30, darunter so wichtige wie im Prolog (//fo,o;x-/jy (für a'-pojjLotov), 33,10 opi^ij-oö, und so charakteristische wie 36,24 dyxWryj^ (für '^cuoci;), 40, 1 [rr^zpo: a-avtojv (für a. a-jtwv). Dass Höschel dabei in der Hauptsache wenigstens Eecht hat, beweist der Umstand, dass die meisten der bei Holmes-Parsons fehlenden Varianten von ihnen aus dem nach st verwandten Cod. 3^8 angeführt werden.

') Ueber die beiden vgl. auch Theol. Lit. Zeitg. 1897, 12 f. Ihre Les- arten kehren grossenteils im Lateiner wieder; textkritisch wichtige Lesarten hat Antonius z. B. zu 4,3, Maximus zu s, 10.

-) Ausser Rechnung lasse ich dabei nicht nur alle orthographischen Varianten, sondern auch alle Abweichungen der von Lagarde zu Grunde gelegten Field'schen Ausgabe von der Sixtina, für die nach Lagarde"s Collation nur e silentio (aber doch mit höchster Wahrscheinlichkeit) auf dieselben Ab- weichungen in Cod. 23 zu schliessen ist.

LXXVI Kap. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

Angesichts dieser Zahlen könnte man fragen, ob das vor- liegende textkritische Material auch nur zur Texterklärung aus- reichend sei. In Wahrheit steht es aber um den Apparat der Oxforder Ausgabe keineswegs so schlimm. Denn die von Holmes- Parsons für Codd. 23 106 253 aufgeführten Varianten werden von Lagarde und Klostermann zu allermeist bestätigt, übrigens führen Lagarde und Klostermann nur sehr wenige Varianten auf, die nicht schon aus anderen Hss. bekannt waren.') Obendrein sind nunmehr die Lesarten der Codd. ABCS 23 70 106 253, der Complutensis (= 248) und des Syrohexaplaris mehi' oder weniger zuverlässig bekannt. Das sind aber, wie leicht zu zeigen ist, die weitaus wichtigsten Textzeugen, die übrigen Hss. sind dagegen, abgesehen etwa vom Cod. 307, von untergeordneter Bedeutung. Der Wert der genannten Hss. und zugleich ilir gegenseitiges Verhältnis lässt sich an einer Reihe von Kiiterien feststellen.

In Betracht kommt zunächst die Vollständigkeit des Textes. Jesus Sirach hat in lauter Distichen geschrieben, und das Buch war wie im Urtext so auch griechisch von jeher in stichischer Schreibung überliefert. Die Handschriften lassen deshalb öfter ganze Sticlien aus.

S*^'' Sah. allein enthalten 42, 15d,

S«'^ 70 Lat. aUein 30, 17 ba,

70 248 allein 41,9 a Hebr. und 47, 8 d Hebr.

S«^^ 70 248 allein 38,33 a,

8«=^ 70 248 kv Lat. allein 29,23 b,

70 248 (254) Lat. aUein 30, IIb. 12a,

70 248 106 Lat. allein 30, 12 d,

70 Co. (248) Syroh. 253 Lat. aUein 3,7 a,

70 248 106 Syroh. 253 Lat. aUein 4, 23 b,

S<=« 70 248 106 Syroh. 23 307 kv Sah. Slav. Lat. allein 7,26b, der Stichus fehlt in (253) BA (157 55 254 155 296 308) Aeth. Dagegen hat S" ihn an falscher Stelle.

Bemerkenswert sind noch folgende Lücken, die gewissen Hss. gemeinsam sind.

^) So Lagarde zu 44, 16 aus Cod. 23 das merkwürdige dtavoias für fiezavoias. Uebrigens ist Cod. 23 besonders schwer zu lesen.

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXXVII

AC 23 155 Aeth. om. 5, 2bi),

248 23 S* om. 44, 17 c ^).

Ein zuverlässiger Stammbaum der Hss. ergibt sich auf Grund dieser Beobachtungen nicht. Der erste Korrektor des S (^S"^"^) ist entweder seiner Vorlage nicht überall gefolgt, oder in seiner Vorlage waren die Stichen 41,9 a. 47, 8 d. 30,11b. r2a. 30, 12d. 3,7a. 4,23b durch Korrektur ausgestossen, wenn anders die übrigen Hss. nicht nachträglich ergänzt sind.-^) Unter diesem Vorbehalt niuss dasselbe von kv (vgl. alle Stellen ab- wärts von 29,23 b bis 4,23 b), von 106 (vgl. 3,7 a), von 253 (vgl, 7,26 b) behauptet werden.

In Betracht kommt ferner die Anordnung des Textes. 33, 13b c. 34,1 36,16a haben ihre ursprüngliche Stelle zwischen 30, 24 und 30, 25; zwei Lagen von je 160 Stichen sind hier vertauscht.^) Diese Umstellung findet sicli in allen Hss., auch in 248, wie P. Bollig konstatiert hat.-*) Von den Afterübersetzungen hat ausser dem Lateiner allein die altslavische (und diese mög- licher Weise auf Grund der Vulgata)'^) die richtige Ordnung, die auch der Syrer aufweist. Die Uebereinstinuuung der Hss. in diesem Punkt ist keinenfalls daraus zu erklären, dass sie alle von der Unfallsliandschrift abstammen, vielmehr werden manche Hss. in diesem Punkt korrigiert sein. Allerdings lässt der Syro- hexaplaris vermuten, dass die Umstellung sehr alt ist.

Aber auch manche einzelne Stichen sind in den Hand- schriften umgestellt.

248 70 Lat. haben allein die richtige Reihenfolge 28, 24. 25, allein die falsche 37, 7. 10,

248 70 106 haben allein die richtige 17,9. 10,

') Sah. hat 5,2b hinter 5,8a, und 44,17c hinter 44,17d.

2) So steht 47, 8 d in 70 und 248, 44,17 c in 70 au falscher Stelle.

=*) 1,1—30,24 sind im Cod. B fast genau 1760 Stichen = 11 Lagen. Der Prolog fehlte also in der Unfallshandschrift oder er stand am Rande.

4) Vgl. J. K. Zenner in der Ztschr. f. kath. Theol. 1895 S. 159. Un- erklärlich ist mir aber die Angabe Bollig's, dass c. 35 86, 16 im Cod 248 fehlten. Holmes-Parsons haben sowohl für c. 32 33, 16 wie für c. 35 36, 16 Varianten aus Cod. 248.

*) Ebenso stand es vielleicht mit dem unus vetustus codex, von dem Nobilius sagt, dass er allein die richtige Ordnung habe.

LXXVIII Kap. III. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

248 Syi'oh. 253 S'^'' Lat. haben allein die richtige 3, 2ß,

248 Syroh. 253 23 haben allein die falsclie 50, 1,

248 70 106 157 Syroh. 253 23 Sah. haben allein die

richtige 43, 16. 17,^)

23 S*Aeth. haben allein die falsche 50, 9. 10,

B (155 296 308) haben allein die falsche 28, 10,'^)

AC 106 k 157 307 155 296 308 Aeth. haben allein die

falsche 39, 23. 24 gegen (248) 70 Syroh. (253 23) S B (55 254), A C 155 307 haben allein die falsche 43, 24.

Evident ist auch hierbei die Tatsache der Korrektur ein- zelner Hss. So für 70 (vgl. zu 3,26), für 106 (vgl. zu 17,9. 10 und zu 3, 26. 50, 7. 39, 23. 24), für 157 (vgl. zu 43, 16. 17 und zu 39,23. 24), für S''« (vgl. zu 3, 26 und den folgenden Stellen), für 155 296 308 (vgl. zu 28, 10 und zu 39, 23. 24). Für kor- rigiert inuss aber auch 23 gelten. Nur so ist die Verschiedenheit der Gesellschaft zu begreifen, in der er sich einerseits 50, 7. 43, 16. 17 und anderseits bei der Auslassung von 44, 17 c (s. o. S. LXXVII) und wiederum bei der Auslassung von 5,2b (s. ebenda) und der Umstellung 50, 9. 10 befindet. Anderseits ist bemerkens- wert, dass A 0 155 (und 307) 43, 24 allein dieselbe Umstellung haben, und AC 155 (und 23) in 5,2b allein dieselbe Lücke.

Die Güte des Textes der verschiedenen Handschriften mögen zunächst folgende Beispiele illustrieren.^)

43, 23 heisst es in der Lobpreisung des Schöpfers

XoYia[xu) 7.tjTo5 IxoTraasv aßuaaov,

wozu als zweiten Stichus bieten

248 23 Slav.: xal i^uisuasv sv (23 om. £v) ctuxfj vr^aou?.

Syroh. 253: xal scpu-suasv otuxyjv vy^aou?.

SBCA (307 296) Sah. Aeth.: xal Icputsüasv G(ur>^v 'Ir^sou?.

^) I). h. sie stellen v. 17 a vor v. 16 a. Im Text der hebräischen Hand- schrift fehlt V. 16, sie liest aber v. 17 a vor v. 17 b, wie die meisten griechischen Zeugen. Dagegen hat der Rand in richtiger Folge: 17a 16 17b. Vielleicht sind die oben genannten griechischen Hss. also nach Gr. II korrigiert.

^) D. h. der Stichus d gehört hinter a. Sah. om. b c d, Lat. om. d.

^) Ich bemerke ein für alle Mal, dass ich die Setzung oder Weglassung des Artikels im Allgemeinen ignoriere, überall ignoriere ich den Unterschied der indikativischen und der konjunktivischen Aussprache, meistens auch den von 0 und tu.

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXXIX

106 k V 157 155 308: -mi l'^-^Tsuasv a'jTyjv y.^f.io,-.

Lat. codd. Sangerm. Corb. : et plantavit illum Dominus Jesus.

55 254: xal ecpoxsucisv sv otutfi o xopioc y/jaou^.

Lat.: et plantavit in illa Dominus insulas.

70: xctl icpuTEUGcv au--^ xupioc vyjöouc.

Wesentlich dasselbe Bild geben die Varianten zu 10, 27.

248 70 Svroh. (253 vac.) 23 S" Lat. Sah. Slav. lesen: xf>£iac5ü>v (248 add. -fap o) ipYotCou-cvo? (S" add. rj, S^ om.) xat irspiaasutüv Iv -üasiv r^ (248 70 add. 6) oo;7.Co;x£voc x-:/..

Entstellt wurde irspiaasucuv in -rspt-ocTÄv und dann ergab sich mit Umstellung von sv itaatv v) die Lesart von

B (307 C 55 254 155 308) Armen. : xpetaatuv (254 add. 7a» £p-,'C(^o[i.£voc £7 Traaiv (55 254 £v kovou)^) t^ (Armen, om.) -£pi-c(ttuy (BC" (254 308) Armen, add. r^) oo;o(>^;x£voc (307 £p7otCo|x£vo^) x-X.

Gemischt A 106 k v 157 296: xp£i33(uv Ip^aCofiEvoc xai K£pt'jCi£6(ov £y Traafiv r^ 7:£p'.K7.T(üv oocct^oixövo; xtX.

Anders S*^^: xpärsacov EpYaCotj.-'"'^? ^^ Tracjtv xotl 7:£pt33£6tüv h raaiv Tj oo?o(CojJ.£vo? xtX.

In beiden Fällen haben allein 248 Syroh. 253 23 die richtige Lesart^ am nächsten stehen ihnen S B C A, die übrigen Zeugen entfernen sich weiter vom Ursprünglichen. Dabei sind in 55 254 und 70 zu 43.23, in A 106 kv 157 296 und S'^'' (einiger- massen auch in S*) zu 10, 27 verschiedene Lesarten mit einander vermischt. Die Korrektur nach anderen Hss. wurde für ^"^ 70 106 kv 157 296 schon oben (S. LXXVII sq.) constatiert.

Eine etwas andere Gruppierung stellt sich 41, 11 heraus. Hier haben richtig allein

gca Annen. (Edersh.): ovojxa d7cti>ov oux i^aXErffty^asTcti.

Dann zeigt sich die Entartung in folgender Reihe:

Sah.: aber der Name der guten Menschen wird nicht aus- getilgt werden.

248 307 Anton 1129: ovo«j.a 11 'dvöptoTttov oux dyaöov (Ant. aYa&tov) i^otX.

Vulgär: c/'vo[j.a ok 7.(jLap-u)Xajv (k da£[:lu)v) oux äyxhw (155 308 aYa&tuv) £caX.

70 Aetli. Lat.: ovoaa Oi daotp-ccuXuiv l^aX.

1) Vgl. Aeth.: Besser ist wer sich abmüht und arbeitet, als wer ein' herspaziert und gross tut und nicht findet seine Nahrung.

LXXX Kap. in. Die griechische Uebersetzung des Enkels.

AVieder anders liegt die Sache im zweiten Satz des Prologs. Hier ist die gewöhnliche Lesart:

BAC (307 k V 254 155 308): xorl -(«v aXXojy Tratp^wv y^Koy^.

70 106: xal xöiv akkur^ ok xwv r^oLziAuy^ [ji[i)>''ojv.

Syroh. 253 234: X7.l tojv aÄXojv os ovtojv (s. osovtojv) -otxpiwv

S 55 296: xal täv aÄXwv tcüv oeovitov Ttcttr^Cojv [:ii,3X.

23 : xal xa>v aXXwv xoiv Ssovxtuv ßißXi'fov.

Lat. : xal xfov aXXwv [':ii|':JXr(uv.

Abermals verschieden stellt sich das Verhältnis 17, 31.

Ursprünglich B =''^ A 106 k v 307 254 155 296 Sah. (?) Aeth. Armen. Slav. :

xal TTOv/jpov svi)u|i-/ii)7^Gi£xai (307 7:ov/jf>ox£pov £vöu}XT^a£xat) aap; xal arjjia.

Lat. aut quid nequius (quam quod) excogitavit caro et sanguis.

Korrigiert B*S* (308): xal -oy-/;poc £vi)ü;xT^i>Y;a£xat (B'' iv- Oujir^asxai) aa'pxa xal aftAa.

Gemischt C (55): xal Trov/jpo; svöuixrj&yjcrsxai aap; xal atixa.

Gemischt 157 S''": xal -J -ov/;pov (8*=^ 7:ov/;pox£pov) £v- {)u[x-/)0r^!3£xa'. (S*^'* ivö'jixcTxai) (jdijy.rf. xal araa.

Vollends entartet 248 70 Syroh. 253 23: xal avr^p öc (23 om. oc) £vl}u|x-/j{>yjS£xai aa'pxa xal aijjLa.

Die Codd. 248 70 Syroh. 253 23 S-^*^ 106 55 254 C sind nach einer zweiten griechischen Uebersetzung ergänzt. Sie haben aus ihr namentlich ein Plus von im Ganzen etwa 150 secundären Stichen in grösserem oder geringerem Mass aufgenommen (s. u. § 8). Diese zweite Uebersetzung war aber z. T. gewiss nur eine Bearbeitung der ersten. Deshalb könnten die oben S. LXXVl aufgeführten Stichen, die jedenfalls zum ursprünglichen Bestände des Buches und wohl auch zur Uebersetzung des Enkels ge- hören, in diesen Handschriften nach der zweiten Uebersetzung ergänzt sein. Dass der Syrohexaplaris vor 3, 7a. 4, 23b. 7, 26b keinen Asteriskus hat, reicht zum Beweise des Gegenteils nicht aus^). Ebenso könnte in diesen Handschriften in den S. LXXVII sq. aufgeführten Fällen die richtige Ordnung der Stichen nach der

') Vgl. 11. § 8. Dagegen scheint der Asteriskus vor 3, 25 zu beweisen, dass dies Distichon, so wie es lautet, aus der zweiten griechischen Ueber- setzung stammt. Aber in der ersten war es wohl nur ausgefallen (s. z. St.).

§ 7. Der griechische Ynlgärtext. LXXXI

zweiten Uebersetzuiig hergestellt sein^), und so könnten auch die besseren und ursprünglichen Lesarten, die diese Handschriften vor den anderen voraushaben, zunächst aus der zweiten Ueber- setzung stammen. Aber sie haben in so vielen Fällen die bessere Lesart, dass dann eine durchgehende Korrektur nach der zweiten Uebersetzung angenommen werden müsste, die nicht gerade wahrscheinlich ist. Denn die Korrektur, die fast alle Hand- scliriften, und namentlich auch diese, nachweislich in hohem Masse erfahren haben, ist zu allermeist unverständig. In ihren guten Lesarten wie ihren Verderbnissen stehen ihnen dagegen die am wenigsten korrigierten Handschriften vielfach nahe, wie ich unten zeigen werde. Nur ist unter diesen Umständen eine prinzipielle Bevorzugung dieser Handschriften ausgeschlossen, die Güte ihrer Lesarten ist vielmehr überall aus inneren Gründen zu erweisen. In sehr vielen Fällen ist ihre Ueberlegenheit aber auch zweifellos. So z. B.

248 Syroh. 253 23: 46, 7 ixxX-/)aiac.

248 70 Syroh. 23: 14, 9 i. f. add. a'koo.

Verwandtschaft mit SB zeigt in Fällen wie:

248 Syroh. 253 23 S*: 35, 12 xctt arj (iv) ocixctpria (cfactpriatc) xcti.

248 Syroh. 253 23 S k: 16, 5 io^oa/sv o ry:^\\rj.hi.üz -xou.

248 70 Syroh. 253 23 S 157 55 254 155 Lat.: 21, 25

(248 70 106) Syroh. (253 23) B: 50, 18 i-'Xux^vfly;. Anderswo treten A und einige Minuskeln hinzu: 248 70 Syroh. 106 ^"^ A Pal.: 46, 3 x-jptou. 248 70 Syroh. 253 23 SA 106 k 157 296 Lat.: 50, 22 -(zv-wv. 248 70 Syroh. 23 SA 307 k: 31, 9 rs-Xav/jjxsvo?. Co. (248) 70 253 23 SA 106 155 Lat.: 36,22 otxszÄv. 248 70 Syroh. 253 23 S«^ Pal.: 46, 3 ttoXsu-oo,-. 248 70 Syroh. 253 106 S«^: 14, 20 [xsXs-r^crEt. 248 Syroh. (?) 253 23 k: 19, 27 s&sXoxto^aiv. 248 (70 Syroh. vac.) 253 23 k 55 254: 51, 19 s-svo/jaoc. Auffällig ist hierbei das Abspringen des Syroh. in 36, 22, von 253 in 14, 9. 31, 9, von 23 in 14, 20.'^)

i| Anscheinend ist das bei 43,16. 17 ges.-behen. S. o. S. LXXVIII. ') Bemerkenswert ist auch, dass die z. T. gewiss sehr alten Ueber- schriften über den einzelnen Abschnitten des Buches (s. o. S. LX) in Co. 248

SniODil. Sir;ii-li-Ki'iniii(>iit;u. VI

LXXXIT Kap. III. Die griechische Ueberaetzung des Enkels.

Dieser Uebereinstimiiiung in guten Lesarten gehen ge- meinsame Fehler parallel.

248 70 Syroh. 253 23 S«« 157: 43, 5 xaTs-aocrs.

248 70 Syroh. B* S k: 43, 13 xa-s-a'jiE.

In dieser Beziehung ist besonders deutlich die Verwandt- schaft von Syroh. 253 23 untereinander und mit A B C S, na- mentlich mit S B.

Syroh. 253: 42, 25 eo»; -ou oti'wvo?.

253 23: 34,31 d-axr^si; 41,1 su-ps-sara'-«) ; 45,22 om. o-l

Syroh. 253 23: 7,28 öi' ccj-r,;; 40,14 wiederholen am Schluss V. 12b. I3a; 41, 5 suGoziaic.

Syroh. (253 23) SB (155): 22, 18 -/apaxsc.

Syroh. 253 23 SB: 45,17 cp(«vr,37.i (so auch 70); 50,12c auToc (für o('j-rj'j).

Syroh. 48, 17 (tov) aqoifj, 70 tov vvjojfv, 253 23 S ^'^ xov r^oj-', B TOV 7(07, S'^^ TOV aYoj-j'ov (vulgo: to G'o<,up).

S* B 49, 13 vstxo'jaiv, 23 [xc'vouaiv, Syroh. 253 [j-evsT (vulgo:

Ns£[XlO'j).

Syroh. (253 23) BS*C (155 308): 37, 11 i'fssxioü. 253 23 70 SC: 48, 11 do<j-z;.

Auf die Gruppe S B A C sind folgende Fehler beschränkt. S*BC: 43, 4 c?uX«3cüv; SB: 6, 29 xXaooi; SA: 44, 13 rf/a-

T(3[X£lCpi}-/^53t7l ; 45, 2 £V 00c-(j.

Seiner Grundlage nach ist Cod. 248 zweifellos der beste von allen. Manche richtige Lesarten hat er allein. So 11, 17 suGooi £t^ TOV atojv7.; 20, 22 \r^<\lZ(Ji^; 25, 18 axouaituc;; 25,26 add. oioou X7i ocTToXuaov; 30, 22 xotpotac; aorr^ C«""/;; 34, 31 aTravTv)3£i; 30,34a ^r^-r^at{[:); 30, 39 (oc r, 'Vj//^ aou; 32,24 ctuToü (für ctüttov); 37, 5 -oX£ixtou. Anderswo sekundieren ihm wenige andere Zeugen. Es lesen

248 70: 18, 4 Tt'v.: 34, 11 praem. oia toÖto; 32, 22c i. f. add. 6 xpaTotio?; 37,26 oo^av; 44, 14 zk 7iV£av(?) xai 7£V£av(c); 44, 19 add. ccjTO'j; 47, 11 ßczcjtXEia? (vgl. Syroh.); 50, 10 add. £ü-,o£-r]c.

24S 70 106: 20,15 (vgl. 307) fitrryjToc xuptu) (^ew) x«! av- Ofxuüoic; 21,8 //~J[AO'.; 34, 9 Tic ia-iv ootoc.

Syroh. 253 23 1U6 fast {janz fehlen. Betr. des Aelhiopen vgl. Dillmanns Aus- gabe p. llSf,

§ 7. Der griechische Vulgärtext. LXXXIII

248 70 157: 24, 14 add. Icp' uaa-o;. 248 S^^: 15, 6 add. a^Tov.

248 70 S«^*: 46, 19b add.' ctuTou. 248 307 S -: 5, 8 d)<i£Xr;aei.

In der Gruppe Syroh. 253 23 hat Syroh. die Führung. Er hat an guten Sonderlesarten: Prol. 1 ^iXottovo-jv-sc, 9, 12 suoöt'a, 10, 19 om. TTOiov 20 40 (vgl. S*), 10,22 Trapoi/.oc.

Syroh. 253 haben allein richtig: 1, 29 Ivw-iov; 2, 6 [y-oX) sXTTi^i ^Ti' auTov y.oX zuÖDysi xa; 6006? 3c.u; 7, 9 sv -to 7:XV)i)£i.

Syroh. 23: 8, 15 xctxa.

Syroh. 253 23: 14,5 a-jotöorc (für xpip-otstv) ; 14,25 aY^^Oiü;

14, 27 £V GtXSTOj au-Ti?.

Zuweilen steht auch 253 mit einer guten Lesart allein: 12, 4 TTovr^pou, 13, 8 SV dopoauvxi. 44, 23 om. xai 1°. Vgl. 253 23: 12, 17 uTToaxa^j^st. Syroh. 253 106: 4, 1 ocpOaXixov sirioeou?.

Gelegentlich gehen nur noch wenige Minuskeln und S°* mit Syroh. in guten Lesarten. So z. B.

Syroh. 106 k 157: 19,26 TropsuGfievos.

Syroh. 253 106 (S«^): 12, 8 i^:l'(voiCi^a^-oiu

Syroh. 253 23 307 S?: 29,7 00 /apiv.

Oefter geht 70 in guten Sonderlesarten mit Syroh. 253 23.

Syroh. 253 (vgl. 70): 3, 1 xpfaiv.

Syroh. 23 70 S«*: 34, 10 b add. a-kw.

253 23 70: 19,23 Travoup^ia.

Syroh. 253 23 70 k: 23, 12 avtiTrapaßsßXr^jxsvr^.

Bemerkenswert ist aber auch hier der Beitritt von S.

253 S: 16,27 ot-k(]üv (für a5-o-:). Syroh. 23 S: 33,10 orAS^oo.

253 23 S'=^ (S): 6,21 layßo;.

Syroh. 253 23 S 70 k: 50,20 xupiou.

Wegen seiner Stellung in der syrischen Hexapla, aber auch wegen der zweifellosen Güte vieler seiner Lesarten gehört der syrohexaplarische Text zu den wichtigsten Zeugen, aber sein Wert wird erheblich vermindert durch die Kon-ekturen, die er erfahren hat. Abgesehen von den unten (S. LXXXVIII) auf- geführten kommt hier sein Verhältnis zu dem ihm nahe ver- wandten Cod. 253 in Betracht. Man vgl. z. B.

Prol. 253 -poXo-j-o; (vulgo), Syroh. irpoot'jxtov (70).

253 ao'-pia? xocl iraiSct'otc, Syroh. Taiosia; xoti aocpia; (vulgo).

253 xal (ju? ou jxovov (vulgo), Syroh. om. w?.

VI*

LXXXI\ Kap. III. Die griechiscbe üebersetzuug des Enkels.

253 i~tv hinter aovov, Syrob. hinter oiov (vi]l<i;()).

253 to'jc '.piXo;j.O'.i)o'jVT7.r (viilgo), .Syroh. 'fiAo-ovoovz7; (gilt).

253 iTTt-pocjJjojai (viilgo), Syroh. l-i -poaiiöjai (cf. 8).

253 ota t/p SV vo|a.(p ßi(o3£u);(70307), SvioIi.o.t.svvoijlou [^.{vulgo).

253 ou |xtxpöt; -aiOitotc a'foix'ji'jv (viilgo), Syroh. oy af/r>7.v Tcotiosi'otv dt'^otxo'ov (106 cf. 234 254).

1, 10. 253 y.orA t/jv oosiv ccüiou (vulgo), Syroh. add. 7.-' o.hr(fi (70 praern.).

1, 30. 253 \i.\ 'SoXzwj oi7.vota, Syroh. |x/) i^u-j/ou asotutov (vulgoj.

4, 2. 253 -a,oe/.v.'j T(,c (248 100 308), Syroh. 7:otpopYtV(jc (vulgo und liebr.).

4,24. 253 Xoyo) (vulgo und Hebr.), Syroh. aTotAct-i (Lat. lingua).

6, 3. 253 cp'JA/vOv (A C), Syroli. ;6Xoy (vulgo und Ilebr.).

7, 26b. 253 om. (vulgo), Syroh. praeb. (248 70 23 S*=' 106 307 k V Lat. Syr. Hebr.).

8, 15. 253 x7.-a coü (vulgo), Syroh. mvA^irjij (23 Lat. Syr. Hebr.).

8, 19. 253 //ipiv, Syroh. add. '];£or>7^ (248 70 23 100 Lat.).

9, 5. 253 (jx7.vootXiai}^c (Lat. Syr. Hebr.), Syroh. a-m-^WLirr^ az (23 S Toi. Ambros.).

9,12. 253 suGoxCa (vulgo -xi'aic), Syroh. suooia (Syr. Hebr.).

9, 13. 253 £-1 =-7'X?£o>v TToXsu); (vulgo), Syroh. im e-aX^sojv

10, 7. 253 ■;:k■r^ll<xthf,at^ aoixia (vulgo), Syroh. TzX-qau.ilti'-ji doixt7.c (248 70 cf. S«^'0-

Im Allgemeinen ist Syroh. hiernach dem Cod. 253 über- legen, aber 9, 5. 13 gibt er korrigierten Text, und 4, 24 steht es mit ihm kaum anders. Vgl. auch Herkenne, de Ecclesiastici cc. 1 XLIII p. 19ff., der übrigens mit Recht auf eine Reihe von Korrekturen hinweist, die auf eine Verbesserung der Grä- cität hinauskommen. So steht z. B. 1, 12. 3, 26 vgl. 22, 6 im Syroh. und im Cod. 253, 10, 3 im Syroh. U statt xai'. 10, 24 hat Syroh. «ukov 63 iati tj-sucov 6 '.pO|3o6[j.svoc tov x'jptov (für x7i oux

latlV 7!JT«iv TIC [XEl^UJV TO'J CprjßrjUfJLEyoU TOV XUplOv). WCltereS ÜbCr

das Verhältnis der beiden s. u. § 8.

23 steht zu Syroh. 253 in ursprünglicher Verwandtschaft, er geht aber auch wohl mit 248 (s. 0. S. LXXVII sq.) und mit SB, besonders aber mit S. Vgl. 23 S Prol. 2 £x y6[xou, Prol. 3 om. douvatxerv (auch B*), Prol. 5 oi für ';dp, d'^a'(^wr^\}^(;, Prol. 6

§ 7. Der griechische Vulgärtext LXXXV

-,oo(3)Ei>i;x-/iv x7.t </.'jtoc i'((o ii. s. w. Anderseits berührt ei' sich auch mit C A imd den Mimiskelu, die einen jüngeren Text re- präsentieren. Für sich allein hat er nur selten die richtige Lesart wie 22, 27 aüiwv, 44, IG oi7vo''ac.

70 steht zu 248 in besonderer Verwandtschaft, er geht al)er öfter in guten Lesarten gegen 248 mit dem Syroh. und seinen nächsten Verwandten. Anderseits hat auch er öfter junge Lesarten. Singular richtig liest er 36, 13: -Xdurjx rxo-jj xctxa tyjv

cUOOXl'cfV aUTOÜ, 46, 5 i-cX7.)v30ra-O '(dp.

Von 106 gilt im Wesentlichen dasselbe wie von 70, nur dass seine Beziehung zu 248 und Syroh. weniger stark hervor- tritt. An guten Sonderlesarten hat er 1, 10 <5oßo'j[i.Evo'.c, 21, 15 aocpÄv, 50, 29 'foßoc.

k nimmt unter den Textzeugen keinen hohen Rang ein, wie schon die Lesarten zu 43, 23. 10, 27. 17, 31 (s. o. S. LXXVlIIs([.) zeigen. Sehr häutig geht er mit den Hss., in deren Gesellschaft er an jenen Stellen erscheint. Gelegentlich berührt er sich dabei auffällig mit 106. Wie dieser stellt er 6, 10b fälschlich hinter 6,12a, 9,4 hinter 9,5. Mit 106 liest er richtig: 6,16 o 90- ßo'jtiövoc xupiov sGpr^cjsi, 12, 12 zupr^azi;. Er liest mit 106 70 falsch: 17, 2 sü' auTorc, mit 106 C 5, 12: £v ko aTOjxati cjo'j. Prol. 1 liest er mit 106 23 slvai für YivssO^t, Pj'ol. 3 lässt er mit Fragm. Hieros. Ticji TÄv, mit 106 Syroh. sv vor sautoic aus. Ueberhaupt übergeht er oft Wörter, die den Satz zu überfüllen scheinen. So 12, 18 xai 20 (106), 18, 13 xoti 30 (155 307), 16, 11 -oSxo (253), 47,4 rjoyi (218 70). Hierbei steht er aber meistens allein. So über- geht er 8, 1. 3 avÜpoWjü, 10, 24 TIC, 11, 13 xai' 2'^, 11, 27 xai', 12,6 xai 1«, 13,7 xaiuJt, 14,6 iaüTov, 17, 19 y.y.(, 51, 16 oXqov. Ferner setzt er 2, 15 Xo^wv für pr^aatojv, 3, 5 r^[iir,a>.: für r/jj-s'.oa, 15, 8 i.'o(oa'.v für li.v/jaUr^aovT'at, 18, 9. 26, 1 i-öiv für 7);i.£pÄv, 25, 11 ^ipcv für u-spißaXsv. Uebrigens hat er kaum irgend eine gute Sonderlesart, wie 24, 12 x^povojxict, 50, 14 ßojjjiov (23), w^as beides richtige Korrektur sein könnte. Zweifelhaft sind auch Fälle wie 6,30 oni. '(dp, 31,31 «tto, 49,7 sx [xr^xpa?. Eichtig und ur- sprünglich ist vielleicht 8, 11 iv a-ou-ai-' aou, w^ahrscheinlich 34, 21 z\j.zarjv TToppto. Uebrigens unter.schcidet er sich von 106 dadurch, dass die Zusätze aus der zweiten Uehersetzung in ihm völlig fehlen,

LXXXVI Kap. III. Die griechische Uebersetzun? des Enkels.

S''*, der erste Korrektor des S, geht zuweilen teils in Suten teils in schlechten Lesarten mit 248 und mit Syroh. Meistens ist er dabei in f^rösserer Geseilschaft. Er hat aber auch viele Sonderlesarten^ die zu allermeist freilich schlecht oder gleichgültig]; sind. Darunter sind augenfällige Korrekturen wie 18; 32 ßaUavTi'tj), 22, 1 eXiöopoX/jOr^, 25, 7 dvuTuovor^ta. Um so be- merkenswerter sind die vortrefflichen Lesarten 10, 10 tctxpov, zu 16, 21 (s. z. St.), 18, 22 xrjv zhyr^v aou, 24, 6 r^Tr^^ocVr^v, 39, 23 opYr^, 41, 11 (s. 0. S. LXXIX), 42,^15 (s. o. S. LXXVI).

307 und 157 gehen ebenfalls zuweilen mit 248 und Syroh. Uebrigens hat 307 manche gute Sonderlesarten wie 3,30 a[xapTiav, 7, 36 epYoic, ibid. om. aou 2^, 10, 31 ev ttXoutu) aöxou, 13, 16 öuvaTTTExai, 13, 22 c sXaXr^ae, 36, 21 suooxiav. Vgl. sonst

70 106: 17,2 add. iraviojv.

70 106 S'^'' 296: 38, 1 om. -vxoXc.

70 307: 35, 14 add. Trpk auTov.

70 106 k 157 A (vgl. 23 254): 31,21 fxejxwixrjixEvr^.

307 geht öfter mit A in Fehlern. Vgl. A 307 : 32, 23 Sixat'tuv (für dotxa>v); A 106 307: 27,29 TiaYtSa.

Darf man den Sirachtext des Syrohexaplaris überhaupt in Beziehung zur Hexapla setzen, dann ergibt sich auch hier, dass SB im wesentlichen einen vorhexaplarischen Text repräsentieren. Denn der syrohexaplarische Text des Sirach steht, wie die Ge- meinsamkeit der sinnlosen Schreibfehler beweist, in ursprünglicher Verwandtschaft mit SB. Ein nennenswerter Einfluss des hexa- plarischen Textes auf SB, namentlich auf B, ist aber nicht zu er- kennen. Allerdings sind BS gegenüber dem der Hexapla zu Grunde liegenden Text stark verderbt. Namentlich hat B sehr viele Schreibfehler; aber dafür ist B auch weniger korrigiert und kaum von anderen Texten infiziert.

An guten Sonderlesarten hat S: 1,22 opyr^, 8,15 ß«puvxi, 22, 6 (JO'fia, 24, 19 add. -rrdv-c,-, 26, 18 --apvoic, 27, 1 oicx'^opou. Vgl. S 157: 37,8 ev kmzm. Dagegen hat B an guten Sonder- lesarten: 36, 19 dpETocXo-j-iotc, 51, 10 uTTspr/favitov. Vgl. B (308): 14,21 £130001?, 32,22 BS«^ (296 308): oixaiV.

C und A weichen von SB vielfach ab, denen gegenüber sie meistens einen jüngeren Text bieten. Nähere Verwandtschaft zwischen C und A beweisen die ihnen gemeinsame Umstellung

§ 7. Der griechische Vulgärtext LXXXVII

43, 24 und die gemeinsame Lücke 5, 2. Mit wertvollen Sonder- lesarten treten sie selten hervor (z. B. A 27, 11 cfo'-pou für su- asßouc, C 1, 14 'foßoc xopiou, 4, 7 sv auva-j-firf^ (?)). Aber A geht zuweilen ohne die anderen Uncialen mit 248 und Syroh. Vgl. oben S. LXXXI. Oefter gehen C und A in guten und schlechten Lesarten mit gewissen Minuskeln.

Zu einander gehören 55 und 254, wie die gemeinsamen Zusätze vor 22,27 und hinter 23,11c, zahlreiche Ueberein- stimmungen sowie manche gemeinsame Fehler und Korrekturen beweisen. So z. B. 16, 9 khrjr^iioi\iiwj:, 16, 14 r.oizX, 18, 1 sv Xoyio •/.al Tof^ct, 19,5 loXh.. Riclitig lesen beide 18,21 ocatlsvrjaai. Vgl. sonst

106 157 55 254: 31,1(3 TicKaioca.xsvoc (schlecht).

23 106 157 55 254: 38,13 süooxta (schlecht).

Syroh. 23 S* 70 106 k 157 55 254: 10, 18 sv -.'Ewr^-xotai (gut).

248 Syroh. 253 23 70 106 157 A 55 254: 48, 10 IXsYjxrk (gut).

248H>arg. 70 106 k 157 CA 296 55 254: 22, 18 /a>axcc (gut).

248 253 23 k 55 254: 51, 19 sT:£vo-/;aa (gut).

Gut liest 254 allein 10, 19 6 ^oßoujjtsvoc, 30, 17 -ov/jp«. Vgl. auch 248 254: 16, 12 om. -0X6?. Oefter springt 55 ab. So z. B. 248 70 Syroh. 55: 44,2 add. sv au-oi? (gut). Vgl. aber auch die Fehler B 55: 40,25 tuv-/; für ßouXv^; 70 307 k A 55: 34,22 hjyji:. Vgl. auch

106 157 A 155 (296 308 vac.) 254: 51, 19 ;xou.

Nahe verwandt sind auch 296 3C8, wie die gemeinsamen Lücken (s. 0. S. LXX) und Fehler wie 13, 21 TrpoaaTroüavsr-at, 38, 9 TTv.psßXaTCTE, 39, 26 xupo; zeigen. Singular gut hat 296 zu 37, 12 £v-oXr/A Ursprünglich verwandt ist mit den beiden 155, der zuweilen allein (z. B. 34, 25 aocpt'Cou), oft mit andern in ihrer Gesellschaft erscheint. Vgl.

A k 55 254 155 296 308: 50, 3 Xa/xoc (gut).

S<=^ 157 A 55 254 155 296 308: 50, 18 iii.t^(alw^ (schlecht).

Zuweilen geht 296, andeiswo auch 308 seinen eigenen Weg (vgl. aber auch S. LXXV). Vgl. z. B.

(248) A (k 55 254 155 296): 43, 17 oiotV/jCfö vr^v (gut).

Oft aber springt 155 ab. Vgl. 70 155: 14, 21 autoi; (für aitr,; 2% 23 155: Prol. 2 s-jvoiav (für avaY'Aocfiv); 23 C 155:

LXXX V ! 1 1 Kap. III. Die giiechiscbe Uebeiaetzung des F^nkels.

20,4 dTTOTrapDivwasv; k C 155: 27, 19 sOp^su; A 155: 20,26 ^zoorjc. Vgl. auch CA 2.3 155 zu 5,2b, CA :>07 155 zu 43,24.

Dabei gehen beide Gruppea auch wohl mit li gegen A. Vgl.

B (106 k 307 55 254 296 308): 15,6 aiwviov (.«chlecht).

(248) Syroh. B (157 k 307 55 254 296 308): 36, 22 izcKuv (schlecht).

Vgl. noch Syroh. 253 S<^^ 296 308: 24,14 h £777.000-; (248 £V7aoi) (gut).

248 70 Syroh. 253 23 8^- 296 308: 27,18 7.-<iXsaEv (schlecht).

Syroh.'"«'- 55 155: 17,8 'ioßov für WOrxl<iv/ (gut).

Das ursprüngliche Verwandtschaftsverhältnis der Hand- schriften ist in hohem Grade durch Korrekturen verwischt Korrigiert sind einerseits 248 und 70 und im Anschluss an sie andere Minuskeln.

248: 24,30 27^ r^ so'f'a 6}; ouupuc.

248 70: 28,14 oicrcfv^; 38,24 ou ao-f is^cjsto!' ; 49, 13 X7.t sv ixAE/TOi? TjV NsEjxt'otc, o'j STTt TioXi» ~o [xyy^ao3ovov O.'J-f/j.

248 157: 10, 10 xotztsi (55 254 i/xo—st); 36, 17 -[>(üto7ovov ojvoiA7.aac.

248 70 157: 28, 15 o-^ar;.

248 70 106: 3,31 xal (6j x6f>ioc (0) ävia-oo-.oooc; 16,19 add. x'jptov.

248 106 157: 23, 7 -^lOc-'^v 3To;j.7.to; <za-/ji}'.vo'j.

Korrigiert sind anderseits auch Syroh. 253 23 (vgl. auch oben S. LXXXIII).

Syroh. 253: 1, 18 av^öaXXei 03 .iv aÜTOi; xupioc sipr^vrjy jxes-TjV t7!ci£(üc; 3, 24 X7i u-ovoia -ov/jpa u))a'(3i>r^cj£v yj oi7'voi7. aoTÖJv; 14, 16 |j,v/jai)9iy<zi C(«y;v; 43,17 auviasi^s 7t,v.

Syroh. 253 23 S: 19,5 Trovripia.

Korrigiert sind aber auch die Uncialen für sich allein: sogar B: 8, 15 y.rl.xo.'^a^J'Wf^-'yx.

Schlimmer ist, dass die verschiedenen Gruppen von Hss. sich durch Korrekturen gegenseitig beeinflusst haben.

248 23: 30,34 raios-a.

248 Syroh. 253: 1, 3()e add. iv 6Xr^\)tirj..

248 Syroh. 253 23: 23, 22.23 aUou. '

248 106 Syroh. 253: 4,25 Trspl 6£'j3a7.Toc 7.-<ztoe'jat7c cjou,

248 70 Syroh. 253 23: 40,9 xai «rjxa hinter po[x'.paia.

§ 7. Der griechische Viiluärtext. T. XXX IX

248 70 lOß Syroh. 253: 1/22 iJoacuo-/;,- ocv/^p.

248 70 253 S«^^ k: 27, 2 XilhWuv.

Einigermassen auf mehrere Gruppen beschränkt ist die Korrektur in einzelnen Fällen:

70 Syroh. 253 23 8'=^ 157 55 254: 15, 15 auv--/j(>r,aat, (248) S-=^B (lOß k 307) CA (155 296 308) yy^Tr^rpv.;.

(248) Syroh. (?) (253) B (55 254 296 308): 42,5 äo-a-iopo-j, 70 23 S 106 k 157 307 C A. 155 oioc'jjopo-j.

S B (307 k 155 296 308): 48, 10 iv asy-xor^ (S h £Ä3y;xo('j)u:), 248 70 Syroh. 253 23 106 157 A 55 254 sXsvjxoc (248 iXsYfxoüc).

S 70 106 k 307: 36,4 zal oG't«)? d-oxpiör^--., B A (155 296 308) X7.1 7.-'-;z,or'i>-/it!, 248 Syroh. 253 23 157 55 254 X7.1 -Jr.z

7.T:0/pti)/)Tt.

Dabei liudet sich aber dieselbe Korrektur an verschiedenen Stellen auf verschiedenen Seiten.

248 70 Syroh. 253 23 S'^'* 106 296: 14, 16 «--r^cjov, dagegen B (157 307 C 55 254 155 308) a-7Tr^3ov (S" a-7.ir/j3ov, A 7.Kor/jaov). Dagegen

Co. B (S k 157 A 55 196): 30, 23 7.77-7, dagegen 70 Syroh. 253^'' 23 ^"'^ C 106 307 254 155 30s 7-777..

Aber öfter finden sich auch Korrekturen nur in einzelnen Handschriften, die ganz verschiedenen Gruppen angehören.

248 23 106 157 307 55 296: 15,12 £rX73£v für i-/.7v-/;asv.

Vgl. ferner Fehler und Korrekturen wie 248 253 106 308: 4,2 -7r.£>.x'ja-(^c; 253 CA: 6,3 '^aXoy (für ^uXov); k 157 B 68: 7,21 7Y7.0OV (für auvctov); 70 CA"- 308: 33,11 xaToizoövrsc (für x7xo'jv-sc); 70 S: 6,18 X^zp'-v (für cro'ft7.v); S 55: 7,33 /7'fii3;xa; ferner in 23 S C k 254 296 die Korrektur zu 10, 31 (s. z. St.).

Unter diesen Umständen ist es fraglich, in wie weit die Uebereinstimmung zwisclien einzelnen Gliedern verschiedener Gruppen in guten und schlechten Lesarten auf ursprünglicher Verwandtschaft oder auf späterer gegenseitiger Beeinflussung beruht 1). So z. B. 248 Syroh. (cf. 23): 35, 9 o^u (^-spovrEc); 248 23: 12,5 ao-j ; 248 23 S^' 157 A C 155 254: 18,32 77,003. 03-/;f)-?,c. Dagegen 248 253: 40,26 sao-to (falsch). Uebrigens ist

') Cod. 70 setzt o, l das richtige xptmv (= Syroh. 253) an falscher Stelle ein. o4,2l ist die gewöhnliche sinnlose Lesart (lEanr.onwv, dagegen hat 248: neaonopüjv Sßsaov, 70,23: Ußeaov, k: s/xeaov nöppiu.

XC Kap. III. Die griechische Uebersetzung dea Enkels.

oben gezeigt, dass nicht nur jode der verschiedenen Gruppen von Handschriften, sondern auch die einzelnen Handschriften aus jeder Gruppe gelegentlich gegen den Consensus aller übrigen Hand- schriften das Kiclitige haben. Daraus folgt, dass der Text sämt- licher Handschriften korrigiert ist und die Rekonstruktion nur auf Grund eines eklektischen Verfahrens möglich ist, für das die Fest- stellung des Sprachgebrauchs und der Uebersetzungsweise ebenso massgebend ist v^'ie die Güte der einzelnen Handschriften.

Dass manche Korrekturen älter sind als alle handschriftliche Ueberlieferung, lässt sich aus dem Lateiner beweisen. Wenn 6, 5 für jn Tctr die Handschriften einstimmig "{krnanrt. s-jaoiao; haben, der Lateiner aber lingua eucharis und Chrysostomus yXüijcta eoyjxpia-ocj so wird s-jagcXoc aus s'j/.^pi? korrigiert sein. 6, 25 hat der Lateiner acedieris für -poao/Oi'crrjC. Danach ist 7.xr,o'.ac>r,c (vgl. 22, 13) zu vermuten. 20, 7 haben alle griechischen Handschriften uTrepßr^as-oii, aber ehe die Korrektur allgemein durchdrang, war der Stichus in einzelnen Handschriften nach 18, 27 übertragen, wo 248 70 106 o-j a-jvrr^pr^aci (= Hebr. Lat. Syr.) haben.

18, 23 steht dem yn: des Hebräers und SjTers beim Griechen OcotuTov gegenüber, nur S*"^ Aeth. haben ttjv su/JjV aou, der La- teiner animam tuam = ty;v 'Vj/t^v aoo. Also ist cjsccjtov zunächst Korrektur für das letztere. 30, 39 hat der Lateiner anima tua für au, nur 248 hat das ursprüngliche r, 'l'jyf^ aou erhalten. Aber 37,8 ist die Korrektur allgemein durchgedrungen, wo alle grie- chischen Handschriften (sv) koLuzm oder Aehnliches haben, dagegen Lat. animo suo, Syr. nJi'c:^, Hebr. 'ivz:{h). 30, 39 haben Lat. Syr. in sanguine animae (tuae) für sv aqxa-i. Hier wird tt^? 'i'^'/Ji^ ^ou gestrichen sein, und dasselbe ist 18, 30. 20, 8. 25, 1 anzunehmen. 48, 20 steht dem -y.yjj £-r;/.o'j3cv a-jTöiv beim Hebr. cnScn h)p2 ysi^'i, beim Syr. nmS!: va^ h}V2, beim Lat. audivit cito vocem ipsorum gegenüber. Wahrscheinlich ist hier rr^g ^wvr^c getilgt. Aehnlich haben Lat. Syr. 17, 7 cor illorum für aüTouc; vgl. dazu auch

19, 15. oiacpopov ist 7, 18 in allen Handschriften, 27, 1 in allen ausser S*, 42,5 in vielen in aototcpopov korrigiert. Aber auch 10, 8 stand ursprünglich oiot'iopa an Stelle von /pr^aa-a. Denn Lat. hat hier diverses dolos, womit /pr^txot-rof ooXia im Cod. 248 und bei Anton. 1012 zu vergleichen ist. Vgl. auch 34, 5 oia- (pOoprzv für oia'fopot. 14, 3 hat für /p-/;;xaTot der Lateiner aurum,

§ 7. Der g:riechische Vulgärtext, XCI

der Hebräer pnn, der Syrer wiaa. Ursprünglich stand hier /puatov. Denn ypr,\Loi.aiv ist auch v. 5 Korrektur, und zwar für dYaOoT?, das dort Syroh. 253 23 in Uebereinstinimung mit Lat. Syr. Hebr. haben, 14, 3 wird der Syrer von der I esart /pr^[X7.Ta beeinflusst sein, wie er auch sonst an manchen Stellen eine starke Ent- artung des griechischen Textes voraussetzt. Dagegen ist es kaum denkbar, dass der Lateiner an allen diesen Stellen der zweiten griechischen Uebersetzung folgte. Das ist für den Fall von 18, 23, von dem die ähnlichen Fälle nicht leicht getrennt werden können, sogar ausgeschlossen. Vollends unwahrscheinlich ist aber, dass alle diese Korrekturen freilich jünger wären als der Lateiner, aber dabei älter als der Archetypus aller griechischen Handschriften. Vielmehr liegt eine durchgehende jüngere Kor- rektur vor.

Bemerkenswert ist noch, dass an mehreren Stellen Ab- kürzungen verkannt oder zu Unrecht angenommen sind. So ist 10, 17 auTwv 1^' Fehler für avw^ = dvOptuTrwv, 4,23 und 40, 7 ist bei (iv xaipto) awTr^pC'a^ beide Mal apictc verlesen aus xp'-o:; = /psia?. 3, 10 haben (248 55 vgl. 155) richtig Ttaxpo? (= -p;) axiixia. Syroh, 253 w; dttix-ra, die übrigen Trpo; dtttxiav.

Kap. IV. Ueber eine zweite griechische Uebersetzung.

§. 8, Ihre Reste,

Die Uebersetzungsarbeit des Enkels liegt allen griechischen Handschriften des Sirach zu Grunde. Abgesehen von dem Aus- fall von etwa 13 15 Stichen (s. o. S.LXXVI) und von einer grossen Zahl von Korrekturen und zufälligen Entstellungen, die der Text früh erlitten hat, liegt sie aber am reinsten in der Gruppe von Handschriften vor, die vom Cod. B geführt wird. Dagegen sind die von Cod. 248 und Syroh. geführten Gruppen von Hand- schriften von einer zweiten griechischen Uebersetzung contaminiert, deren Existenz zuerst Nöldeke vermutet hat. Er schloss auf sie auf Grund einer Dublette von 2, 4b, die sich in einzelnen Hand- schriften hinter 2, 5 findet, von Chrysostomus aber an Stelle von 2, 4b gelesen wurde. Der Syrer stimmt dort im Verbum

X("ll K'U»- 1^'- Uebcr eine zweite ^aüechiscbe Uebersetzung.

mit <lem t;Tiediischen Viilgärtext, übrigens mit der Vuriante, in der Vorlage des lateinischen und des saiiidischeu Uel)er8etzers waren beide Versionen mit einander vermischt (s. z. St.).

Dass es eine zweite griechische Uebersetzung gab, folgt übi-igons schon daraus, dass den rabbinischcn Varianten zu 3,21 griechische und lateinische Varianten in IMbeliiandschriCten und namentlich bei den Kirchenvätern entsprechen. Dem nsSi: (1. sScj) und ^0)2:: (1. pin) der hebräischen Ilandschiift stellen bei den Rabhinen gegenüber und zur Seite h]i: und r\p'\t2);, ebenso dem yalt-oi-cz^joi und t3/upo-öf>a des griechischen Textes die Varianten |xsi^o-3p7., majora, u'l;r//.otsf>o(, altiora, sublimiora, und ßaDuxsfyc«.

Für manche Stellen besitzen wir jetzt aber auch in den hebräischen Fragmenten die secundäre hebräische Vorlage, der der zweite griechische üebersetzer folgte.

16, oc hat der griechische Vulgärtext

7.p£''a3(jL)v '(o.[j zU T/ yjh.m.

In erweitertem Text hat die hebräische Handschrift

f]S«o ^{^^ m^'j; ins irc ':

= Syr. ?i'7S p srni' n;n nn in 2tsi h'c^. Chrysostomus 1, 161. 318. 760. 4,553. 752. 764 hat hinter 3d die Dublette

y.rjX 7.p3t'a3tov zlz TiOiÄv To i>£Arjixrz xupt'o-j Tj «xopioi -apavojxoi.

S'-^ hat vor 3 c die Dublette

xpct'aaojv yap zlc oUrno: -ouov UiXr^ixa xupiou r^ [x'jpioi Ttctpavoixoi.

Anton. 1052 xp£''acja)v st; uto? oi'xaio; ■?; )^i'Xiot utol assSeic.

248 70 haben für 3 c

xp3ia3tov -,'7.p er? otx7.'.o? Tj /iXioi (70 add. 7.jx7.p-(i)).ot).

Lat. nielior est enim imus timens deum quam mille filii impii.

Anderswo sind ein älterer und ein jüngerer hebräischer Text erhalten, die sich beide in der griechischen Textüberlieferung widerspiegeln. 5, 11 hat

Cod. A psM^ in^^ HM

:cjnc Dt^M nri -[isii

Cod. C nzrc ?';)r2]^'Z p:3 nM

:nii:: njyn ray -ns:"

Gr. Ytvo'j "<z/'j? £v 7.xpo7Ciö'. ao'j

xat £y |X7xpoi)i)[xia csös^You aTioxpicriv.

Aber 248 70 setzen hinter aoo hinzu 777i>-/;, Syroh. 253 106

§ 8. Ihre Reste. XCIII

lesen 7.77.!)-?^ für aou^ hinter airoy.piaiv fügen 248 70 Syroli. 253 rjrj\)r^'^ hinzu.

Lat. esto mansuetus ad audiendum Yerbuni iit intelligas,

et ciini sapientia proferas respousuni verum.

Deutlich sind hier griechische Hss. nach jüngerem hebrä- ischen Text bezw. nach einer ihm folgenden griechischen Ueber- setzung korrigiert. Der griechische Vulgärtext und der Syrer stimmen mit Cod. A des Hebräers, nur dass Gr. wohl nyioti^n statt i'^'i^nh voraussetzt.

34, 20 ab finden sich im Cod. B des Hebräers in doppelter Gestalt, von denen die eine dem Griechen, die andere dem La- teiner und Syrer entspricht. Der Lateiner Ivann hier nur auf eine zweite griechische Uebersetzung zurüclvgehn.

Hebr. hhrj mp hv c'Ti ny^f [:)p.\a "lu^zyi ipan cpi

Gr. 'JTTvoc u-i'ts'ja; iz sviipco ij-STpuo, aviat/] izpto'i X7.1 r^ '}"->//// '^■oioo ;xst 7u-o'j.

Hebr. 2'' pni i^'^s [üv ü''n r\):\^

nny wzi:) y2 r; yh\' 22U^' sin]

Lat. somnus sanitatis in honiine parco,

dormiet usque mane et anima illius cum ipso delectabitur.

Syr. rz); n\so''Dm s-qj qj? smis^bm i^D:^

An der Sachlage wird dadurch nichts geändert, dass der Syrer (xm^^'^n) und vielleicht auch der Lateiner (parco) vom griechischen Vulgärtext beeinilusst ist.

Auch 35, 22 ist hebräisch in doppelter Gestalt erhalten, das eine Mal mit -[n'inxa (= Gr. 7.-0 zötv xsxvtov crou), das andere Mal mit -j^rmsa (= Syr. -nmiSD). Die Vulgata liest a filiis tuis, aber Brev. Moz. 239 a viis tuis. In diesem Fall haben Syr. und Brev. Moz. sogar die bessere Lesart. Dagegen liest Cassiodor 11,28 (s. d.) mit dem Syrer und der hebräischen Variante gegen die Vulgata, den Griechen und die ältere hebräische Lesart. 37, 10 hat für ytin nv Syr. "SiM, Gr. jj.£T7. tou utto- ßXs-ojxevou az, Lat. cum eo qui tibi insidiatur, aber Codd. Sang. Corb. Tlieoder. cum socero tuo. Wenn die gegenwärtige griechische Lesart nicht etwa auf Korrektur beruht, ist auch hier eine

XCIV Kap. IV, Ueber eine zweite griechische Uebersetzung.

jüngere Uebersetzung im Spiel, die jj-sTa Trsvöspoo aou ver- standen hatte.

In Betracht kommt für die zweite griecliische Uebersetzung aucli die Uebereinstimmung des Syrers mit eiozelneü griechischen Hss. an Stellen wie 10, 14. 15. 20, 14. 21, 14. 23, 2. 25, 26. 26, 8. 29, 10. 29, 19. 30, 23. 33, 2 oder mit dem Lateiner wie 26, 3 (und oft; vgl. unten § 14) oder mit griechischen Vätern wie 5, 12. 1, 5. 16, 3. Da der Syrer stark vom Griechen beeinflusst ist (s. u. § 12), so besteht hier freilich bei schlechten Lesarten die Möglichkeit einer innergriechischen Korrektur auf Seiten der Variante und bei guten Lesarten wie 10,14.15. 25,26 die Möglichkeit einer Entartung für den griechischen Vulgärtext.

Augenscheinlich sekundär sind ferner 11, 15. 16, die im Cod. A des Hebräers, den Codd. 248 70 106 Syroh. 253 23 des Griechen, dem Lateiner und Syrer vorliegen. Die genannten griechischen Handschriften folgen da der zweiten griechischen Uebersetzung. Ebenso steht es mit 16, 15. 16, die ebenfalls im Cod. A des Hebräers, in den Codd. 248 106 des Griechen und im Syrer sich finden^).

Auf eine zweite griechische Uebersetzung sind aber über- haupt oder wenigstens der Hauptsache nach die ungefähr 150 Stichen zurückzuführen, die in einigen griechischen Hss., nämlich in 248 70 106 S ^-"^ Syroh. 253 23 55 254 C, überzählig sich finden'"^). Im Syrer kehren von diesen Stichen 32 (an vier ver- schiedenen Stellen wieder), für sich allein hat er dabei ein Plus von etwa 37 Stichen^). Der Lateiner hat von den im Griechen überzähligen Stichen 33 (an 18 verschiedenen Stellen) übersetzt, für sich allein hat er daneben ein Plus von sehr vielen Stichen.

^) In dieselbe Reihe von Erscheinungen gehört wohl auch, dass in teilweisem Anschluss an den gegenwärtigen hebräischen Text die Codd. 70 106 Syroh. 253 23 55 264 B'^ ""«""s. 68 Aid. hinter 30,20 den Stichua 20,4 b wiederholen.

-) In den verschiedenen Hss. kommen sie in sehr verschiedenem Masse vor. In 248 finden sich: 123, in 70: 106, in 106: 68, im Syroh.: 36, in 253: 30, in S^«: 11, in 23: 11, in 65: 10, in 254: 5, in C: 1. Ausser Rechnung lasse ich hierbei diejenigen Stichen, die nur zufallig im Yulgärtext fehlen. Allerdings finden sich auch diese Stichen zumeist nur in denselben Hss., die an dem Plus der 150 Stichen beteiligt sind. S. darüber oben S. LXXVI.

*) D. h. einschliesslich der 24, die er an Stelle von 1, 22 27 bat.

§ 8. Ihre Reste. XCV

Ausserdem finden sich in denselben griechischen Hss. am Schluss^) vieler anderer Stichen wie z. B. 5, 11 kürzere Zusätze, die oft nur i]i einem Worte bestehen und den Sinn des Satzes genauer präzisieren. Auch diese Zusätze kehren meistens im Lateiner, seltener dagegen im Syrer wieder. Beide haben dabei wiederum kürzere Zusätze für sich allein. Uebrigens kommen sowohl die längeren als auch die kürzeren Zusätze im Griechen fast nur in c. 1—26 vor.

Dass alle diese Zusätze mehr oder weniger unecht sind, liegt auf der Hand. Wenn 248 70 Syroh. (253) hinter 1, 28 a beifügen Ivos);; <«y, so ist das offenbar falsch. Wenn 248 70 106 hinter 5,4b ou \iq az a.Yr^^ hinter 5,5a h -XEovactat«, 248 Syroh. 253 hinter 3,21a dvctw^Ttuc, hinter 3,21b acppoa'jvri bei- fügen, so ist das alles teils widersinnig teils lächerlich'-). Aus der Sinnlosigkeit dieser Zusätze folgt aber nicht, dass sie le- diglich griechische Interpolationen sind. Es scheint vielmehr, dass der zweite Uebersetzer seinen Vorgänger nach Art eines Interpolators auf Grund eines erweiterten hebräischen Textes korrigierte. 5, 11 sind d-^rx^f^ und opOr^v ebenfalls gesclimacklose Glossen, aber sie gehen auf einen jüngeren heliräischen Text zurück (s. 0. S. XCTI). Mit den überzähligen Stichen wird es im Allgemeinen nicht anders stehen. Zumeist stören sie den Zusammenhang, sie heben sich aber auch nach Inhalt und Form vielfach von dem übrigen Buche ab. Für 11. 15. 16 uud 16, 15. 16 ist der hebräische Urtext jetzt vorhanden, für viele andere Stichen lässt er sich aus inneren Gründen erweisen und für die grosse Mehrzahl, wenn nicht für alle, höchst wahrscheinlich machen.

Hierfür kommt in Betracht, dass im Syrohexaplaris die überschiessenden Stichen, ebenso aber auch die kürzeren Zusätze

') Nachträglich können sie hin und wieder iimgestellt sein; so steht 6, 37 reXeeiug in Syroh. 253 mitten im Stichus.

2) Selten sind die kleineren Zusätze gut oder wenigstens erwägenswert. So wird 10, 25 am Schluss naideuofiEvoq (nach 248 70 Lat. Syr. Hebr.) an- zunehmen sein, ebenso 19, 15 ^ xapdia aou (nach 248 106 Syr.J und 25, 26 diSou xal dnöHuaov (nach 248 Syr.) unter Streichung von ad-r^v. Fraglich bleibt immerhin, ob die Verkürzung im griechischen Vulgärtext der Text- überlieferung oder schon dem ersten Uebersetzer zur Last fällt. Vgl. auch 36, 28 xal XaaiQ (248 70).

XCV^I Kap. IV. Ueber eine zweite griechische Uebersetzung.

mit Asterisken bezeichnet sind. Denn diese Asterisken müssen jedenfalls nach Analogie der übrigen Hexapla gedeutet werden, mag der syroliexaplarisciic Siracli nun auf Origenes zurückgehen oder niclit (s. o. S. LXXIII). Sie bedeuten dann aber nicht, "wie A. Schlatter') stillschweigend annimmt, ein Delendum, sondern ein Addendum. Sie führen auch nicht Zusätze aus beliebigen Handschriften ein, sondern das Plus einer anderen griechischen Uebersetzung des Siracli, die auf einem erweiterten hebräischen Text beruhte. Vielleicht hat der Redaktor des liexaplarischeu Sirach einen solchen hebräisclien Text selbst noch gekannt und ihn bei Aufnahme der Zusätze als Massstab benutzt. Zum wenigsten wii'd man aber annehmen dürfen, dass er den er- weiterten griechischen Text als eine bestimmte Rezension kannte, die er für authentisch hielt. Merkwürdiger Weise enthält nun aber der Syrohexaplaiis von den in den griechischen Hand- schriften erhaltenen überzähligen Stichen nur ein Viertel (30), indessen hat er sie (abgesehen von der Variaute zu 9,9 a) alle bis 13, 25 incL, von da ab keinen einzigen, (abgesehen von den Schlussworten 50, 29). Uebrigens gibt er 10, 19a-c nach der Uebersetzung des Enkels, den vierten Stichus aber nach der jüngeren. Es fragt sich nun, ob der Redaktor seiner griechisclien Vorlage seine Aufgabe so unvollständig durchgeführt hatte oder ob sein Werk dem syrischen Uebersetzer in dieser Beziehung unvollständig vorlag-). Denn dass der Syrohexaplaris hinter

') Beiträge zur Fördenmg christlicher Theologie Jahrgg I, lieft 6. 6, Gütersloh 1897, S. 103 ff. Schlatter hielt die Zusätze für griechischen Ursprungs und leitete sie von dem jüdischen Philosophen Aristobulus und seiner Schule ab. Vgl. Valkenaer, diatribe de Äristobulo (Liigd. Bat. 180r.), und dagegen auch Theol. Lit. Ztg. 1900, 387 ff. Der hebräische Urtext von 11,15. 16. 16, 15. 16 war, als Schlatter schrieb, noch nicht bekannt.

^j So könnte z. B. 10, 19 leicht eini; nachträgliche Kürzung angenommen werden. Uebrigens sind die Asterisken im Codex Ambrosianus unordentlich gesetzt. Sie fehlen vor den überzähligen Stichen 1,5. 1,7. 1,12 (zum Teil) 2, 4. 2, 9. 5, 7. 10, 21. 12, 6. 13, 25. 50, 29, ebenso vor den kleineren Zusätzen 1, 28. 2, 4. 3, 6. 3, 28. 4, 8. 6, 37 u. ö. Die Metohelen