S LIA K E ei ` A D436

N

ve.

D

A

y

` Sr

u

net

o

Ivereitis

`

t

1I ie 7 zm

Pe

nil

A

p

-

` a + z “ri n $ d e ` EN Nm SREP

guh

ge

s

t

Pa

raus

z"

lak

à

a

"MG

rar

)

ra

t

e

{i

r

maje

> 3 zéie? ir, ASA

es

d

f

-

ei

ë

he

¥

re DE

- Sa gw

un

AE Eet

a MV:

GA e ZE wee

re ze rg

we = `

e

Inhalt.

Seite Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. Von P. Lessiak l Da beißt keine Maus einen Faden ab Von Othmar Meisinger . . . .....24 Beiträge zum obersächsischen Wortschatz. Von Ernst Göpfert . . .... 26 Aus dem neumärkischen Wortschatze. Von Hermann Teuchert. . . . .55. 118 Entgegnung. Von Carl Moller, e, 8B Schlußwort. Von Ludwig Hertel. e, 08 Die Mundarten des Großherzogtums Hessen. Von Hans Reis . . . . 97. 193. 289 Rätsel aus der Eifel. Von Peter Wimmert. . . 2. 2 2 2 non. 20.0.0. 170 Scherzreime aus dem Volksmund der Eifeler Mundart. Derselbe. . . . . . 172 Lexikalisches aus Zaisenhausen. Von Emma Wanner . . 173

Det Vokalismus der Mundarten des Oberen Weschnitztales. Von H ein Pich We Ee 239 335 Einfluß des Polnischen auf Aussprache, Schreibung und formale Gestaltung der deut-

schen Umgangssprache in Oberschlesien. Von Hugo Hoffmann. . . . . 264 Zur Entwicklung von ahd.@ im ÖOstfränkischen. Von Friedrich Veit . . . . 279 Zum Satzsandhi im Egerländischen. Von Josef Schiepek . . 20.280 Nachlese zum Wortschatz der Zwickauer Mundart. Von Oskar ist < s a -351 Die Hilfsverba in der Lüsner Mundart. Von Georg Prosch. . . E Hessische Ortsnamen in mundartlicher Gestalt. Von Wilhelm Schoof . . . 369 Zur Nürnberger Mundart. Von Wilhelm Horn . . . aaa a a 372 Umfragen von Philipp u

Presaun . . . Se A ee tz ee. 00

1. Stantepe, 2. kumpas EECHER,

Kam mme, ` "Nr ër A E fb, NN e ër DB

Bücherbesprechungen: Franz Dietzel, Die Mundart des Dorfes Wachbach, bespr. von Friedrich

Veit .... 90 Emanuel Friedli, Bärndütsch als Spiegel eet Volkstums, en von

Othmar Meisinger. . . 93 Wilhelm German, Haller Doovelich, ‚Asch Gäwele, ke von Olimar

Meisinger . . . . 94

Arno Schlothauer, Dear Rühler Kirchönskriet, opt von A. Fuckel , , 94 Albert Heintze, Die deutschen Familiennamen geschichtlich, geographisch,

sprachlich, Bess von Julius Miodel . , en AE Wilhelm Carstens, Dat Sassenland, bespr. von H. Teuchäft e A a de Konrad Höfer, Gedichte in Coburger Mundart, bespr. von L. Hertel . . 180 J. R. Bünker, Schwänke, Sagen und Märchen in heanzischer Mundart, bespr.

von Friedrich Veit . , 18

2074097

IV

August Seemann, Tweilicht, en drüdd’ ZS plattdütsche Gedichte, bespr. von Ed. Kück .

Emil Gerbet, Grammatik der Mundart des Vogllanden. Bl von J asel Schiepeck . i

L. Sütterlin und K. Martin, Grundriß der dentächen. Sprächlelire für ii unteren Klassen höherer Schulen, bespr. von O. Weise

Sporgel (E. Daube), Noch Feierohmds, bespr. von O. Weise

E. K. Blümml, Quellen und a zur deutschen Volkskunde, ege von Egeter p oa a n g

M. Schmerler, EE ae von E. Göpfert

G. Heeger und W. Wüst, Volkslieder aus der Rheinpfalz, SE von EE Meisinger . . .

Richard Müller, Die Budderbärwel vun Diefedhal, Bene. von Other Meisinger . De nee A ie ee E E E e a

E. K. Blümm!, Quellen und Forschungen zur deutschen Volkskunde, bespr. von Othmar Meisinger . Eee ee Br er a a

Joh. Phil. Glock: Breisgauer Volksspiegel, bespr. von Othmar Meisinger

Alfred Baß, Deutsche Sprachinseln in Südtirol und Oberitalien, bespr. von L. Hertel >.

Otto Böttinger, Rühler Schnorrpfüffen, beat von L. Hertel ;

R. Michel und G. Stephan, Methodisches Handbuch zu nen Gate von O. Weise . TET OEE

Robert Pöschel, Es Bildet: ie Bilder, Pong von o Weise .

R. Pestalozzi, Syntaktischie Beiträge, bespr. von o. Weise

bucherschaur., e, Ee e E A e e a a e, 188:

Zeitschriftenschau . 2 a 189.

Inhalt.

Seite

183

Lautschrift

der

Zeitschrift für deutsche Mundarten.

Um der Einheitlichkeit willen und zur Erleichterung des Satzes empfehlen die Herausgeber den Gebrauch der nachfolgenden einfachen Lautschrift. Es bleibt jedoch den Herren Mitarbeitern unbenommen, wenn sie triftige’ Gründe dazu haben, von der hier gegebenen Richtschnur im einzelnen abzuweichen und andere Zeichen zu gebrauchen. Über einige Punkte wird sich überhaupt nicht so leicht eine Einigung erzielen lassen, so über die Bezeichnung der süddeutschen stimmlosen Verschlußlaute b, d, g. Bei beabsichtigter Verwendung von weiteren Lautzeichen wolle man sich an die Herausgeber wenden.

Große Anfangsbuchstaben bitten wir bei mundartlichen Wörtern und in mundartlichen Texten nicht zu verw Dee auch nicht bei Eigen- namen und im Satzanfang.

Vokale.

Kürze bleibt unbezeichnet. Länge ist durch Doppelschreibung zu bezeichnen: aa, ee, ii, 00, Uu usw.

è geschlossenes z. å dunkles a. t offenes z. o geschlossenes o. e geschlossenes e. o offene o e offenes e. u geschlossenes u. æ sehr offenes e. 4 offenes u. a gewöhnliches, reines a.

Mischvokale. ü geschlossenes č. ö geschlossenes ö. i offenes ü. ö offenes ö.

Uberkurze Vokale. Ai v (d. h. die Umkehrung von 2, e, œ, a). Man vermeide die An- wendung von kleinen Vokalzeichen, sei es auf, unter oder über der Linie.

Doppelvokale

sind nicht durch Bindestriche auseinanderzureißen, man schreibe also nicht etwa kle-: (Klee) oder gar kle-', sondern klei.

Genäselte Vokale

werden vor erhaltenem n, ng, m nicht als solche bezeichnet, andern- falls durch beigesetztes kleines ”, z. B. wat” = Wein (rheinfränkisch), Hoon = klein.

Bei Doppelvokalen und langen Vokalen wird die Nasalierung nur einmal bezeichnet, also wai”, nicht wa”:”; klaa”, nicht klarar.

Konsonanten.

p, t, k stimmlose ungehauchte Verschlußlaute. ph, th, kh stimmlose gehauchte Verschlußlaute. b, d, g stimmhafte Verschlußlaute. m, w (Lippenlaute), / (Zahn- u. Lippenlaut, stimmlos), v (Zahn- u. Lippen- laut, stimmhaft); s (stimmlos), x (stimmhaftes s), & (stimmloses sch), Z (stimmhaftes sch), 5, n, Ge (= nhd. 2); y (Kehlnasenlaut), & (ach - Laut), z (stimmhafter Kehlreibelaut), c (vck-Laut); Zungen- und Zäpfchen -r können unterschiedslos durch r wiedergegeben werden, nötigenfalls wäre zwischen r (Zungen-r) und r (Zäpfchen-r) zu unterscheiden; ?! (dunkles ! kann durch t bezeichnet werden); A. Tonzeichen.

Haupttonzeichen ’, Nebentonzeichen ‘. Weitere Abstufungen bleiben unbezeichnet. Bei Längen kommt das Tonzeichen auf den ersten Vokal, also da, &e usw.; ebenso bei Doppelvokalen: di, au, dai, ou usw.

Silbenbildende Konsonanten werden als solche in der Regel nicht gekennzeichnet.

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer.

Von P. Lessiak. B) Das Gail- und Lesachtal nebst angrenzenden Gebieten.

Meine zweite Studienreise zur Erforschung der kärntnerischen Mund- arten unternahm ich im Sommer 1906; verschiedene dringende Arbeiten haben die Abfassung des Berichtes um fast zwei Jahre verzögert. Dem deutschen und österreichischen Alpenvereine, der mir auch diesmal eine Unterstützung zuteil werden ließ, sei auch an dieser Stelle der Dank aus- gesprochen. | |

Wie im Vorjahre wählte ich das »Untere Drautal« als Ausgangs- punkt für meine Kundfahrt, nur ging’s diesmal in z. T. entgegengesetzter Richtung von Paternion durch den Stockenboier Graben nach dem Weißen- see, von da durch das Gitschtal nach St. Hermagor, sodann die Gail ent- lang bis in ihr-Quellgebiet. Das bereits zum Pustertal gehörige Kartitsch wurde mitgenommen, ebenso hatte ich Gelegenheit Leute aus Sillian und Vilgratten zu hören und ihre Sprechweise mit der der oberen Lesachtaler zu vergleichen.

Mein Weg durch das Lesach führte mich auch an den Ruinen der alten Liesinger Mühle vorbei, der Geburtsstätte Matthias Lexers, die vor Jahren der wilde Gießbach zerstörte. Sein »Kärntisches Wörterbuche, das ja hauptsächlich auf der Ma. des Lesachtales fußt, hat mir auch diesmal treffliche Dienste geleistet, und zum Ruhme des Verstorbenen sei hervorgehoben, daß er, wie ich mich überzeugen konnte, die ver- schiedenen lautlichen und formellen Merkmale seiner Ma. (von einigen Mängeln hinsichtlich der Umschrift abgesehen) in äußerst zuverlässiger Weise wiedergegeben hat.

Zunächst einige Vorbemerkungen zur Geographie und Siedlungs- geschichte des Bereisungsgebietes. Das Tal der Gail zerfällt geographisch in zwei ungleiche Teile, von denen der untere etwa ?/,, der obere !/, der Gesamtlänge umfaßt. Bis Kötschach-Mauten ist es breit und ge- räumig, die Hauptorte liegen durchweg in der Talsohle. Unmittelbar hinter den genannten Ortschaften schließen sich die beiden Gebirgsketten, die Karnischen und Gailtaler Alpen dichter aneinander, das Tal wird schluchtartig, die größeren Siedlungen sind alle am sonnseitigen Hange

Zeitschrift für Deutsche Mundarten. 1V. 1

2 P. Lessiak.

verstreut; erst an der tirolischen Grenze erreicht das Flußbett ungefähr wieder die Siedlungshöhe. Dieses verschiedene Gepräge kommt auch in der Benennung zum Ausdruck: nur der untere Teil bis Kötschach heißt Gailtal, der obere führt die Bezeichnung Lesach oder Lessach (wohl aus slow. v lesah »im Gehölze«). Etwa in der Mitte des eigentlichen »Gail- tals« mündet ein ziemlich weites Seitental ein, das Gitschtal, von welchem ein mäßiger Paß nach dem Weißenseebecken hinüberleitet, das die Ver- bindung mit dem Drautal herstellt; der Abfluß des Weißensees durch- strömt den »Stockenboier Graben« und mündet in die Drau.

Die Hauptverkehrspunkte für das oberste Gailtal und das kärnt- nische Lesach sind die Märkte Kötschach und Mauten, für das mittlere Gailtal und das Gitschtal St. Hermagor. Das tirol. Lesach gravitiert nach dem Pustertal (Sillian), das Weißenseebecken nach dem »Oberen«, Stockenboi nach dem »Unteren« Drautal.

Das Gailtal gehört zu jenem ‚Winkel Europas, wo die geschlossenen Sprachgebiete der drei europäischen Hauptsprachstämme, der Germanen, Romanen und Slawen, aneinanderstoßen. Das untere Tal von St. Hermagor abwärts ist vorwiegend slowenisch; im Süden jenseits der Reichsgrenze, die über den Kamm der karnischen Alpen läuft, sitzen Rhätoromanen, daneben allerdings verstreut auch Deutsche in den drei Sprachinseln Tischelwang, Bladen und Zahre. Windischen und welschen Einschlag, wenn auch nur in geringem Maße, weist der Wortschatz auf, und die Ortsnamen lassen keinen Zweifel darüber übrig, daß auch da, wo jetzt die deutsche Sprache erklingt, Romanen und Slawen gesessen hatten. Eine noch ältere, vielleicht keltische Namensschicht zeigt, daß auch diese nicht die ersten Besiedler waren. Die geschichtliche Entwickelung war anscheinend die, daß die »Urbevölkerung« zunächst verwelscht, sodann nach der Slaweneinwanderung im 7. Jh. slawisiert wurde. Während aber die Winden im Drautal bis über Lienz hinaus vordrangen und auch das Iseltal besetzten, so scheinen sie im Flußgebiete der Gail über die heutige kärntnische Grenze nicht hinausgekommen zu sein. Wenigstens habe ich jenseits der Landesmark in den beiden tirol. Gemeinden Ober- und Unter- Tilliach unter mehr denn 200 Orts-, Flur- und Bergnamen, die ich mir auf- zeichnete, keinen einzigen gefunden, der mit Sicherheit als slawisch zu deuten wäre, wohl aber eine sehr große Anzahl romanischer Herkunft. Aus der Bezeichnung »Windischtal« für ein in der Richtung gegen Lienz verlaufendes Gebirgstal scheint mit großer Wahrscheinlichkeit hervorzu- gehn, daß Tilliach bereits deutsch war, als im Lienzer Becken noch Slo- wenen saßen.! Während in Tilliach slawische Namen fehlen, stößt man auf solche bereits in den kärnt. Grenzorten Luggau und St. Lorenzen; sie nehmen talabwärts in dem Maße zu als die romanischen seltener werden, die von Kötschach an fast ganz verschwinden. Da ich über eine vollständige Sammlung der Lokalnamen, vor allem der Flurnamen

1 Freilich kann auch Übersetzung der urspr. romanischen Benennung vorliegen.

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. 3

nicht verfüge, vermag ich das genaue Verhältnis der deutschen zu den fremdsprachigen Namen nicht festzustellen, doch ist der Hundertsatz der nichtdeutschen Ortsbezeichnungen ein auffallend größerer im Gailtal als im Lesachtal; daraus ergibt sich, daß zur Zeit der Eindeutschung das Gailtal eine dichtere slawische Bevölkerung besaß, die den älteren roma- nischen Bestand wohl restlos aufgesogen hatte, während das Lesach jedes- falls schwächer besiedelt war und die Tilliacher Gegend ausgenommen sich vielleicht noch im Zustand der Slawisierung befand, d. h. noch sprachlich gemischt war. Später als das Gailtal scheint das Gitschtal ein- gedeutscht worden zu sein; dafür spricht das wenig veränderte Gepräge der slowenischen Namensformen.

Ich habe diese Verhältnisse etwas ausführlicher dargestellt, weil sie vielleicht geeignet sind, einiges Licht zu werfen auf die im folgenden erörterten ma. Verschiedenheiten. Im Schlußabsatz komme ich nochmals darauf zurück.

Bei der Besprechung der sprachlichen Erscheinungen halte ich, um die Vergleichung zu erleichtern, im allgemeinen dieselbe Reihenfolge ein wie in meinem ]. Beitrag zur alpenländischen Dialektgeographie, s. Jahrg. 1906 dieser Zs. 308 ff. (als Abkürzung dafür gebrauche ich A Dg I).

1. Silbentrennung, Quantität, Lenes und Fortes.

Die Maa. des Bereisungsgebietes zerfallen in zwei große Gruppen: der Osten, umfassend Stockenboi, die Umgebung des Weißensees, das Gitsch- und Gailtal, hat in Übereinstimmung mit den übrigen kärnt- nischen Maa. (ausgenommen das Katschtal, s A Dg 1, S. 309) die Ge- minaten von Reibelauten durchgehends aufgegeben (wonach auch die urspr. Fortis zur Lenis wurde) und die voraufgehenden kurzen Vokale gedehnt, z. B. foosn fassen, wopsn waschen, gagriifn gegriffen, lpphn (looxn) lachen. Ebenso ist hier nach Vereinfachung der Doppellaute l, nn, rr die gemeinbair. Dehnung eingetreten: fopla Falle, pfoona Pfanne, naar:i$ närrisch. Der Westen dagegen, also das Lesachtal und weiterhin das Pustertal, sind diesbezüglich auf der älteren Stufe stehen geblieben, d. h. sie haben die Geminaten sämtlich gewahrt, demnach: fossn, gigriffn, pfonne, narri$ usw. Doch macht sich im unteren Lesach bereits der Einfluß des »längenden« Nachbargebietes bemerkbar. So hörte ich in Strajach und St. Jakob eine Reihe von Ausnahmen wie: wmeeisn messen, meeiso Messer, kheeisl Kessel, pfeeifo Pfeffer, leeifl Löffel, 3ieeihn stechen, khoouhn kochen u. a.; vor š ist indes die Kürze ausnahmslos bewahrt. Im mittleren Lesach, von Kornat aufwärts, sind diese Dehnungen ganz vereinzelt, im oberen, von St. Lorenzen ab, verschwinden sie völlig. Das untere Lesach befindet sich auch insofern in einem Übergangszustand, als hier in Fällen, wo die Dehnung unterblieb, keine ausgeprägten Gemi- naten mehr gesprochen werden. Der Konsonant ist zwar lang, doch fällt die Silbenscheide vor denselben: 39-ffn, flo-$3e usw.

]*

4 P. Lessiak.

Bei vorausgehendem langen Vokal ist die Vereinfachung der ur- sprünglichen Doppelkonsonanz allgemein, also: stroose Straße, Sloofn schlafen. Auf kärntnerischem Boden fällt der vereinfachte Konsonant mit der alten Lenis in einen Laut zusammen, der zwar als Lenis zu be- zeichnen ist, aber doch etwas kräftiger gebildet wird als die Tiroler Lenes. Das s in loosn (mhd. läxen) hat somit dies:lbe Stärke wie das in loousn (mhd. losen) Nicht so jedoch in Tilliach, wo die alten Lenes. und diese vereinfachten Laute genau auseinander gehalten werden: letztere bleiben Fortes, während die alten Lenes (k ausgenommen) stimm- haft gesprochen werden. Man macht hier also denselben Unterschied wie in Kals und Defereggen (vgl. A Dg I, 399). Demnach: štroo-sse, taa-ffe Taufe, sui-xen suchen, aber wooze »Wasen«, Rasen, ouvn Ofen, stooxl Stahl. In einzelnen Wörtern ist Verkürzung des langen Vokals eingetreten, wobei die Geminata erhalten blieb: los-sn lassen, rax -gxn rauchen, ner-xa nachher, auch kxaf-fn neben kraa-ffn bekam ich zu hören; solche Kürzungen begegnen vereinzelt auch im kärnt. Lesachtal. Die stimmhafte Aussprache der alten ungeminierten Reibelaute beschränkt sich in unserem Gebiete auf die beiden Gemeinden Ober- und Unter- tilliach; in dem westlich davon gelegenen Kartitsch sowie in Sillian spricht man stimmlose Lenes, mit denen die Fortes nach Länge zusammengefallen sind, wie im kärnt. Lesach. Nach Konsonanten hingegen sind die Fortes im ganzen Lesach- und Pustertale bewahrt: werffn usw.

Vor den Verschlußlauten », % ist im Inlaut die Vokalkürze im größeren Teil des bereisten Gebietes gewahrt wie fast in allen Kärntner Maa. Am Weißensee und im Gitschtal jedoch wird auch hier gedehnt; khnoopm Knappen, 3neeke Schnecke. Das untere Gailtal bis gegen Kirch- bach hat in diesem Falle Halblänge, im oberen herrscht Kürze, doch ist der Konsonant ungeminiert, Geminaten (krnop-pın, Snek-ke) begegnen erst wieder im Lesach. Aspir. k (kh, kx) wird wie Doppelkonsonanz be- handelt, d. h. die Kürze bleibt durchgehends erhalten, doch fällt im Osten die Silbengrenze vor den Konsonanten: gailtal. Ste-khn gegen lesachtal. Stek-khn oder $Stek-ken. Vor t (gleichgültig ob urspr. £ oder tt) herrscht in Stockenboi Kürze nach ż, ferner vor ausl. -er, -el, z. B. šlitn Schlitten, foto Vater, sotl Sattel, dagegen khuutn Kutte, spooutn spotten usw. Am Weißensee und im Gitschtal wird vor Z ausnahmslos gedehnt; im Gailtal herrscht vor ? meist Länge, nur bei :, « in gewissen Fällen Halblänge. Das Lesachtal hat wie das tirol. Isel-, Drau- und Pustertal den alten Unterschied zwischen ź und tt bewahrt: gisniitn : hitte. Nur vor fol- gendem -er ist auch für £ Geminata eingetreten: putto Butter, weẹtto Wetter, litto Liter usw., sogar nach (erhaltener) Länge: nootto Natter.

Ebenso wie bei £ ist im östl. Teile auch bei m eine jüngere Re- gelung der Quantitätsverhältnisse durchgeführt worden: Stockenboi hat wie die meisten mittelkärnt. Maa. Kürze bei vorauszehendem «, ọ, 0, z. B. sumn, tom» (mhd. jämer), Soman schämen; außerdem unabhängig von der Vokalqualität vor -el: seml, himl (wofür soust -mbl, sembl usw.). Weißensee,

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. 5

Gitschtal, unteres Gailtal haben ausnahmslos gedehnt: pruuman brum- men usw. Das obere Gailtal kennt wieder wie Mittelkärnten Kürze bei gerundeten Vokalen. Das Lesachtal hat den etymologischen Gegensatz zwischen einf. Laut und Geminata gewahrt, vor einf. m ist natürlich Dehnung erfolgt: $oomen, Suumin schämen, dag. prummin usw. Nur hat die Geminata eine Bereicherung erfahren, indem (wie £) auch m vor folgendem -er verdoppelt wurde: summo Sommer, hommo Hammer, 20mmo Jammer usw. Dazu kommen noch einige weiteren Beispiele wie ummase Ameise (u weist auf urspr. @), khemmin kommen, nemmin nehmen.

Vor inlautender Doppelkonsonanz bleibt, wie bereits angedeutet, die Vokalkürze erhalten. Die Silbentrennung ist bei den einzelnen Konso- nantengruppen verschieden, und die einzelnen Maa. zeigen mancherlei Abweichungen. Ich möchte nur bemerken, daß die Gruppen Verschluß- laut + Reibelaut und Reibelaut + Verschlußglaut mit kk, kx parallel gehen: im Osten šwe-štr, šta-pfl mit schwach geschnittenem Akzent, im Westen šweš-to, štap-pfl mit stark geschnittenem.

Vor r + Zahnlaut ist häufig Dehnung eingetreten, vgl. lesacherisch goorte Garten, Soorte Scharte (Tilliach Sorte), woortn warten, geerste, eeorde, feearin im Vorjahre, weeorn werden, dag. porte Borte, wörto Wörter, girl, wurtse usw. Der Gegensatz von Tilliacherisch geeorn, Sieeorn, weearn werden, eearde, veeste Ferse: paar Bär, 3maar Schmeer, gaarste Gerste usw. läßt darauf schließen, daß zwei Dehnungsperioden zu unter- scheiden sind; die eine hatte statt vor dem Eintreten des Wandels von E>a, die andere nach demselben. Das gleiche gilt für Gottschee, vgl. Tschinkel, Gram. d. Gottscheer Ma. § 102, 1d.

Anm. In der Verbindung rs ist s allgemein zu $ re und zwar erscheint es als Lenis (in Tilliach als £) in germ. Wörtern wie Ferse, Hirse, Mörser, ferner in dem vor der zweiten Lautverschiebung entlehnten Pfirsich; in der Regel wird der vorausgehende Vokal dabei gedehnt. Da- gegen als Fortis in späteren Lehnwörtern wie pirschen, Ursula, Bursche, ferner (für urspr. z) in Hirsch. Wenn auch das vor der hd. Verschiebung übernommene Kirsche (khersse) Fortis hat, so beruht dies auf urspr. Ge- mination des s (keresła > kersse). Denselben Unterschied kennen mittel- bairische Maa. und das Gottscheeische, vgl. bei Tschinkel kharssa, urssl gegen überrear2a, hürfa, pfärZaix, möfar Mörser. In Fällen wie khersse ıst also das »s« mit dem aus sk hervorgegangenen $ wie in »forschen« zusammengefallen, ebenso wird es auslautend durchweg zu 35 (Tilliach or$ gegen pl. ar!e). Daß mit dieser verschiedenen Vertretung der Gegen- satz zwischen rsch und rs in der nhd. Orthographie zusammenhängt (Kirsche, pirschen, Bursche, Hirsch, bezw. Arsch, Barsch gegen Ferse, Hirse, Mörser usw.) erörtere ich an anderer Stelle.

Eine Dehnung erfuhren in den östl. Maa. auch die Zwielaute ai, au (> aw), oi vor folgendem Vokal und -r: maaie Maibaum, 3aawaer, Schauer, haawsn hauen, foorsr Feuer; die westl. hingegen haben, dem

6 P. Lessiak.

Mhd. entsprechend, entweder Geminaten: hauuan < *houuen, notie < niuue oder einfachen Diphthong: foir Feuer, gair Geier, saur Schauer, alle drei einsilbig, maure Mauer usw.

Während ursprüngliche Kürze vor inlautender Lenis auf dem ge- samten Gebiet gelängt wird, bleibt sie in Tilliach und dem Pustertal in (urspr.) drei- oder mehrsilbigen Formen erhalten, vgl. Schatz, D. tirol. Ma. S. 63. Ich gebe hier eine kleine Auslese von Beispielen aus Tilliach z. T. als Ergänzung zu Schatz: rot Rad, mos Moos (= Sumpf), Dat. Sg. roode, moouze, Pl. reeido, meeizo, 1. Demin. raadl, meeizl, 2. Demin. radile, mezile. kxoougl Kegel, voougl Vogel, Pl. Areal. vegl, Dem. kregile, vegile. kxiitl Kittel, Pl. krittle, Dem. krittile. hoovn Hafen (Topf), PL havne, noogl Nagel, Pl. negl, tsiigl Zügel, tsigl zügeln, mhd. zügelen, tsedi Zettel (ital. cedola), predige Predigt, ewəne Ebene, ribm Muhre (< *rubina vgl. Rübene Schw. Id. VI, 673), hudo Fetzen -< *hudura, khugl Kugel. nudl F. Nudel deutet auf urspr. *nudula. Vgl. auch die Zusammensetzungen: tọgiswiize Tageswiese (Flurname; dag. unto toogis »unter Tags«<), widrš- koorte Widdersgarten (Flurname; Sg. wiido, Pl. wido Widder), milištoan, miliraadl Mühlstein, Mühlrädchen zu miile Mühle. sootl Sattel aber sọtti- leege (il < ll) Flurname usw. Auf gelegentliche Ausgleichungen und Analogiebildungen hat schon Schatz hingewiesen. Eine solche liegt vor, wenn es nicht nur laado Leder, sondern auch laadra Lederer, laadrn in Leder arbeiten heißt, oder wenn zu oodo, mhd. âder(e) das Demin. adrle lautet (doch plaatrle zu plooto, mhd. bläter).. Ebenso z. B. maali- grantl Mehlschrank für zu erwartendes mali-. Auch in einigen zwei- silbigen Formen ist Kürze aus der Beugung eingedrungen: s?dm sieben, tsuwo Zuber, hoọwix Habicht, ledikx ledig, nach den gebeugten Formen: sibma (*sibeniu), tsiwo (Pl.), howixe, ledige. Bemerkenswert ist, daß auch im Dativ zweisilbiger Wörter, wo ausl. -e z. T. schwindet, die Apokope noch nachwirkt: stxv! Stiefel, aber Dat. stivl. Die Lenis, auch die stimm- hafte, bleibt nach Kürze durchweg als solche bewahrt. Der Akzent ist schwach geschnitten (dagegen wird £ geminiert, vgl. oben kaittdle). Ich erwähne dies deshalb, weil ich in Vilgratten bei kurzem Vokal in offener Silbe stark geschnittenen Akzent hörte, wobei mir der folgende Kon- sonant als Halbfortis erschien: noogl, Pl. neggl.

In einsilbigen oder endbetonten Wörtern tritt vor einfachem Konso- nanten in den östl. Maa. in den meisten Fällen Vokaldehnung ein. Im Gitschtal und im unteren Gailtal sogar vor den Verschlußlauten p, k (nicht aber kh!), wo fast alle anderen kärnt. Maa. Kürze haben: khnoop Knappe, gatook gejagt usw. u, vor m, ferner ? vor ? bleibt, der mittelkärnt. Regel gemäß, kurz in Stockenboi: drum, nom, Snit. Auffallend ist, daß die auslautenden Diphthonge az, or, au in fast allen östl. Maa. kurz bleiben trotz der oben erwähnten Dehnung im Hiatus; also kai, mai, noi, tau gegen maaie, nooie, taawig usw. Das Lesachtal steht auch in bezug auf den Wortauslaut auf einer älteren Stufe: vor (urspr.) Reibelautfortes ist die Kürze fast ausnahmslos gewahrt: pfif, šus, ros, froš, lox; nur im

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. 7

untersten Lesach fand ich einige Dehnungen wie 3oouf Stoff, roous Roß, looux Loch, peeix Pech. Aber auch vor auslautender Lenis haben sich im mittleren und oberen Lesach noch eine Reihe von. Kürzen erhalten: z. B. glọs Glas, oos Gras, tol Tal, khol Kohle (mhd. kol), fil viel, col wohl; inl. dagegen (z. B. in Dat. Sg.): gloose, groose, toole.! Doch findet sich daneben gelegentlich auch Dehnung: hoouf Hof, meel Mehl ua: auch das Gottscheeische (s. Tschinkel S. 230) kennt solche Ausnahmen. Bemerkenswert ist es, daß in Flurnamen sich noch öfters Vokalkürze findet, während sonst in den betreffenden Wörtern Dehnung eingetreten ist: z. B. St. Lorenzen: moous »Moos«, aber s Mos (eine bestimmte Sumpf- wiese), Liesing: tool aber Waitiöl »Weittal« u. a. Als Regel erscheint gedehnter Vokal vor r (wie auch im Gottscheeischen): tiir Tür, heer her. Im unteren und mittleren Lesach sogar vor urspr. rr bei Apokope: noor Narr, Sir Geschirr. Allgemein ist in den westl. Maa. die Kürze er- halten vor auslautender Verschlußfortis, auch in den Fällen, wo sie aus ursprünglicher Lenis hervorgegangen ist, wie: s:p Sieb, grop Grab, rot Rad, tokx Tag (dag. inlautend: siiwe, tooge usw.). Durchweg bleibt Kürze vor Doppelkonsonant, wenngleich in den östl. Maa. sich auch hier mannig- fache Ansätze zur Dehnung finden (schwach geschnittner Akz., Halblänge); nur vor r + Dental: wird auch in den westl. Maa. häufig gedehnt, vgl. z. B. im oberen Lesach: doourt neben dort, oor$ neben or$, hoourn, hirn (hiorn), $teern ($teorn); stets kurzen Vokal hörte ich hier in fort, wort, wert, hert und einigen anderen.

Konsonantismus. Verhärtung im reinen Anlaut konnte ich im ganzen Bereisungsgebiet beobachten; doch führt sie außer Tilliach und dem angrenzenden Kartitsch nicht zur vollen Fortis. Immerhin ist der Unterschied nicht unbeträchtlich, besonders deutlich ist er da, wo für d zwischen Vokalen d gesprochen wird, z. B. im Gailtal tọọx Dach (r be- zeichnet Halbfortis), aber, a dopox. Zu A DgI wäre nachzutragen, daß mir diese teilweise Anlautsverhärtung auch in anderen Gegenden Ober- kärntens und Osttirols untergekommen ist, wie sie denn auch in Mittel- kärnten beobachtet werden kann.

Das mhd. Auslautgesetz, d. h. die Verstärkung auslautender Lenes zu Fortes vgl. Beitr. 28, 38, D. tirol. Maa. S. 18, A Dg I, 312, Gramm. d. Gotscheer Ma. S. 27 ist in den östl. Maa. nur restweise erhalten, in den westl. dagegen noch fast in vollem Umfange; am zähesten hält Tilliach dran fest, wo auch noch der Wechsel von stimmhaftem mit stimmlosem Laut ersichtlich ist: wolf gegen Dat. Sg. wolve, Pl. Nom. Akk. welve; laus Laus gegen laize Läuse usw. (nach Kürze ist der auslautende Konsonant Fortis, nach Länge Halbfortis. Eine kurze Übersicht mag das allmäh- liche Zurückweichen der alten vor den jüngeren analogischen Formen

! Sogar ursprüngliche Längen wurden im Auslaut zuweilen analogisch gekürzt: allemol allemal, has heiß. Liesing: tram Trambaum, Tilliach: gitun getan. Regelmäßig wird ın Tilliach gekürzt vor -£: gzilot gelassen, gihgt gehabt, mot Mahd usw.

8 P. Lessiak.

beleuchten. }. -5. Im Osten wird, wie im übrigen Kärnten, für -b meist bilabiales w gesprochen, das ja inlautend fürs Bair. Regel ist: sw, Aholw; daneben allerdings auch die stimmlose Verschlußlenis söd usw. Eine Abgrenzung ist schwer, da -w und -b oft individuell wechseln. In einigen erstarrten Formen (vgl. auch Beitr. 28, S. 38) findet sich -p für -b auch im Gitsch- und Gailtal. Auch das untere und mittlere Lesachtal hat noch in den allermeisten Fällen -5 (-w). Doch daneben grop Grab und einige andere. In St. Lorenzen und in der Luggau überwiegen bereits die Formen mit -p, in Tilliach werden sie allgemein wie etwa in den krain. Sprach- inseln. In Kartitsch und Sillian herrscht wieder -b vor, zumal nach langem Vokal und nach Konsonant: grop aber kholb, Staab Staub. Die Umgebung von Lienz hat wieder ausschließlich A 2. d Auf einem größeren Gebiet hat sich die dentale Fortis erhalten. Im Osten aller- dings, so im Gailtal, ist d (nicht d’) auch im Auslaut Regel; aber bereits im unteren Lesach tritt dafür Halbfortis ein: poot Bad usw.; im mitt- leren und oberen ist die Fortis (pọt, Smit, nait) allgemein, ebenso im angrenzenden Pustertal. Das Lienzer Becken kennt es nur in Ausnahme- fällen. 3. -g. Stockenboi schließt sich an Mittel- und Oberkärnten an, es hat einige wenige -kx, als Regel -g bezw. mn »Weißensee« hat -kx nur im Adv. wekx erhalten, sonst -g aber -yk. Das Gitschtal kennt einige Fälle mit -kx besonders nach n, daneben yk (lọyk neben loyk.r), sonst o Im unteren Gailtal hörte ich außer wekr durchweg -g bezw. uk: im unteren Lesach mehrfach or, daneben -yk, sonst -k: took, flaisik. Im mittleren ist die Affrikata in Tonsilben allgemein: ipkr, staikr, in neben- toniger Silbe jedoch steht -k: suntak, moatliyk Matling (O.N.). Von da ab wird regelmäßig -kr gesprochen!, doch ist zu bemerken, daß das Reibegeräusch in der Tonsilbe etwas stärker ist als in der nebentonigen: perkx : gorstikh, khünikh bezw. kriinikh.” In Kartitsch ist -Ax nur in Tonsilben Regel, vgl. dagegen munta Montag, foss?y Fasching usw.; in der Talsohle (Sillian) hat schon in einer Reihe von Wörtern auch in der Tonsilbe Ausgleichung nach dem Inlaut stattgefunden, z. B. toog, weeg. In dem entlegeneren Vilgratten herrscht wieder fast dasselbe Verhältnis wie im oberen Lesach. Lienz und seine unmittelbare Umgebung hat als Regel ungehauchtes E. Affrikata nur in wenigen Fällen, vornehmlich nach rn, während die benachbarten Landgemeinden Dölsach, Einöd (Ainet) den alten lautgesetzlichen Zustand (-kr in allen Fällen) erhalten haben. Es unterliegt keinem Zweifel, daß das auslautende -kx (ebenso wie -p, -P) dereinst auf dem (resamtgebiet und ausnahmslos herrschte und daß das ungehauchte -k einen Kompromißlaut darstellt, der den Übergang von -kx >-g vermittelt. Lehrreich ist es zu beobachten, wie die alten Verhältnisse zuerst in den schwachtonigen Silben, wo infolge des geringeren Nach-

ı Ganz ausnahmsweise hörte ich auch im oberen Lesach von einzelnen Personen in bestimmten Wörtern auch E, doch nur auf kärnt. Boden, nicht in Tilliach.

? kh ist nicht reine Aspirata, sondern soll nur die geringere Stärke des Reibe- geräusches andeuten.

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. 9

drucks auch die Affrikata geschwächt erscheint, eine Änderung erfahren. Dialektmischung, Streben nach Ausgleichung und lautliche Entwickelung reichen sich also die Hand, um das alte Ausnahnsgesetz zu Falle zu bringen, das in unseren, wenigstens noch vor kurzer Zeit verkehrsarmen Hochgebirgstälern und in entlegenen Sprachinseln seine letzte Zufluchts- stätte gefunden hat.

Sonore: r wird in Stockenboi und am Weißensee vielfach noch an allen Stellen als Zungen-r gesprochen, daneben hört man bei dem jüngeren Geschlecht inl. vor Konsonant und ausl. auch »vokalisiertes r«<, d. i. v. Im Gitschtal ist Vokalisierung nur im Auslaut starktoniger oder mit stärkerem Nebenton versehener Silben durchgedrungen: kšiiv Ge- schirr, ż¿pọv Jahr, perga »Berger«, mawra Maurer, dagegen hintr, tọhtr Tochter usw. Das Gailtal hat stark gerolltes Zungen-r an allen Stellen; seine Artikulation bildet ein besonderes Kennzeichen der Gailtaler Ma. (auch der windischen!). Im unteren Lesach herrscht wieder ungerolltes Zungen-r, daneben Zäpfchen-r, so durchweg im Auslaut betonter Silben, wo es als stark gekratztes x erscheint: żoox. Gegen die Tiroler Grenze hin verschwindet das Zäpfchen-r allmählich (in Liesing schon fast aus- schließlich ¿oor usw.) Dem ganzen Lesachtal wie auch dem Pustertal (vgl. Schatz, D. tirol. Ma. S. 23) eigen ist der Übergang von mhd. -er in o, von mhd. ære in a, z.B. Tilliach: untofuito Unterfutter, summo Sommer, howo Haber, haiso Häuser; dagegen handla Händler, weeiwa Weber. Auch das Komp.-Suffix erscheint als -@a: pessa besser, greassa größer usw. Darauf, daß hier --ör verallgemeinert ist (wie auch in Gottschee, Lusern, den 7 Gemeinden), hat bereits Schatz hingewiesen. Vor vokalischem Anlaut kommt das r wieder zum Vorschein: an unto- futter aa ein Unterfutter auch, do weeiwar ist (d)oo der Weber ist da. Neben -o für -er habe ich jedoch besonders im unteren und mittleren Lesach auch -r gehört; in Vilgratten erscheint dafür ax: wettaox, pforrax; hier geht auch rt in xt über: hundaxt 100, Gart führt, während es in Kartitsch zu r3i wird: örsta Dienstag, worsin warten (auch firsin fürchten); vor is schwindet hier das r und nur $ bleibt übrig: wustsn Wurzeln, Swọšts schwarz. Vgl. D. tirol. Ma. 69, A Dg I, 311. Im oberen Lesach be- gegnet individuell auch dl, dn für rl, rn. l wird in der Verbindung gl vor Vokalen fast allgemein stimmlos gesprochen, nicht selten ist ein Reibegeräusch hörbar; am Weißensee wird auch ausl. -/ so gebildet, klingt daher nach Palatal fast wie ein ec: geec < gel gelb, Stie still. Im Lesach hat, wie auch in der Umgegend von lienz, l vor Konsonant gutturale Färbung (doch nicht so stark wie in Gottschee oder in der Schweiz), vor allem nach Vokalen mit tieferer Zungenlage: hotp, selin. Die Näselung ist im oberen Gailtal und im Lesachtal stärker aus- geprägt als in Mittelkärnten; vereinzelt findet sich sogar bloße. Näselung mit Schwund des n: khaa"s keines. Regel ist dies nach Lünge vor folgen- dem Zahnlaut in Kartitsch: haa*tsl »Heinzel«, naa"dl < (n)anila Groß- mutter, Jiə”tol Schöntal (dagegen ən) usw. en > Is. unter » Assimilation«.

10 P. Lessiak.

Reibelaute: Daß germ. s und f z. T. stimmhaft vorkommen, wurde bereits erwähnt. Allgemein erscheint s vor Konsonant als $ sowohl an- lautend wie inlautend (kospl, gestar gestern), nur Stockenboi hat wie Mittelkärnten inlautend si. A und ch werden im Lesach zwischen Vokalen geschieden: % ist Lenis mit schwachem Reibegeräusch, ck dagegen spiran- tische Fortis und geminiert. Im Osten sind die beiden Laute qualitativ wie quantitativ zusammengefallen und zwar in ein schwach spirantisches h, das auch vor Konsonant und im Auslaut bestehen bleibt: see(a)hn sehen, khoohn kochen, khoht kocht, noht Nacht, nooh nach. Im Auslaut fällt ch nach nebentoniger Silbe im ganzen (sebiet häufig ab, so regel- mäßig in -löch, z. B. grausla und häufig auch (besonders im oberen Lesach und im Pustertal) im Kollektivsuffix mhd. -ach: sStauda < stüdach, roona < ronach. Gutturales und palatales ch, h werden überall geschieden, nur ist der Unterschied nicht sehr ausgeprägt, weshalb ich ihn unbezeichnet lasse. In Tilliach allerdings wird ch, h auch nach palatalen Vokalen ziemlich weit hinten gebildet, daher hier auch Vokalbrechung eintritt (s. S. 14).

Verschlußlaute: Zu erwähnen ist, daß germ. k (soweit nicht zur Spirans verschoben) und gg allerorts als kx (kh) und kk geschieden werden: rukxn rücken : rukke Rücken. Die Aspiration des % ist im Westen stärker als im Osten, wo kh, wenigstens vor Vokal, eine Zwischen- stellung zwischen Affrikata und Aspirata einnimmt; vor Konsonant und im Auslaut ist die Aspiration auch hier etwas kräftiger: krnöödl, plekx. In der Verschiebung des k nach r, l stimmen unsere Maa. mit den mittel- kärntnischen überein; allgemein z. B. $orkx, mörken, wirken, folkc; nur fand ich überall pirre für mittelkärnt. perkhn (-krn). Vgl. dazu Beitr. 28, 145. Das k rom. und slaw. Lehnwörter, soweit sie nicht vor der Lautverschiebung übernommen oder durch die Schriftsprache in die Maa. gedrungen sind, bleibt auch im Anlaut als hauchlose Fortis von g überall da getrennt, wo die Anlautverschärfung nicht zur vollen Fortis geführt hat (s. oben). Demnach z.B. Tilliach a gulto gegen sonstiges a kulto, (-ar) eine Decke. Ebenso sind in bezug auf die Scheidung von d und t (vom reinen Anlaut z. T. abgesehen) die alten (mhd.) Verhältnisse ge- wahrt, z. B. fuətər Futter : fuədər Fuder, raitn reiten (auch noch in der allgemeinen Bedeutung fahren!) : raidn wenden. Im ganzen Gail- und kärnt. Lesachtal hörte ich für intervokalisches d die stimmlose spirantische Lenis d: oodaer Ader, haada Heide, a dekxe eine Decke. Das Reibegeräusch ist meist sehr schwach, individuell, zumal von Leuten, die viel auswärts gewesen sind, wird auch Verschlußlaut gesprochen. Stets erscheint Ver- schlußlaut im reinen Anlaut und anlautend nach konsonantisch schließendem Wort, ferner in den Verbindungen nd, ld, rd; dagegen d nach Vokal vor folgendem Sonorkonsonant. Ob hier ein altertümlicher Lautstand vorliegt

ı So Kartitsch: © pin mit’n wogy af Silgan gariitn »ich bin nach Sillian ge- fahren«; ? pen sottl gariitn »ich bin geritten«.

Beiträge zur Dialektgeographie der österreichischen Alpenländer. 11

oder Rückbildung, läßt sich natürlich nicht entscheiden. Assimilation von *n5 > nn kennen unsere Maa. nur in fin(nin) finden. pp erscheint als tt: Smitta Schmiede.

Übergangslaute. Assimilation: Allgemein ist die Entwicklung von -rm > -rbm: wurbm, -Im > -Ibm: helbm, -nl> -ndl: prindl Brünn- lein, -nr > -ndr: a Seandr Gar, ol ein schöner, -Ir > -Ildr: a foldr (-ər, -0) ein voller, -r +-r >-rdr: a Swaardr ($waardo) ein schwerer, dagegen komp. $waara(r) (s. oben. Nur im oberen Gailtal und im Lesachtal begegnet -mbl für -ml: sembl. -mbr für -mr fand ich nur im Gitschtal: hombr Hammer, sumbr Sommer usw. Regelmäßig geht im Lesachtal (im Gailtal nur vereinzelt) tf über in nt, tw in p(p), tm in pm: gopfooto Gott Vater, geapekr geht weg, was-ip-pe(e)r < wala)s-i-weer weiß nicht wer, khomperxz Handwerk, kxotsumpmaus Katze und Maus. Für das ganze Gail- und Lesachtal gilt die Assimilation von št + d > %8 bezw. $ in der 2. Sg. der Verbalflexion bei folgendem du: prsse bist du?, hos3e hast du?, wos frokse was fragst du?, dagegen du pist, host usf. Ausgleichung von auslautendem -/n (s. D. tirol. Ma. S. 55, A Dg I, 311) zu -4 ist beschränkt auf das tirol. Lesach- und Pustertal (ferner kennt sie das Iseltal). In Tilliach tritt sie wie in Gottschee nur ein in nebentoniger Silbe, z. B. waksi wechseln, họndl handeln, dagegen kennt sie das übrige hierhergehörige Gebiet auch in mhd. einsilbigem Wort, z. B. piil < spiln. Das gesamte Bereisungsgebiet hat Assimilation von m oder n + en >m bezw. n: pren brennen, raum räumen, šuum schämen. Doch wird im Infinitiv die Endung vielfach auf analogischem Wege wieder hergestellt, so daß Doppelformen entstehen: neben pren usw. auch prennin, raumin, šuumin.

Vokalismus A. der Tonsilben: Im Gesamtgebiete ist a, @ normaler- weise zu einem o-Laut geworden. Länge und Kürze werden im Lesach- . tale deutlich geschieden, und zwar ist die Kürze offen tokr Tag, die Länge (gleichgiltig ob alt oder später entstanden) klingt wie langes o in norddeutscher Aussprache, ist jedoch nicht so geschlossen wie gedehntes mhd. o; doch schreibe ich oo sowohl für wie für o Ansätze zur Scheidung finden sich auch im Gail- und Gitschtal, sind jedoch weniger ausgeprägt. Abweichend wird a vor r im Gitschtal behandelt: hier steht vor r + Kons. dafür ein etwas palatales (gegen ä neigendes) mit schwacher Lippenrundung versehenes a, z. B. štarkx, welches unter gleichen Be- dingungen auch für altes o eintritt: kštarbm gestorben, argl Orgel (eine ähnliche Entsprechung des a und o vor r findet sich in der Millstätter Gegend, s. ADg I, 313). Doch ist in einzelnen Wörtern z. R. ọrbm arm, khorw Korb bereits das gemeinkärnt. durchgedrungen. Für langes (ge- dehntes) a vor Nasal hat das obere Lesach von Liesing aufwärts (und fast das ganze Osttirol) u, das untere o mit einem «-Nachklang; im übrigen Gebiete wird dafür mittleres o gesprochen. Demnach: nuume Name, muune Mond, bezw. nooume, mooune, bezw. noome, moone. Mhd. ä, æ hat überall den Wandel zu hellem a mitgemacht, doch kennt das obere

12 P. Lessiak.

Lesachtal (außer Tilliach) einige bemerkenswerte Ausnahmen mit offenem e vor r+r oder Kons.: pferraf (sonst pfarrox, -af, pfarhof) Pferch, wertse neben wartse Warze, merrn schädigen; vgl. dazu auch herpfe in Defereggen gegen sonstiges harpfe (im Lesach fehlt der Ausdruck). Außer- dem fand ich noch eese, deese neben gemeinsüdbair. aasn, daasn Balken- gestell zum Trocknen der Scheiter. Es handelt sich hier wohl um Erhal- tung einer älteren Entwicklungsstufe (vgl. auch gottscheeisch därrn, tsärrn, närris, Tschinkel S. 175); wenn in Wörtern wie karwe, a(r)kko Erker usw. a erscheint, so dürfte dies auf Sprachmischung (anhaltender Beeinflussung durch die Nachbarmaa.) beruhen. Primäres Umlaut-e ist überall ge- schlossen; im Gailtal hat es eine ö-ähnliche Färbung, die das Lesachtal wie das angrenzende tirol. Pustertal (außer vor ») nicht kennt. Die Länge unterscheidet sich von der Kürze im Westen durch einen 2-Nachschlag: eeisl Esel : eppfl Apfel; doch findet sich dies 2 einzeldialektisch auch bei Kürze. In der Stellung vor Nasal herrscht in den östlichen Maa. mitt- leres e. Brechung zu bezw. öə begegnet öfter vor r; im Gitschtal wird geschlossenes langes e »ö« (gleichgiltig welcher Herkunft) auch vor s schwach diphthongiert: ööasl Esel, khööasl Kessel. Altes e (€) ist in ‚den östlichen Maa. außer vor l, r, h, wo es nach der gemeinbairischen Regel offen bleibt, durchaus mit e zusammengefallen, meist auch im unteren Lesachtal bis Matling. Das obere Lesach bis zur Landesgrenze hat dagegen den alten Unterschied in der Aussprache bewahrt: leesn, neewl, reegy, pfeffo, flekx gegen heribm, geste Gäste usw., auch vor Nasal in preeme Bremse, tseem Ziemer, krem(min) kommen, nem (min) nehmen; doch fensto Fenster, sembl Semmel, seygase Sense, eykc euch usw.; es scheint demnach als ob nur m erhaltend gewirkt hätte. Bekannte Aus- nahmen sind: swesto Schwester, gesto gestern, doch est Nest, preste Leib- schaden, presthoft bresthaft (aber gipreste Gebrechen < gibresti), eeibm eben, . eeiw(a)ne Ebene, doch: do-, derneebn. daneben, leeidikh ledig, preeidige Predigt, šef (neben %f!) Schiff, tseeien(a) < zehen(iu), seks(a) < sehs(tu), dagegen sextsan 16, sextsikh 60, preeito (< pretir bezw. pritir) Bretter neben pret Brett, pelis Pelz (< mhd. bellix), eltas Iltis, jedoch felse Felsen (gegen gemeinkärnt. fölsn; doch wird im Lesach das Wort selten ge- braucht, dafür meist wont, krlopf, polfe »balma«, kınolte, kxnolle, kzooufl), teeigl Tiegel (< *tegul), eppas etwas und andere Zusammen- setzungen mit et-. Dazu kommen einige Lehn- und Kulturwörter: messe, seeigy Segen,